3000 Jahre alte Stätte

Gasse für Forstmaschinen führte direkt über altes Grab

Deutlich zu sehen sind die Spuren der schweren Fahrzeuge auf dem Hügelgrab: Thorsten Möhlenhoff (von links), Johannes Wobst , Dieter Kirchner und Pressesprecher Michael Rudolph beim Ortstermin am Hagenberg bei Moringen. Jetzt sind die Hügel mit Absperrband gesichert. Fotos: Schwekendiek

Northeim. Am Hagenberg bei Moringen sind schwere Forstfahrzeuge bei der Holzernte über bronzezeitliche Hügelgräber gefahren. Nach Hinweisen von Anwohnern wurden die historischen Stätten jetzt abgesichert.

Die Spuren schwerer Forstmaschinen im Waldboden sind deutlich zu erkennen. Sie führen direkt über einen Hügel, der auf den ersten Blick ein ganz normaler Erdhaufen zu sein scheint. Tatsächlich wurde er jedoch vor über 3000 Jahren als Grabstätte angelegt.

„Da kann man doch nicht einfach drüber fahren“, ärgert sich Anwohner Dieter Kirchner. Ein Bekannter hatte ihm nach einem Waldspaziergang von den Schäden am Hagenberg bei Moringen berichtet. Dort wird derzeit Holz geerntet. Die Forstarbeiter nutzen den Weg über den Hügel als Rückegasse, um das Holz aus dem Wald zum Wegesrand zu transportieren.

„Die schweren Maschinen können die Gegebenheiten im Erdreich verändern“, erklärt Gerald Könecke von der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung, die sich mit der Geschichte der Region befasst. Das könnte die Ergebnisse verfälschen, falls irgendwann erneut Grabungen vorgenommen würden.

Bei einem Ortstermin im Wald am Hagenberg brachten Kirchner und Könecke jetzt ihre Bedenken bei Revierförster Thorsten Möhlenhoff und dem zuständigen Forstamt Dassel vor. Ergebnis: Mit „Zäunen“ aus Holzstämmen sollen die Hügel künftig geschützt werden.

„Mir war nicht bekannt, dass sich hier Hügelgräber befinden“, gab Möhlenhoff zu, der erst seit zwei Monaten als Förster für dieses Revier zuständig ist. Als er davon erfuhr, habe er sofort eine Sperrung des Weges veranlasst und auch die anderen Grabhügel gesichert. Die Rückegasse sei jedoch bereits vor über zehn Jahren angelegt worden.

Bevor im Wald Holz geerntet werden dürfe, seien viele Aspekte zu berücksichtigen, erklärte Betriebsdezernent Johannes Wobst vom Forstamt Dassel. So spielten zum Beispiel der Wasser- und Naturschutz eine Rolle, aber auch der Tierschutz. Die Vorarbeit für die Holzernte dauere in der Regel mehrere Wochen bis Monate.

Der Schutz von Bodendenkmälernsei im Merkblatt „Bodenschutz“ der Niedersächsischen Landesforsten geregelt, erläuterte Förster Jörg Hengst. Demnach sind kleinere Bodendenkmäler von der Feinerschließung ausgenommen, größere Bodendenkmäler dürfen forstwirtschaftlich nur so erschlossen werden, dass sich ihr Charakter nicht verändert.

Um in Zukunft weitere Schäden zu verhindern, wurden die Hügelgräber im geografischen Informationssystem hinterlegt, auf das alle Mitarbeiter der Landesforsten per Computer Zugriff haben. So soll sichergestellt werden, dass das vorhandene Wissen weitergegeben wird. (jus)

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der gedruckten Donnerstagausgabe der HNA/ Northeimer Neueste Nachrichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.