Archäologische Grabung auf Baustelle für Ärztehaus

Bauarbeiter entdecken Klo aus dem Mittelalter in Northeim - Archäologen auf Baustelle im Einsatz

Grabungstechniker Olaf Oliefka (links), Chef-Archäologe Frank Wedekind (2. von links) und Grabungsfacharbeiterin Sina Kern (rechts) an der Grabungsstelle. Bauherr Wolfram Schmidt (2. von rechts)  lässt sich von ihnen die historischen Baureste erklären.
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Mauerreste aus dem Spätmittelalter, darunter die Reste eines Latrinenschachts haben Grabungstechniker Olaf Oliefka (links), Chef-Archäologe Frank Wedekind (2. v. links) und Grabungsfacharbeiterin Sina Kern (rechts) ausgegraben. Apotheker Wolfram Schmidt (2. v. rechts) , der hier unter Einbeziehung des Vorderbaus an der Mühlenstraße ein neues Ärztehaus errichtet, lässt sich die historischen Baureste erklären.

Unter dem Fundament eines abgerissenen Geschäftshausteils in Northeims Innenstadt haben Bauarbeiter Mauern von Vorgängerhäusern gefunden.

Northeim – Wie vom Bauherrn, dem Northeimer Apotheker Wolfram Schmidt, erwartet, haben die Bauarbeiter unter dem Fundament des abgerissenen Geschäftshausteils an der Holzhäuser Straße in Northeims Innenstadt Mauern von Vorgängerhäusern gefunden. Sie werden jetzt weiter ausgegraben und dokumentiert, bevor es Mitte April mit dem Neubau eines Ärztehauses an selber Stelle losgeht.

Bekanntlich hat der Chef des Northeimer Apothekenverbunds Apo-Nom, zu dem auch die Mühlenapotheke gehört, mit seinen beiden Söhnen das lange leer stehende Gebäude an der Ecke Mühlenstraße/Holzhäuser Straße gekauft, um dort ein Ärztehaus mit Geschäft für Pflegebedarf im Erdgeschoss einzurichten.

Mittelalterfund in Northeim: Archäologische Fachfirma untersucht Boden der Abrissstelle

Dafür musste der nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäudeteil aus der Zeit um 1900 an der Holzhäuser Straße abgerissen werden. Das Gebäude wurde früher als Lager des Geschäfts von Eisen-Schrader genutzt, das im Eckhaus an der Mühlenstraße beheimatet war.

„Bestandteil der Baugenehmigung ist, dass unter der Bodenplatte des Abrisshauses befindliche Strukturen archäologisch untersucht und dokumentiert werden müssen“, erzählt Schmidt. Dafür hat er das die archäologische Fachfirma Streichardt & Wedekind Archäologie aus Göttingen beauftragt, die in der Northeimer Innenstadt und am Theater der Nacht schon an mehreren Stellen Ausgrabungen vorgenommen hat.

Nach dem erfolgten Abriss nahm denn auch erst einmal Archäologe Frank Wedekind mit seinem Grabungsteam die Baustelle in Beschlag. Zunächst haben sie mit einem Kleinbagger die oberste Schuttschicht unter der Bodenplatte sauber abgeschoben. Dann ging es jedoch mit der Grabungskelle weiter nach unten – und damit in die Vergangenheit.

Mauerreste bei Bauarbeiten in Northeim entdeckt: Fund stammt mutmaßlich aus dem Spätmittelalter

Zum Vorschein kamen Mauerreste von mindestens zwei Vorgängerbauten, wobei Archäologe Wedekind den einen in die Barockzeit um 1700 mit Ausrichtung der Fassade zur Holzhäuser Straße und einen älteren geschätzt um 1500 datiert.

„Das sind aber nur vage Schätzungen“, sagt Wedekind. Genaueres könne man erst später sagen, wenn zum Beispiel Bodenproben und auch aufgefundene mittelalterliche Keramikscherben von Tellern und Kugeltöpfen näher untersucht sind.

Von mutmaßlich aus dem Spätmittelalter stammenden Bau, haben Wedekind und seine Mitarbeiter Sina Kern und Olaf Oliefka eine rechteckige Mauerstruktur freigelegt, die wohl der Schacht einer Latrine oder eines Plumpsklos war. Dieses gehörte wahrscheinlich als Hinterhofbebauung zu einem mit der Fassade zur Mühlenstraße ausgerichteten Haus.

Abriss: Der Teil des Hauses Mühlenstraße 8, der entlang der Holzhäuser Straße gebaut war, steht nicht mehr. Hier wird jetzt gegraben, bevor der Neubau kommt.

Archäologischer Fund in Northeim: Grabungsarbeiten noch bis Mitte April

In diesem älteren Mauerbereich will das Archäologenteam noch tiefer graben, weil dort ohnehin eine Baugrube für den Schacht des späteren Ärztehaus-Fahrstuhls ausgehoben werden muss. „Toll wäre es auch, wenn wir die Bodenfüllungen des Latrinenschachts noch ein wenig ausgraben könnten, das wird sich jedoch erst in der nächsten Woche entscheiden“, sagt Frank Wedekind. Früher habe man solche, nicht mehr gebrauchten Gruben mit Alltagsabfällen gefüllt. Für Stadtarchäologen seien das immer Stellen, wo es dankbare Funde geben könnte.

Noch bis Mitte April wird das Grabungsteam, das auch in enger Abstimmung mit der städtischen Denkmalpflege und dem Stadtarchivar steht, an der Holzhäuser Straße graben. Dann wird alles wieder zugeschüttet und überbaut. Bauherr Wolfram Schmidt freut sich, dass dann vieles aus der Northeimer Vergangenheit trotzdem für die Nachwelt durch die Grabungsberichte dokumentiert bleiben wird. (Axel Gödecke)

In Northeim gab es bereits einen ähnlichen Fund: Archäologen sind bei Grabungen auf Überreste eines Gehöftes aus der frühen Eisenzeit gestoßen. Im vergangenen Jahr haben Archäologen bei Ausgrabungen in der Homberger Altstadt einen überraschenden Fund. Sie legen Überbleibsel aus dem Mittelalter frei.

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