Neue Kulturpflanze bietet Chancen für Landwirte

Lila Mohn soll für bessere Böden im Landkreis Northeim sorgen

Sebastian Elsner ist davon überzeugt, dass der Anbau von Schlafmohn und andere Kulturpflanzen wie Lein und Hanf eine perfekte Ergänzung für die Landwirtschaft im Landkreis Northeim ist.
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Sebastian Elsner ist davon überzeugt, dass der Anbau von Schlafmohn und anderer Kulturpflanzen wie Lein und Hanf eine perfekte Ergänzung für die Landwirtschaft im Landkreis Northeim ist.

Lila blühende Mohnfelder, wie man sie derzeit an der Bundesstraße 3 in Northeim oder in der Sudheimer Feldmark sehen kann, sind nicht nur Augenweiden, die Fotografen anlocken.

Northeim – Der Anbau von Schlafmohn ist eine Möglichkeit, in der hiesigen Region für mehr Abwechslung und gesündere Böden auf den Äckern zu sorgen und gleichzeitig der Landwirtschaft neue Einnahmequellen zu eröffnen. Davon ist Sebastian Elsner überzeugt.

„Um langfristig von der Landwirtschaft leben zu können, müssen sich die Landwirte zukünftig nach Alternativen zur herkömmlichen Bewirtschaftung umschauen“, sagt der Agraringenieur aus Sudheim, der die Mohnfelder zunächst einmal in einer Testphase angelegt hat. Bisher hätten immer die ökonomischen Gesichtspunkte einer Fruchtfolge im Vordergrund gestanden, sodass die Bauern hauptsächlich Raps, Weizen und Rüben angebaut hätten, so Elsner, der auch bei der Landwirtschaftskammer in Northeim beschäftigt ist. Der Aspekt der Pflanzengesundheit, also die sogenannte phytosanitäre Seite, sei dabei jedoch bislang nicht genügend berücksichtigt worden.

Die Probleme beim Rapsanbau mit immer weniger Ertrag, über die mehrfach in der Presse berichtet worden sei, ist laut Elsner nicht nur auf die Trockenheit vergangener Jahre zurückzuführen, sondern auch auf die bisherige Praxis einer engen dreijährigen Fruchtfolge. „Wir brauchen zusätzliche Kulturpflanzen mit denen man statt einer dreijährigen Fruchtfolge eine vier- oder vielleicht sogar fünfjährige Fruchtfolge etablieren könnte.“

Ziel des Ganzen sei aber keinesfalls der Umbau auf biologischen Anbau, betont Elsner. „Wir setzen dabei ausdrücklich auf konventionelle Landwirtschaft und regionale Vermarktung.“ Der Mohn, den Elsner anbaut, soll demnächst nicht nur in Mohnkuchen oder auf Mohnbrötchen hiesiger Bäckereien Verwendung finden.

Geplant ist außerdem, den hohen Ölgehalt der Mohnkörner zu nutzen. Dazu möchte Elsner seinen Mohn an einen Kooperationspartner mit einer eigenen Ölmühle in Hollenstedt abgeben. Dort soll nicht nur Mohn, sondern auch Leinsamen, Leindotter und Hanf verarbeitet und regional verarbeitet werden. Auch diese Pflanzen haben aus Sicht Elsners ein großes Potenzial für gesunde Fruchtfolgen.

Angesichts der ersten Ergebnisse auf seinen Mohnfeldern ist er zuversichtlich, dass der Plan nicht nur für seinen Betrieb, sondern für alle Landwirte der Region eine Chance ist, trotz der zunehmenden Probleme in der Landwirtschaft die Zukunft zu sichern.

„Im Hinblick auf den Anbau und die Pflege ist der Mohn einfacher zu handhaben als andere Kulturen“, hat Elsner festgestellt. Ohne eine vorherige Behandlung der Flächen gegen Unkraut funktioniere der Anbau aber nicht, betont er und erklärt, dass der rote Klatschmohn, der seinen lila Schlafmohn auf den Feldern säumt, keineswegs als hübscher Farbkontrast gedacht sei. „Hier hat das Mittel gegen Unkräuter einfach nicht mehr gereicht, sodass der Schlafmohn keine Chance hatte, sich durchzusetzen. Dem wilden Klatschmohn hat das aber nichts ausgemacht, wie man sieht.“

Wenn der Schlafmohn nach seiner langen Jugendentwicklung erst mal Wurzeln geschlagen hat und wächst, muss man die Felder nicht mehr behandeln, denn dann schafft er es laut Elsner von ganz allein, die Konkurrenz in Form von anderen Pflanzen zu unterdrücken. „Einer chemischen Unkrautbekämpfung sind enge Grenzen gesetzt, weil es nur wenige zugelassen Herbizide im Mohn gibt“, sagt Elsner.

Im Hinblick auf die Ernte und die Reinigung sei Mohn allerdings etwas komplizierter. Wenn Elsner Mitte August mit der Ernte auf seinen beiden, zusammen rund 1,5 Hektar großen Mohnfeldern beginnt, wird er das mit einem herkömmlichen Mähdrescher machen. Dabei muss er allerdings den Schongang einlegen, damit die Mohnkörner nicht aufplatzen. Das hat aber zur Folge, dass die Mohnsamen durch andere Pflanzenteile verunreinigt sind. Das heißt, die Samen müssen aufwendig gereinigt werden, denn um den Mohn verkaufen zu können muss der eine Reinheit von 99,95 Prozent aufweisen.

Elsner geht davon aus, dass der Ertrag zwischen 400 und 900 Kilo je Hektar liegen wird. „Das ist natürlich weitaus weniger als beim Raps, wo wir je Hektar etwa 4 Tonnen ernten können, aber der Preis, den wir mit Mohn erzielen können, ist höher.“

Elsner ist überzeugt davon, dass der Anbau von Schlafmohn und der genannten anderen Pflanzen für die Bauern im Landkreis Northeim zunehmend attraktiver wird - unter anderem weil sie durch ihre langen Pfahlwurzeln die Böden chemisch und physikalisch erheblich verbessern, sodass die Folgefrucht davon profitieren kann.

Bei dem lila blühenden Schlafmohn handelt es sich um einen Verwandten des roten Klatschmohns. Er ist zwar so gezüchtet, dass er nur geringe Mengen an Morphin enthält. Dennoch ist sein Anbau nur mit einer entsprechenden Genehmigung der Bundesopiumstelle in Bonn gestattet. Wer Schlafmohn anbauen möchte, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und eine fachliche Qualifikation nachweisen. Das Mitnehmen von Pflanzenteilen ist verboten.

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