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Frank Schmidt aus Hillerse pilgert 3500 Kilometer auf dem Jakobsweg

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Von: Niko Mönkemeyer

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Mann mit Reisegepäck am Strand
Einachser als Reisebegleiter: Frank Schmidt am 21. März beim Start seiner Tour am Strand von Puttgarden auf Fehmarn. © Frank Schmidt

„Ich bin dann mal weg“ – wenn man diesen Satz hört, weiß fast jeder was gemeint ist: nämlich, dass jemand auf dem Jakobsweg pilgern möchte.

Hillerse – Auch aus dem Raum Northeim haben das schon viele gemacht, aber sicher nicht so wie Frank Schmidt aus Hillerse. Der hat sich nämlich vorgenommen, die gesamte Strecke von Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn aus bis Finisterre am sogenannten „Ende der Welt“ an der spanischen Atlantikküste zu gehen – insgesamt rund 3500 Kilometer. Und die ersten 1000 hat er bereits geschafft – ganz genau sind es 1030,1 Kilometer oder 1 291 741 Schritte.

Mönchsfigur aus Holz auf einer Wiese
Diese hölzerne Mönchsfigur am Fähranleger in Puttgarden symbolisiert den Treffpunkt der beiden mittelalterlichen Reiserouten „Via Scandinavica“ und „Mönchsweg“. © Frank Schmidt

Der 52-Jährige, der in Frankfurt als Berufsfeuerwehrmann gearbeitet hat und aufgrund einer Knieverletzung den Dienst quittieren musste, ist jetzt Frührentner. Er geht davon aus, dass er insgesamt 150 Tage unterwegs sein wird.

Schmidt ist nicht zum ersten Mal auf dem Jakobsweg unterwegs, denn in Spanien ist er den bereits viermal gelaufen. Hintergrund für die aktuelle Tour ist sein Wunsch, irgendwann einmal den Appalachen-Trail in den USA zu gehen. „Wenn ich es von Puttgarden bis ans Ende der Welt schaffe, schaffe ich den auch“, ist er sich sicher.

Das Kap Finisterre (Spanisch: Ende der Welt) an der Westküste von Galicien im Nordwesten Spaniens gilt für viele Pilger als das eigentliche Ende des Jakobsweges. Es liegt etwa 60 Kilometer westlich der berühmten Pilgerstadt Santiago de Compostela. Beliebtes Fotomotiv ist dort die Skulptur eines Pilgerschuhs, und nach altem Brauch lassen viele Pilger, die die Strecke geschafft haben, auch ihre Schuhe dort.

Auf die Idee, die aktuelle Tour zu gehen, ist Schmidt bei Spaziergängen auf dem Wieterrandweg in Northeim gekommen. „Als ich da die gelben Pfeile gesehen habe, ist mir erst richtig bewusst geworden, dass Northeim ja auch am Jakobsweg liegt“, berichtet er.

Genauer gesagt, handelt es sich um die Via Scandinavica, eine von insgesamt zehn Strecken in Deutschland, die zum Jakobsweg gezählt werden. Sie führt von Puttgarden auf Fehmarn über Lübeck, Lüneburg, Celle, Hannover und Bad Gandersheim nach Northeim und dann weiter über Göttingen bis nach Eisenach.

Zu Ostern hatte es Schmidt dann wie geplant bis in die heimischen Gefilde geschafft. Die in Hillerse vorgesehene Pause wurde aber verlängert, weil er sich einer kleinen OP unterziehen musste. Nach acht Tagen ging es dann aber schon wieder weiter – über Nörten, Bühle, durchs Rodetal, über die Nikolausberger Warte nach Geismar. „Da habe ich mich von meinem Vater abholen lassen, um noch mal zu Hause schlafen zu können“, sagt Schmidt. „Und am nächsten Tag bin ich von dort aus wieder gestartet.“

In den folgenden Tagen waren in Hessen unter anderem die Städte Fulda und Frankfurt seine Stationen, ehe er vorigen Samstag rheinland-pfälzischen Boden betrat. Hier führte seine Strecke bislang über Bingen und den Ohligsberg im Hunsrück. Aktuell befindet sich Schmidt in Kirchberg am Hunsrück.

Mann vor dem Frankfurter Römer
5. Mai: Ankunft in Frankfurt. © Frank Schmidt

Begleitet wird Schmidt übrigens von einigen Freunden und seiner Familie – allerdings nur auf dem Handy, denn per Whatsapp hält er die über seine Erlebnisse während der Tour auf dem Laufenden. Zurzeit machen ihm Fliegen und Mücken das Leben schwer, und natürlich gibt es da den einen oder anderen, manchmal auch nicht ernst gemeinten Tipp von den Chat-Mitgliedern, wie er sich die Plagegeister vom Hals halten kann.

In Gedanken hat Schmidt noch ein weiteren Begleiter, nämlich seinen Bruder Heiko, dem er seinen Weg zum Ende der Welt gewidmet hat. „Er hat in diesem Jahr seinen dreijährigen Kampf gegen den Krebs verloren und kann mich deswegen nie wieder begleiten“, erklärt Schmidt. „Deshalb habe ich mich entschieden, aus meiner Reise eine Spendenaktion zu machen.“

Mit den Spenden möchte Schmidt drei Organisationen unterstützen, die ihm ganz besonders am Herzen liegen: den Verein Paulchen e.V., der sich für brandverletzte Kinder einsetzt, den Volksbund Kriegsgräberfürsorge und den Verein für krebskranke Kinder Hannover, der seit 35 Jahren krebskranke Kinder und ihre Familien betreut. Weitere Informationen zu der Spendenaktion unter zu.hna.de/jakobsweg.

Der auf Fehmarn beginnende Teil des Jakobsweges durchquert aus Richtung Hildesheim kommend den Landkreis Northeim.

Erste Stationen sind dort der Bad Gandersheimer Ortsteil Clus, das Kloster Brunshausen und die Stadt Bad Gandersheim.

In der Gemeinde Kalefeld führt die Route weiter über die Weißenwasserkirche und die Marienkirche in Kalefeld zur Ortschaft Eboldshausen, die das für den Jakobsweg typische Symbol, nämlich die Jakobsmuschel in ihrem Wappen führt. Über das Kloster Wiebrechtshausen führt die Route dann weiter über Langenholtensen nach Northeim, wo es vorbei an der St.-Blasien-Kapelle durch die Innenstadt über die Wieterallee hinauf zum Wieterrandweg geht. Ab der Schutzhütte weisen zum Teil bereits ziemlich verwitterte gelbe Pfeile an Bäumen den Pilgern den richtigen Weg nach Nörten-Hardenberg, Billingshausen und Göttingen. Weitere Infos bei der Northeim Touristik. (Niko Mönkemeyer)

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