Fall wird wieder aufgerollt

Getötetes Baby von Uslar: Tat von 2004 Thema bei Aktenzeichen xy

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Spurensuche: Ein großes Team von Ermittlern versuchte 2004, den Fall aufzuklären. Bis heute ohne Erfolg.

Uslar. Vor 13 Jahren, im März 2004, erschütterte der gewaltsame Tod eines Säuglings, der in einer Plastiktüte am Straßenrand in Uslar gefunden wurde, die Region.

Bis heute ist der Fall ungeklärt. Das neugeborene Mädchen wurde, das hatten die Obduktion damals ergeben, durch „stumpfe Gewalteinwirkung“ getötet. Doch nahezu alle Ermittlungsansätze verliefen damals ins Leere. 

Akte wieder geöffnet: Kriminalhauptkommissar Michael Neufeld befasst sich aktuell wieder mit dem Fall des getöteten Säuglings.

Neue Hoffnung setzen die Ermittler der Polizeiinspektion Northeim jetzt in die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, die am Mittwoch, 9. August, über die damaligen Vorkommnisse berichten wird. Einer der Northeimer Ermittler, der an dem Abend im ZDF-Studio live dabei ist, ist Kriminalhauptkommissar Michael Neufeld. Er hat den Fall des getöteten Säuglings jetzt wieder aufgerollt. Es komme immer mal wieder vor, dass Kollegen die Akte eines schon viele Jahre zurückliegenden Mordfalles bei der Staatsanwaltschaft anfordern. Auch diesmal habe es keinen konkreten Anlass gegeben. Neufeld: „Eine solche Tat gerät nie in Vergessenheit“. Als sich vor einigen Monaten ein Redakteur von „Aktenzeichen XY ungelöst“ bei Neufeld wegen eines anderen Tötungsdelikts meldete, schlug der Polizist den Uslarer Fall von 2004 vor. Als das ZDF zusagte und auch die Staatsanwaltschaft Göttingen grünes Licht gab, starteten die Vorbereitungen für die Sendung. Am Mittwochabend wird Neufeld den Fall im Fernsehen detailliert vorstellen. „Wir erhoffen uns neue Hinweise. Unser Ziel ist, die Mutter des Säuglings anzusprechen. Sie lebt schließlich seit 13 Jahren mit diesem Trauma“, so der Ermittler weiter. Wobei die Mutter für die Polizei nicht zweifellos die Tätern ist: Unklar sei, ob das kleine Mädchen unmittelbar nach der Geburt von einem Fremden getötet wurde, oder in einer „Ausnahmesituation“ von der Mutter.

Heute, gut 13 Jahre nach der schrecklichen Tat, befasst sich die Polizei erneut mit dem ungeklärten Fall. Kriminalhauptkommissar Michael Neufeld, der inzwischen den Kriminal-Ermittlungsdienst bei der Polizei in Bad Gandersheim leitet, erinnert sich: „Wir waren damals alle total erschüttert.“ Die Obduktion des kleinen Mädchens hatte ergeben, dass es bei der Geburt gelebt hatte und auch lebensfähig gewesen wäre. Und: Es wurde durch stumpfe Gewalt getötet.

Daher sei es Neufeld auch ein persönliches Bedürfnis gewesen, dem kleinen Mädchen einen Namen zu geben: Sophie. Der Name habe keinen Bezug zu den Ermittlungen gehabt. Aber: „Das war einfach eine emotionale Sache. Das Kind war nur so kurz auf der Welt und hatte es nicht verdient, keinen Namen zu haben“, sagt Neufeld.

Handtuch wichtiges Detail

Leiter der damaligen Ermittlungen war Kriminalhauptkommissar Uwe Breuer. Er und seine Kollegen starteten sofort nach dem Auffinden der Babyleiche intensive Ermittlungen – in alle möglichen Richtungen. „Doch alle Spuren sind über kurz oder lang im Sande verlaufen“, so Breuer.

Ein bis heute sehr wichtiges Detail der Ermittlungen ist das Handtuch, in das das tote Baby eingewickelt war. Es war zur Tatzeit schon etwa 100 Jahre alt und trug das eingestickte Monogramm „HK“. „Wir haben sämtliche Museen und Kirchengemeinden der Region abgeklappert, doch niemand konnte uns weiterhelfen“, berichtet Neufeld.

Ganz wichtige Spur: Das etwa 100 Jahre alte Handtuch, in das das getötete Baby eingewickelt war, mit dem eingestickten Monogramm HK.

Weiter wissen die Ermittler, dass der Täter oder die Täterin nicht unbedingt aus dem Bereich Uslar kommen muss. „Der Auffindeort an der Ausschnippe, der Bundesstraße in Richtung Nordrhein-Westfalen, spricht dafür.“ Auch ist die Polizei überzeugt, dass der Beutel mit der Leiche nicht einfach aus dem Fenster geworfen, sondern behutsam am Fahrbahnrand abgestellt worden war.

Klar wurde im Laufe der Ermittlungen auch, dass der Beutel mit dem toten Kind bereits einige Wochen in der Böschung der Ausschnippe gelegen haben muss: Ein Zeuge hatte sich damals gemeldet und berichtet, dass er schon einige Wochen vor dem Auffinden durch den Mitarbeiter des Bauhofs den Beutel am Fahrbahnrand entdeckt und an die Böschung gelegt hatte. Hineingesehen habe er in den Beutel aber nicht. Als es kurz danach anfing zu schneien, blieb die Tasche zunächst mehrere Wochen verborgen.

Diese und viele andere Details werden nächsten Mittwoch Thema bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ sein. Michael Neufeld wird im ZDF-Studio auf entscheidende Hinweise auf den Fall oder sogar den Täter oder die Täterin hoffen. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls oder zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt.

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