1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Northeim

Neues Frauenhaus im Kreis Northeim geht in Betrieb

Erstellt:

Von: Hans-Peter Niesen

Kommentare

Das Team des Frauenhauses mit (hinten von links) Dunja Heins, Paula Meister und Julia Dusanek sowie sitzend (v. l.) Kerstin Jordan, dem Geschäftsführer der Werk-statt-Schule, Maik Schwartau, und Doreen Schlenczek.
Das Team des Frauenhauses mit (hinten von links) Dunja Heins, Paula Meister und Julia Dusanek sowie sitzend (v. l.) Kerstin Jordan, dem Geschäftsführer der Werk-statt-Schule, Maik Schwartau, und Doreen Schlenczek. © Hans-Peter niesen

Geschützter Raum für Frauen aus dem Landkreis Northeim

Northeim – Das lang ersehnte Northeimer Frauenhaus als Schutzraum für Frauen mit häuslichen Gewalterfahrungen hat seinen Betrieb aufgenommen. Es ist unter der Rufnummer 0 55 51/9 19 16 16 oder der E-Mail-Adresse frauenhaus-northeim@werk-statt-schule.de zu erreichen. Die Adresse bleibt zum Schutz der Bewohnerinnen anonym. Betrieben wird das Haus von der Werk-statt-Schule Northeim, einem Verein, der als Bildungs- und Projektträger im sozialen Bereich und Träger einer staatlich anerkannten Förderschule tätig ist und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angehört.

Derzeit sind Plätze für drei bis vier Frauen und ihre Kinder vorhanden. Weitere vier bis fünf Plätze werden nach der Fertigstellung der Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Zudem soll ein sogenanntes Notfallzimmer geschaffen werden. Das erläuterten Geschäftsführer Maik Schwartau und die Frauenhaus-Verantwortlichen Julia Dusanek und Kerstin Jordan in einem Pressegespräch.

Das Angebot richtet sich an akut gewaltbetroffene oder von Gewalt bedrohte Frauen und Mütter ab 18 Jahre, unabhängig von der Art der erlebten Gewalt sowie an die mitgebrachten Kinder.

Zurzeit wird das Haus von drei Frauen und zwei Kindern bewohnt. Das Besondere: Es nimmt auch Jungen mit auf, die älter als zwölf Jahre sind. Die Aufenthaltsdauer wird mit den Frauen abgestimmt und ist davon abhängig, wie lange der Schutz notwendig ist. Nach Erfahrungen in anderen Häusern gehen manche Frauen schon nach einem Tag, andere bleiben aber wesentlich länger. „Wichtig ist, dass die Gewaltspirale durchbrochen wird“, sagt Julia Dusanek.

Durchschnittlich rechnen die Betreiber mit drei bis vier Monaten, um beispielsweise eine neue Wohnung, einen Kita-Platz, eine Schule und einen Arbeitsplatz zu finden.

Anfang 2023 werden die barrierefreien Wohnungen komplett fertig sein, dann können auch Rollstuhlfahrerinnen beherbergt werden. Mit dem vom Landkreis als Initiator gezahlten Kostenrahmen von 410 000 Euro kommt die Werk-statt-Schule laut Schwartau aus.

Das neue Northeimer Frauenhaus, das jetzt seinen Betrieb aufgenommen hat, wird von einem Fünfer-Team gemanagt. Ihm gehören die staatlich anerkannten Sozialpädagogen Julia Dusanek, Paula Meister, Doreen Schlenczek, Erzieherin Dunja Heins und Kerstin Jordan als Verwaltungsmitarbeiterin und Beauftragte für Sicherheit und Qualitätsmanagement an. Damit ist das Team aber noch nicht komplett, sagt der Geschäftsführer der Werk-statt-Schule, Maik Schwartau, dessen Einrichtung das Haus betreibt. Gesucht werde derzeit noch eine Mitarbeiterin auf 20-Stunden-Basis für „soziale Arbeit“.

Trotz der weitgehenden Finanzierung durch den Landkreis Northeim freut sich das Frauenhaus über Sach- und Geldspenden. Mit dem Erlös einer Benefizaktion des Fördervereins Inner Wheel Göttingen am Sonntag, 15. Mai, um 10.15 Uhr im Kino Neue Schauburg in Northeim soll die psychotherapeutische Betreuung der Zuflucht suchenden Frauen unterstützt werden, sagte Maik Schwartau.

Bei der Veranstaltung in der Neuen Schauberg wird Steven Spielbergs Film „Die Verlegerin“ gezeigt. Der Eintrittspreis beträgt 20 Euro pro Person. Im Frauenhaus wird den Betroffenen Schutz vor körperlicher, seelischer, sexualisierter sowie ökonomischer und struktureller Gewalt geboten. Dies gilt unabhängig von Sozial-, Kultur- und Bildungsstatus sowie Nationalität.

Auch Isolation, so die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses, sei eine der vielen Ausprägungen von Gewalt. „Durch die Verknüpfung von Angst und Unterdrückung kann die Isolierung von Frauen vermehrt dort stattfinden, wo Gewalt bagatellisiert, verschleiert oder gerechtfertigt wird.“ Die Verlagerung der „Schuldfrage“ auf das oder die Opfer bedeute eine „zusätzliche, perfide Gewalterfahrung“. (Hans-Peter Niesen)

Auch interessant

Kommentare