Baugebiete seien zu klein für private Investoren

Forderung von CDU und Grünen: Northeim soll wieder Bauland erschließen

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Bauboom: In Sudheim entstehen derzeit viele neue Einfamilienhäuser 

Northeim. Die Stadt Northeim soll künftig wieder selbst Bauland erschließen dürfen. Diese Forderung hat jetzt die Gruppe CDU-Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Northeim erhoben.

Der bestehende Grundsatzbeschluss, wonach Bauland im Northeimer Stadtgebiet nur durch private Investoren erschlossen werden darf, soll aufgehoben werden, heißt es hierzu in einem Antrag der Gruppe.

„Wir möchten auf diese Weise die Möglichkeit schaffen, auch kleinere Baugebiete in den Ortschaften zu realisieren,“ sagt CDU-Fraktions-Vorsitzende Reta Fromme.

Stadt soll für private Investoren einspringen können

Hintergrund sind unter anderem Überlegungen, in Hohnstedt im Bereich Hinter den Höfen ein neues Baugebiet auszuweisen. Laut Ortsbürgermeister Friedrich Lange hat eine Nachfrage im Ort ergeben, dass es genügend Bauwillige gibt. „Das Problem ist, dass nur zehn bis zwölf Bauplätze zur Verfügung stehen werden“, sagt Lange. So kleine Baugebiete seien aber für private Investoren nicht attraktiv genug. Das sei auch für viele andere Ortsräte ein Problem.

„Wir wollen nicht, dass die Stadt künftig grundsätzlich für die Erschließung von Bauland zuständig ist“, betont Fromme. „Aber wir möchten die Möglichkeit schaffen, dass die Stadt selbst handeln und einspringen kann, wenn sich kein privater Investor findet.“

Kernziel bleibt Baulücken in Ortskernen zu schließen

An den bisherigen städtebaulichen Zielen soll sich laut Fromme nichts ändern. So solle auch künftig im Vordergrund stehen, Baulücken in Ortskernen zu schließen, Baugebiete zur Ortsabrundung auszuweisen und neues Bauland bevorzugt in der Kernstadt zu schaffen.

Als „nicht komplett abwegig“ bewertet Berthold Ernst, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Northeimer Rat, den Vorschlag von CDU und Grünen. Auch aus Sicht der Sozialdemokraten sei es nötig, über „neue Möglichkeiten für den Familienhausbau“ nachzudenken. Die rasante Entwicklung im Neubaugebiet Sudheim zeigt, dass es einen großen Bedarf an Bauland gibt“, sagt Ernst, gibt aber zu bedenken, dass bei einer Übernahme der Erschließung von Baugebieten durch die Stadt Haushaltsmittel gebunden würden. „Und die fehlen dann womöglich an anderer Stelle, wo sie dringend gebraucht werden.“ Auch aus Sicht von FDP-Fraktions-Chef Eckhard Ilsemann birgt das Erschließen von Baugebieten finanzielle Risiken für die Stadt. „Wir müssten in Vorleistung gehen und würden auf zehn Prozent der Kosten sitzen bleiben, weil wir nicht alles auf die Anlieger umlegen könnten.“ Er bezweifelt, dass kleinere Baugebiete für mögliche Investoren grundsätzlich unattraktiv sein sollen. „Die Frage, wo und wann Baugebiete erschlossen werden, regelt der Markt ganz von allein“, so Ilsemann. Generell sollten private Erschließungen in kleinen und größeren Baugebieten möglich sein, sagt AfD-Fraktions-Chef Maik Schmitz. „Wir denken, dass generell eine flexible Handhabe vonnöten ist.“ Das könne positiv für die Zukunft, die Entwicklung und den Fortbestand der Dörfer rund um die Stadt Northeim sein. „Wir würden die Aufhebung des Grundsatzbeschlusses befürworten“, sagt Armin Töpperwien als Sprecher für die Gruppe FUL/Linke im Northeimer Rat. „Bei größeren Baugebieten sollte aber eine Privaterschließung weiter möglich sein, um flexibler reagieren zu können und um kein Kapital zu binden, dass der Stadt eventuell an anderer Stelle fehlen könnte.“ 

Bauunternehmer widerspricht: Lage und Anbindung wichtiger als Größe 

Der Vorschlag von Christdemokraten und Grünen biete die Möglichkeit, dass Bauwillige ihre Vorhaben verwirklichen können, weil es vor allem in den Ortschaften kleinere Baugebiete gebe, „die für private Erschließungsträger wenig attraktiv erscheinen.“ „Die Größe eines möglichen Baugebietes ist nicht ausschlaggebend dafür, ob sich ein Investor für die Erschließung eines Baugebietes interessiert“, sagt der Northeimer Bauunternehmer Hans-Joachim Schönhütte auf HNA-Anfrage. Insofern könne er die Aussage, dass kleine Baugebiete für mögliche Investoren unattraktiv seien, nicht bestätigen. Als wichtigere Kriterien für eine Entscheidung nennt Schönhütte die Lage des Baugebietes, die Anbindung an die Verkehrswege und die Möglichkeiten der späteren Vermarktung.

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