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Frank Schmidt aus Northeimer Ortschaft Hillerse pilgerte 3500 Kilometer auf dem Jakobsweg

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Von: Niko Mönkemeyer

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Pilger vor der Kathedrale in Santiago de Compostela halten einen meterlangen Pilgerausweis  in den Händen
Der Pilgerausweis von Frank Schmidt war in Santiago de Compostela auch für andere Pilger eine Attraktion, denn darin hat er auf seiner Tour insgesamt 214 Stempel gesammelt. © Frank Schmidt

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.

Hillerse – Dieser Spruch des deutschen Dichters Matthias Claudius (1740-1815) bewahrheitet sich immer wieder. Erst recht, wenn man wie Frank Schmidt aus Hillerse auf dem Jakobsweg zu Fuß von Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn bis nach Finisterre an der spanischen Atlantikküste gegangen ist (wir berichteten).

„Zum Glück habe ich ein Tagebuch geführt und alles aufgeschrieben, damit ich nichts vergesse“, sagt der 53-Jährige, der vor einigen Tagen in seinen Heimatort zurückgekehrt ist und jetzt überlegt, aus seinen Aufzeichnungen vielleicht ein Buch zu machen.

Allein die statistischen Daten seiner Pilgertour, die am 21. März begann und am 12. August endete, sind beeindruckend: „Am Ende waren es 3515,5 Kilometer und dafür habe ich 4 334 761 Schritte gebraucht“, sagt er. „Das sind durchschnittlich 26 Kilometer und 32 108 Schritte pro Tag.“

Für Übernachtungen in Pilgerherbergen hat Schmidt unterwegs durchschnittlich 24 Euro am Tag ausgegeben. Das macht unterm Strich 3306 Euro. Unterwegs hat er insgesamt 12 Bücher mit zusammen 5594 Seiten gelesen und 214 Stempel in seinem Pilgerausweis gesammelt.

„Außerdem habe ich 20 Kilo abgenommen“, ergänzt Schmidt und fügt schmunzelnd hinzu, dass er wahrscheinlich noch mehr Kilos verloren hätte, wenn er nicht zufällig in Spanien einen Pilger aus Korea getroffen hätte, der ziemlich gut kochen konnte und mit dem er zusammen den restlichen Weg bis ans Ziel gegangen ist.

Wanderer mit Rucksack am Ortsschild Hillerse
Wieder zu Hause: Aus Spanien ist er zwar mit dem Bus nach Deutschland zurückgekehrt, aber die allerletzten Kilometer von Northeim nach Hillerse ist er noch einmal zu Fuß gegangen. © Niko Mönkemeyer

„Die Verständigung war kein Problem, da er früher in Kassel bei Continetnal gearbeitet hat“, berichtet Schmidt, „Und da er auch Northeim kannte, hatten wir viel Gesprächsstoff.“

Regelrecht sprachlos war Schmidt allerdings, als er nach einer krankheitsbedingten viertägigen Zwangspause in Hillerse seine Tour fortsetzte und ihm vier Tage später nach einer regnerischen Etappe ein Mönch im Franziskanerkloster Hülfensberg bei Döringsdorf im Eichfeld die Unterkunft in einer Pilgerunterkunft verwehrte – mit dem Hinweis, dass schließlich Wochenende sei.

„Ich durfte lediglich mein Zelt im Garten des Klosters aufschlagen, aber weil es regnete und eh schon alles klitschnass war, habe ich schließlich die Nach in der öffentlichen Behindertentoilette des Klosters verbracht“, blickt Schmidt zurück und betont, dass dies aber eigentlich das einzige negative Erlebnis sei, das ihm in Erinnerung bleiben werde – abgesehen von den Wetterkapriolen mit Hitzewellen und sintflutartigem Regen, die Schmidt als deutliche Zeichen des Klimawandels interpretiert.

„In Spanien bin ich schon fünfmal den Jakobsweg gegangen, und unter vielen Brücken, die dort mal über größere Flüsse führten, sieht man nur noch dünne Rinnsale oder ganz leere Flussbetten“, sagt er.

Von seinem ursprünglichen Plan, sich mit dieser seinem verstorbenen Bruder gewidmeten Pilgertour auf den etwa genauso langen, berühmten Appalachen-Trail vorzubereiten (wir berichteten), hat Schmidt Abstand genommen. „Dass ich diese Distanz schaffen kann, weiß ich ja jetzt“, betont er. „Und da muss ich mich jetzt nicht mehr auf eine unbekannte Strecke wagen, bei der ich außerdem immer damit rechnen muss, einem wilden Bären zu begegnen.“

Er bedankt sich bei allen, die ihm seit dem 21. März über WhatsApp begleitet und manchmal auch aufgemuntert haben, denn selbstverständlich habe es unterwegs auch den einen oder anderen schwierigen Tag gegeben. „Aber die sind jetzt alle vergessen.“

Im kommenden Jahr will Schmidt als freiwilliger Helfer in einer der Herbergen am Jakobsweg andere Pilger unterstützen, und langfristig hat er sich vorgenommen, seine jetzt absolvierte Tour noch einmal zu wiederholen.

„Womöglich werde ich dann aber noch ein Stückchen weiter im Norden starten“, sagt Schmidt und schmunzelt. „Vielleicht gehe ich dann in Tallinn in Estland los. Das wären dann noch mal ungefähr 1500 Kilometer mehr.“

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