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Germanen siedelten am Northeimer Wieter

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Von: Axel Gödecke

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Zehn solcher Grabungsschnitte wurden auf dem Gelände des geplanten neuen Baugebiets am Martinsgraben in Northeim ausgehoben. Dabei wurden Fundamentreste einer germanischen Siedlung gefunden und von Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber dokumentiert. 2
Zehn solcher Grabungsschnitte wurden auf dem Gelände des geplanten neuen Baugebiets am Martinsgraben in Northeim ausgehoben. Dabei wurden Fundamentreste einer germanischen Siedlung gefunden und von Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber dokumentiert. 2 © Dr. Stefan Teuber / Stadt Northeim / nh

Die archäologischen Sondierungsgrabungen auf dem Gelände des neuen Baugebiets am südlichen Wieter in der Northeimer Südstadt sind abgeschlossen.

Northeim – Aufgrund von Funden, die ein Sondengänger gemacht hatte, und einer anschließenden Nachsuche gemeinsam mit dem Stadtarchivar und Archäologen Dr. Stefan Teuber hatte die Stadt Northeim auf dem geplanten neuen Baugebiet am südlichen Wieter an der Verlängerung der Straße „Am Martinsgraben“ so genannte Sondage-Grabungen veranlasst.

Diese konnten laut Stadverwaltung jetzt ohne hochwertige Neufunde, allerdings bei einigen Bodenbefunden abgeschlossen werden.

Einzelfunde zeigt hier Dr. Stefan Teuber.
Einzelfunde zeigt hier Northeims Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber. © Axel Gödecke

Durch die Bodenfunde konnte nach Aussagen von Dr. Teuber das Vorhandensein einer germanischen Siedlung in dem Bereich bewiesen werden, die durch die zuvor gemachten Funde auch schon vermutet worden war.

Ausgangspunkt waren Funde wie Stiefelsporen, Hakennadeln und Gewandschließen aus germanischer Produktion. Gefunden wurden auch zwei römische Geldstücke aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, darunter ein Silberdinar mit dem Abbild des römischen Generals Gaius Marius Capito mit der Göttin Ceres auf der Vorderseite und einem Ochsengespann auf der Rückseite, geprägt um 81 vor Christus, Geld mit dem die germanischen Bewohner des Leinetals in Berührung gekommen waren.

Fundamentreste eines 6-Pfosten-Speichers wurden im Boden gefunden. Die Pfostengruben sind hier als runde Marken deutlich zu erkennen.
Fundamentreste eines 6-Pfosten-Speichers wurden im Boden bei der Grabung am Martinsgarben in Northeim gefunden. Die Pfostengruben sind hier als runde Marken deutlich zu erkennen. © Dr. Stefan Teuber / Stadt Northeim

Die Funde stammten aus einem Brandgräberfeld und gaben erste Hinweise auf das Vorhandensein einer germanischen Siedlung in diesem Bereich (HNA berichtete).

Die Siedlung wurde jetzt bestätigt. In einem der insgesamt zehn quer über das geplante neue Baugebiet gelegten, jeweils zwei Meter breiten und etwa 40 Zentimeter tiefen Grabungen konnten unter anderem Fundamentreste eines Speichergebäudes gefunden werden.

Es handelt sich um die Pfostengruben eines sogenannten 6-Pfosten-Speichers, erläutert Stadtarchivar Teuber. Solche Speicher seien von den Germanen in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Siedlungen für das Lagern von Heu benutzt worden, erläutert er.

Etwa zwei Wochen lang hatten Teuber und sein Mitarbeiter Dark Pfeiffer aus dem Stadtarchiv die Grabungsschnitte quer über das Stoppelfeld angelegt. Die Bodenfunde als Nachweis für Siedlungsreste seien sorgfältig dokumentiert worden.

Neue spektakuläre Einzelfunde seien während der Grabungen allerdings nicht mehr gemacht worden. Der wissenschaftliche Wert der getätigten Neufunde sei als gering einzustufen, heißt es aus dem Rathaus, sodass sich für das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans 126 für das neue Baugebiet keine zusätzlichen Auswirkungen ergeben. Soll heißen: Das Gebiet kann, wie geplant bebaut werden.

Das Vorhandensein einer germanischen Siedlung werde als Bemerkung in den Bebauungsplan mit aufgenommen, so der Stadtarchivar. Das sei das übliche Prozedere im Vorfeld von Baumaßnahmen. Die zehn Grabungsschnitte würden wieder zugeschüttet. (Axel Gödecke)

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