Der Angeklagte war verschuldet

Freiheitsstrafe für Ex-Geschäftsführer der Northeimer Kreis-Feuerwehr-Sterbekasse

Northeim. Die Affäre um finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Sterbekasse der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Northeim hat ein strafrechtliches Nachspiel.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Göttingen hat das Amtsgericht Northeim gegen den langjährigen Geschäftsführer der Sterbekasse einen Strafbefehl wegen gewerbsmäßiger Untreue in sechs Fällen erlassen.

Der 59-Jährige werde zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt werde, teilte Behördensprecher Andreas Buick mit. Als Bewährungsauflage müsse der 59-Jährige 5000 Euro an den Förderverein der Jugendfeuerwehren in Niedersachsen zahlen. Außerdem dürfe er keine ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen, die mit der Verwaltung von fremden Geldern verbunden sei.

Der 59-Jährige war seit 2000 gewähltes Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Sterbekasse im Kreisfeuerwehrverband. Der 59-Jährige geriet 2016 ins Visier der Ermittler, nachdem ein Geldinstitut Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz erstattet hatte.

Ermittlungen ergaben, dass er 2016 fünfmal je 10 000 Euro (insgesamt 50 000 Euro) vom Konto der Sterbekasse abgehoben und auf ein Privatkonto überwiesen hatte. Außerdem habe er von einem weiteren Konto 1700 Euro abgehoben und privat verwendet, sagte Buick.

Der 59-Jährige habe in der Zeit zwischen Februar und Oktober 2016 durchgängig Schulden gehabt, sein Konto sei ständig im Minus gewesen, betont der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Die Feuerwehr im Kreis Northeim hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe alle Konten der Sterbekasse für den Geschäftsführer gesperrt. Außerdem habe man ihn von allen Feuerwehrtätigkeiten frei gestellt und ihm Hausverbot für die Geschäftsräume des Kreisfeuerwehrverbandes erteilt, sagte der Northeimer Kreisbrandmeister Bernd Kühle damals. Es ist bereits der zweite Untreuefall bei den Feuerwehren in Südniedersachsen. Im Frühjahr 2016 verurteilte das Landgericht Göttingen den früheren Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Osterode zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. 

Der 65-Jährige hatte zwischen 2011 und 2014 jedes Jahr etwa 20 000 Euro aus der Sterbekasse der Feuerwehren für eigene Zwecke abgezweigt. Viele weitere Taten waren bereits verjährt. Insgesamt sollen auf den Osteroder Feuerwehrkonten 275 000 Euro fehlen. Der Vorsitzende Richter wies damals darauf hin, dass sowohl die Feuerwehren als auch die Aufsichtsbehörden eine Mitverantwortung trügen. Bei „halbwegs verlässlicher Kontrolle“ hätte auffallen müssen, dass jedes Jahr mehrere tausend Euro in der Kasse fehlten. Aufgedeckt hatte die Unregelmäßigkeiten damals das Finanzamt.

Rubriklistenbild: © dpa

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