1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Northeim

Northeimer Pilgerpfad erfreut sich großer Beliebtheit

Erstellt:

Von: Axel Gödecke

Kommentare

Der Berliner Mauerrest am Rhumeufer an der Seesener Landstraße in Northeim ist einer von insgesamt 18 Haltepunkten auf dem Northeimer Pilgerweg.
Der Berliner Mauerrest am Rhumeufer an der Seesener Landstraße in Northeim ist einer von insgesamt 18 Haltepunkten auf dem Northeimer Pilgerweg. © Christian Dolle/ Kirchenkreis Leine-Solling

Auch in der Stadt Northeim und ihrer näheren, meist sehr grünen und dabei in diesen heißen Sommertagen auch schattigen Umgebung gibt es einen Pilgerweg.

Northeim - Der Pfad ist zwar nicht so berühmt wie der Tausende von Kilometern umfassende Jakobsweg mit Ziel Santiago de Compostella, aber reizvoll an Erlebnissen und wertvoll für die innere Einkehr.

Vor rund einem Jahr ist er unter dem Motto „Anhaltepunkte – eine Gedankenwanderung“ als Gemeinschaftsprojekt der Sixti- und Corvinusgemeinde sowie der Northeim-Touristik in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Leine-Solling ins Leben gerufen worden (HNA berichtete). Und der Weg mit seinen 18 Stationen erfreut sich immer größerer Beliebtheit, wie Touristik-Geschäftsführerin Helvi Ritter bestätigt.

Die Route des Pilgerpfads Northeim
Pilgerpfad Northeim: die Route © HNA-Grafik/Pligerpfad-Broschüre

„Wir haben mehrere Hundert Broschüren zum Weg in der Northeim Touristik herausgegeben und füllen immer wieder nach“, führt sie weiter aus. Besonders interessant sei die Route auch deswegen, weil sie etliche Sehenswürdigkeiten in der Stadt, wie zum Beispiel die kleine Wasserkaskade an den Teichen der Wallanlage, oder die Marienstatue an der Sixti-Kirche ins Licht rücke, andere wie die Stadtmauer, das Konrektorenhaus, die Steinscheune oder auch den Wieterturm aus einem ganz anderen Blick mit gedanklichen Impulsen betrachte.

Erkennbar ist der insgesamt 13 Kilometer lange Rundweg an einer runden blauen Plakette, die sich an vielen Stellen des Weges befinden und die auch einen QR-Code haben, mit denen man sich leicht die Broschüre als pdf-Datei aufs Smartphone runterladen kann.

Praktisch, so Ritter, sei auch, dass es drei Abkürzungen zum Beispiel über den Seeldeweg gebe, für diejenigen, die nicht die gesamte Tour machen möchten. Sie sind auf der Karte in der Broschüre verzeichnet.

Werben für den Pilgerweg: Die Mitinitiatoren Sylvia Ernst (v.l.), Jens Gillner und Helvi Ritter, hier an der Baumallee am Fachbergweg.
Werben für den Pilgerweg: Die Mitinitiatoren Sylvia Ernst (v.l.), Jens Gillner und Helvi Ritter, hier an der Baumallee am Fachbergweg. © Northeim-Touristik/nh

„Die Tour hat jetzt im Sommer und Herbst, wenn sich die Blätter so wundervoll bunt färben, einen ganz besonderen Reiz“, wirbt jetzt auch die Pressesprecherin des Kirchenkreises Leine-Solling, Mareike Spillner einmal mehr für die Nutzung des Pilgerwegs. Die Anhaltepunkte auf der Tour, so heiße es im Vorwort der Broschüre, geben „Anstöße zum Schauen und Genießen, zum Nachdenken und Innehalten.“

Ausgangspunkt ist das Reddersen-Haus, zugleich auch Domizil der Northeim-Touristik. Hier gibt es die kostenlose Broschüre zum Weg. Und wie sehen die Gedanken-Impulse aus, die man während der Tour erlaufen und erfahren kann. Hier ein Beispiel gleich vom Beginn der Tour aus der Broschüre: „Wenn du vor dem Reddersen-Haus stehst, blickst du auf ein Gebäude mit einer etwa 600-jährigen Geschichte. Damit ist es das älteste Fachwerkgebäude Northeims. Was es wohl in dieser Zeit erlebt hat?! Wie wäre dein Leben verlaufen, wenn du – so wie das Reddersen-Haus – im Jahr 1420 geboren worden wärst?“.

Und es findet sich auch ein Tipp: „Während der Öffnungszeiten der Tourist-Info lohnt sich ein Blick ins Haus hinein. In der oberen Etage vermittelt ein kleines Museum, wie Marie Reddersen, die Namensgeberin des Hauses, bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 gelebt hat.“

Ein wenig Nostalgie ziehe auf dem Pilgerweg mit, aber auch große Dankbarkeit für das „Hier und Jetzt“, wenn es weitergeht, schreibt die Kirchenkreis-Sprecherin weiter. So gehe es vorbei an der alten Apotheke, an einem Stück der mittelalterlichen Stadtmauer entlang zum alten Friedhof. Passend dazu dieser Gedankengang: „Mauern wehren ab, grenzen aus! So ist es auch mit den Mauern in unseren Köpfen: Sie engen uns ein, versperren uns die Sicht. Meine engen Grenzen… Wo brauche ich Weite?“

Plaketten weisen den Weg: Christian Steigertal brachte sie mit an.
Plaketten weisen den Weg: Christian Steigertal brachte sie mit an. © Northeim Toursistik / nh

Um Mauern und Grenzen und deren Überwindung geht es an einem weiteren Halt, dem Stück Berliner Mauer an der Seesener Landstraße.

Große Teile des Northeimer Pilgerwegs führen danach auch durch schattige Passagen – durchs Bürgerholz, über die Rhume weiter in den Wieterwald, wo neben dem Wieterturm auch der Ruhewald als Haltepunkte angelaufen werden.

Mehrere Autoren aus der Sixti- und der Corvinusgemeinde (Karin Gerken-Heise, Jens Gillner, Madeleine Landré, Hans Harer, Tim Köppen und Christian Steigertahl) waren an der Erstellung der Broschüre beteiligt, außerdem Helvi Ritter von der Northeim-Touristik und Grafikerin Sylvia Ernst („BühneDrei“).

Das Heft gibt es nicht nur in der Touristinfo, sondern auch im Internet auf der Seite der Stadt northeim.de unter den weiteren Links „Tourismus & Kultur“ und „Entdecken und Erleben“.

Die Superintendenten Stephanie und Jan von Lingen empfehlen in ihrem Grußwort den Leserinnen und Lesern, die (be)sinnliche Tour mit Pilgeraugen zu sehen: „Immer mehr Menschen brechen auf, um zu pilgern. Der Grundgedanke ist die Entschleunigung. Pilgerwege sind Seelenwege.“ (Axel Gödecke)

Auch interessant

Kommentare