Glaube ist in der Gesellschaft fest verankert

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Diskutierten über die Bedeutung des Glaubens in der Gesellschaft (von links): Dr. Roy Kühne, Landesbischof Ralf Meister, Dr. Christian Hennecke und Izzet Dursun.

Northeim. Wie viel Glaube braucht unsere Gesellschaft? Diese Frage stand bei einer Podiumsdiskussion im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde im Mittelpunkt.

Zu der hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne eingeladen.

Aus Sicht von Ralf Meister, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Hannovers, ist es richtig dass in Deutschland Staat und Kirche getrennt sind. Dennoch hätten die Religionen eine wichtige Funktion, da erst der Glaube für eine vielfältige Vernetzung der Gesellschaft sorge.

Angesichts der Erkenntnis, dass die ökonomischen Prinzipien letztendlich ungerecht sind und die Politik viele der anstehenden Probleme nicht lösen kann, biete der Glaube nach wie vor Sicherheit für die Menschen. Die Tatsache, dass von den 80 Millionen Einwohnern rund 50 Millionen Christen und 4,5 Millionen Muslime sind, sei ein Zeichen, dass die Menschen zutiefst religiös seien und der Glaube in der Gesellschaft fest verankert sei.

Für Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat des Bistums Hildesheim, wird im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik deutlich, welchen Stellenwert die christlichen Werte in unserer Gesellschaft haben. Ohne, dass die Kirchen dazu aufgerufen hätten, seien viele Menschen spontan bereit gewesen, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren.

Dabei hätten sie die gemeinsame Basis der unterschiedlichen Glaubensrichtungen in den Vordergrund gestellt: die Menschlichkeit und die Nächstenliebe.

Kritisch beurteilte er in diesem Zusammenhang die Weigerung des katholischen Polens, Flüchtlinge aufzunehmen. Dies sei ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich sich christliche Werte in Gesellschaften entwickeln können.

Izzet Dursun, Mitglied im Vorstand der Türkisch-Islamischen Gemeinde Northeim, betonte, dass die Begriffe Liebe, Achtung und Toleranz im Islam eine ebenso große Rolle spielen wie im Christentum.

Vor dem Hintergrund von Terroranschlägen und der Situation in Syrien müsse man zwar einräumen, dass in der islamischen Welt derzeit einiges schief laufe, dennoch müsse man darauf hinweisen, dass das von einer gewalttätigen Minderheit geprägte öffentliche Bild der Muslime nicht den Tatsachen entspricht. Der weitaus größte Teil der weltweit 1,5 Milliarden Muslime sei an einem friedlichen Zusammenleben aller interessiert.

Für Muslime, die ihren Glauben ernst nehmen, sei es ein Grundprinzip, die Gesetze der Staaten zu befolgen, in denen sie leben. Insofern stünden die islamischen Werte keineswegs mit den Werten der deutschen Gesellschaft im Widerspruch.

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