Erst kürzlich Vorfall in Katlenburg-Lindau

Geldautomaten werden in Deutschland immer häufiger gesprengt

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Vollkommen zerstört: Die Sparkassen-Geschäftsstelle in Lindau am Karfreitag.

Northeim. Gesprengte Geldautomaten sind für Geldinstitute in Deutschland ein großes Problem. Wir haben mit Banken-, Bundes- und Landeskriminalamt über das Problem gesprochen.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Waren es 2015 noch 157 Vorfälle, bei denen die Automaten Ziel einer Sprengung wurden, hat sich die Zahl 2016 mit 318 Fällen schon mehr als verdoppelt. Das hat das Bundeskriminalamt auf HNA-Anfrage mitgeteilt.

Diesen bundesweiten Trend beobachtet man auch bei der Kreis-Sparkasse in Northeim (KSN) nicht erst seit dem Vorfall am Karfreitag sehr genau. Vor knapp zwei Wochen haben unbekannte Täter den Geldautomaten der Sparkasse in Lindau mit Gas gesprengt und die Geldkassetten erbeutet. Der Vorfall dauerte nur wenige Minuten. „Die jüngste Form dieser rabiaten organisierten Kriminalität ist auffällig“, sagt KSN-Pressesprecher Gernot Bollerhei.

Die Kreis-Sparkasse prüft deshalb regelmäßig mit sogenannten Gefährdungsanalysen der Sicherheitsmechanismen, wie hoch die Gefahr für ihre einzelnen Geschäftsstellen ist. In enger Abstimmung mit dem Bundes- und dem Landeskriminalamt sowie der örtlichen Polizei arbeite die gesamte Kreditwirtschaft an verstärkten Sicherheitsmaßnahmen.

Welche Sicherheitssysteme wo zum Einsatz kommen, das werde aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Möglichkeiten sind allerdings, die Geldkassetten durch Farbpatronen zu sichern oder Anti-Gas-Systeme zu verwenden, die das einströmende Gas der Kriminellen neutralisieren und Alarm auslösen. 

„Nach den jüngsten Ereignissen in Lindau werden aktuell aber darüber hinausgehende Maßnahmen erörtert, so auch die Option, die Zugangsmöglichkeiten in den Nachtstunden in einigen Geschäftsstellen einzuschränken“, sagt Bollerhei. 

Fahndungsdruck erhöht

Gegen den bundesweiten Trend, Geldautomaten mittels Gas zu sprengen, geht in Niedersachsen seit Dezember 2015 eine zehnköpfige Sonderkommission (Soko) vor. Sie ermittelt nicht nur, sondern berät Banken auch über neue Sicherheitstechniken. Die Soko hat in Niedersachsen Erfolg, wie Frank Federau, Sprecher des Landeskriminalamts Niedersachsen der HNA bestätigt. „Die Fälle in Niedersachsen sind rückläufig. 2015 hatten wir 28 Taten, dabei blieb es in zwölf Fällen nur bei Versuchen. 2016 waren es zwar 34 Taten, davon aber 20 Versuche“, sagt Federau. Versuche sind dabei die Sprengungen, bei denen der Geldautomat der Explosion standgehalten hat. 

Dieser positive Trend in Niedersachsen setzt sich nach den aktuellen Fallzahlen offenbar fort. In 2017 wurden bislang drei Sprengungen vom Landeskriminalamt erfasst – darunter der Fall in Lindau. Ins Ziel gefasst haben die Kriminellen insbesondere Nordrhein-Westfalen. Dort kam es 2015 zu 70 Sprengungen. Ursache dafür ist offenbar die Nähe zur Grenze. Täter aus dem Ausland Laut Landeskriminalamt kommen die Täter zum Großteil aus den Niederlanden und haben nordafrikanische Wurzeln. Weitere Täter kommen aus Polen oder seien Nachahmungstäter. 

Festnahme

Einen großen Erfolg in der Ermittlungsarbeit ist Anfang April nach monatelanger Arbeit gelungen. Laut Mitteilung konnte die niederländische Polizei einen 28-jährigen Mann in Utrecht festnehmen, der unter Verdacht steht, mit einem flüchtigen 32-Jährigen 17 Geldautomaten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gesprengt zu haben. Gegen beide Männer wurde Haftbefehl erlassen.

Auch in Wiershausen (Landkreis Göttingen) wurde in der Nacht zu Mittwoch ein Geldautomat in die Luft gesprengt.

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