Draußen läuft es gut

Gastronomie im Landkreis Northeim: Gäste meiden die Räume – Staatliche Hilfen greifen

Zwei Männer hocken hinter einem Frühstücksbuffet, das im Vordergrund des Bildes zu sehen ist.
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Es ist wieder angerichtet: Dominik Paris (links) und Koch Simon Bärhausen vom Café Ahrens am wieder erlaubten Frühstücksbuffet.

Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie werden immer mehr gelockert, das bietet auch den Gastronomen im Landkreis Northeim wieder eine Perspektive.

Landkreis Northeim – Nach dem langen Lockdown freut sich Dominik Paris vom Northeimer Café Ahrens, dass der Betrieb wieder gut angelaufen sei. „Die Leute kommen, sind gut drauf und genießen“, berichtet er. Zurzeit laufe auch aufgrund des Sommerwetters das Geschäft sehr gut.

„Es ist Zeit Danke zu sagen“, so Paris, dafür, dass die Gäste Vertrauen haben und wieder in das Café kommen und es unterstützen, aber auch für die staatlichen Hilfen wie Sofort-Darlehen und Mehrwertsteuersenkung. Das seien gute Maßnahmen nach den Geschäftseinbrüchen aufgrund des Lockdowns gewesen.

Sorge bereite ihm allerdings der Blick auf die Herbst-Winter-Saison, denn dann stünden ihm im Innenbereich – bei gleichbleibenden Abstandsregeln – weniger Plätze zur Verfügung. Zudem sei auch der Partyservice noch nicht wieder wie vor der Corona-Pandemie angelaufen, da es keine größeren Feiern mehr gebe.

„Wenn die Sonne scheint, ist alles gut“, bilanziert auch Martin Jahre vom Wirtshaus St. Blasien. Aber er stelle fest, dass die Leute selbst bei schlechterem Wetter jetzt lieber draußen sitzen würden. Insbesondere, dass jetzt wieder bis zu zehn Personen an einem Tisch sitzen dürfen, sei für die Gastronomie gut. Bei den Gästen beobachte er, dass alle noch vorsichtig miteinander umgingen, es gibt weniger Umarmungen und man bleibe lieber auf sicherer Distanz.

Martin Jahre vom Wirtshaus St. Blasien.

Die ersten Lockerungen seien von allen mit großer Freude aufgenommen worden. „Das war wie ein Weihnachtseffekt“, so Jahre, jeder Schritt sei wie ein neues Geschenk angenommen worden.

Der Gastronom, der seine Tische und Stühle auf circa 90 Quadratmetern vor seinem Wirtshaus am Münsterplatz stehen hat, begrüßt sehr den Northeimer Ratsbeschluss, dass die Gebühren für die Außenbewirtschaftungsfläche nun wegfallen.

Große Feiern fehlen noch

„Wir hoffen auf einen italienischen Sommer“, so Nico Miele und Munira Giadis von der Northeimer Marktstube. Es gebe zwar viele Leute, die sie unterstützen würden, aber man merke schon noch deutlich die Zurückhaltung bei den Gästen. So sei aktuell nur bei schönem Wetter etwas los.

„Es geht wieder bergauf“, freut sich Sam Ledderhose vom Sachsenross in Lütgenrode. Sowohl im Restaurant als auch im Hotel sind steigende Gästezahlen zu verzeichnen. Es fehlten aber immer noch die größeren Familienfeiern und die Tagungsgäste. Auch würden in diesem Sommer keine größeren Firmenfeiern stattfinden, wo das Sachsenross oft das Catering übernommen habe, erklärt Ledderhose.

Negativ ausgewirkt hätte sich der Corona-Hotspot in Göttingen auf sein Geschäft. Als diese Nachricht durch die Medien ging, hätten einige Gäste ihre Reise nach Lütgenrode wieder storniert. Jetzt normalisiere sich die Lage wieder, so Ledderhose. Um den Gästen weiterhin so viel Angst wie möglich zu nehmen, behalte man auch die Bedienung am Buffet bei. „Das melden uns die Gäste auch positiv zurück“, sagt der Gastronom.

Staatliche Hilfen haben eine Kehrseite

Aus Sicht von Wilhelm Johanning vom Gasthaus Zur Erholung in Uslar-Eschershausen ist das Geschäft grundsätzlich im Großen und Ganzen vernünftig angelaufen. Das betrifft die Übernachtungs- und À-la-Carte-Gäste. Aber es fehlten die Familienfeiern, weshalb es nach Johannings Worten eng werden könne. Denn dies mache bei ihnen 60 bis 70 Prozent des Umsatzes aus. Und bisher sind seinen Angaben zufolge in seinen Räumen nur Familienfeiern bis 20 Personen erlaubt.

Kritisch sieht der Gastronom aus dem Uslarer Land das mit der staatlichen Hilfe: Sie sei vor wenigen Tagen endlich gekommen – mit der Aussage, dass sie zurückzuzahlen sei. Das sei keine gute Perspektive. Johanning: „Die Kleinen gucken wieder in die Röhre.“

Nicht einfach war es zudem, einen angemessenen Betrag aus der Betriebsschließungsversicherung zu bekommen, sonst hätte er schon zumachen müssen. Insgesamt habe das Haus alle Möglichkeiten ausgenutzt, die machbar sind, um zu öffnen. Wert legt Johanning auf die Feststellung, dass keine Mitarbeiter entlassen wurden. Die Lage ist nicht einfach, weiß der Gastronom, der einer von zwei Vorsitzenden des Dehoga-Kreisverbandes Northeim ist: Etliche Kollegen haben deshalb noch nicht geöffnet, weil sie unter den gegebenen Umständen Geld dazulegen würden.

Corona-Lockerungen in der Gastronomie

Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Niedersachsens vom 10. Juli ermöglicht auch für die Gastronomie wieder einige Lockerungen. So sind unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln beispielsweise Selbstbedienungsbuffets wieder erlaubt. Inzwischen dürfen auch bis zu zehn Personen aus unterschiedlichen Hausständen ohne Abstandsvorgabe an einem Tisch sitzen. Zudem können unter Wahrung des Abstands wieder 100 Prozent der Plätze belegt werden. 

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