Geheimzahl unter der Haut

In diesem Northeimer Tattoostudio kann man sich jetzt chippen lassen

So kommt der Chip in die Hand: Mit einer speziellen Kanüle schiebt Piercer Yannick Becker das Implantat in die Haut.
+
So kommt der Chip in die Hand: Mit einer speziellen Kanüle schiebt Piercer Yannick Becker das Implantat in die Haut. Das demonstriert er fürs Foto bei Kai Loy.

Ein Stich in die Hand, ein kurzer Schmerz, und schon ist der reiskorngroße Mikrochip in der Haut zwischen Daumen und Zeigefinger implantiert. „Ganz einfach“, sagt Kai Loy, Inhaber des gleichnamigen Tattoostudios am Northeimer Marktplatz. Bei ihm kann man sich ab sofort chippen lassen.

Northeim - Und Loy, der, wie auch seine beiden Kollegen Sarah Messerschmidt und Yannick Becker, bereits selbst gechippt ist, ist von dieser neuen Technologie total überzeugt: „Das erleichtert mir den Alltag total“. Mit den Mini-Implantaten, die in seinem Studio angeboten werden, können die Träger unter anderem Smartphone und Computer entsperren oder Türen öffnen, vorausgesetzt, es ist ein entsprechender Schließzylinder vorhanden.

Bei den Chips handelt es sich laut Kai Loy um sogenannte „passive“ Implantate. Das heißt, dass nicht der Chip Daten sendet, sondern das „Gegengerät“, um den Chip zu erkennen. Dazu müssen die Träger aber erst mal „ihre“ Daten auf den Chip laden. Das macht man über eine App wie „NFC Tools“ oder „NFC Reader“, die mit den gewünschten Daten gefüttert werden.

Ob er Probleme mit dem Thema Datenschutz habe, beantwortet Tätowierer Kai Loy mit einem klaren „Nein“. Zum einen werde das Leben doch sowieso immer digitaler, bei Facebook, Instagram oder Whatsapp hinterlasse jeder Mensch riesige Datensätze. Und zum anderen: „Für mich ist das einfach die Zukunft“, sagt er. Außerdem werde ja niemand dazu gezwungen.

Mikrochips gibt es inzwischen mit vielen verschiedenen Funktionen. So kann man sich zum Beispiel einen Chip einpflanzen lassen, auf dem der Träger seine kompletten, medizinischen Daten speichert, was zum Beispiel im Notfall eine Behandlung erleichtern würde, meint Kai Loy. Oder man lässt sich einen Chip implantieren, mit dem man bezahlen kann. Inzwischen zahlten doch eh schon viele Menschen mit Smartphone oder Smartwatch. „Mit dem Chip kann man Portemonnaie und Scheckkarte einfach zu Hause lassen.“ Und wer es etwas verrückter mag, kann sich einen Chip mit blinkenden LED-Dioden unter die Haut pflanzen lassen. Da schimmert dann ein kleines Lämpchen durch die Haut.

Bei Kai Loy im Tattoo-Studio werden die Kunden übrigens von Piercer Yannick Becker gechippt, der dafür extra ausgebildet wurde. Das kostet inklusive Mikrochip 120 Euro. Es werden sogenannte NFC-Implantate eingesetzt. NFC steht für Near Field Technologie, mit der sich Daten kabellos über kurze Distanz übertragen lassen. Die kleinen Chips sind laut Hersteller nicht in der Lage, selbstständig zu funken.

Um Daten auszulesen, muss daher ein NFC-fähiges Lesegerät an den Chip gehalten werden. Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt, was Schutz vor unbefugtem Datenzugriff gewährleisten soll. (kat)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.