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Gutshaus wird zu sicherem Zuhause für Geflüchtete aus der Ukraine

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Von: Kathrin Plikat

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Überwältigt von der Hilfsbereitschaft und den vielen Spenden: Von links Sabine und Hayo Jungklaus, Schwiegertochter Saskia Jungklaus mit Ehemann Helge Jungklaus sowie Sophie Spillner, die Schwester von Saskia Jungklaus.
Überwältigt von der Hilfsbereitschaft und den vielen Spenden: Von links Sabine und Hayo Jungklaus, Schwiegertochter Saskia Jungklaus mit Ehemann Helge Jungklaus sowie Sophie Spillner, die Schwester von Saskia Jungklaus. © Kathrin Plikat

Die Besitzer eines ehemaligen Gutshauses in Northeim richten in dem Gebäude kurzerhand eine Zuflucht für Geflüchtete ein. Die Hilfsbereitschaft ist groß.

Northeim – Jetzt heißt es warten: In dem großen, ehemaligen Gutshaus an der Bundesstraße in Höckelheim ist schon fast alles vorbereitet, damit dort ab dieser Woche etwa 40 Frauen und Kinder aus der Ukraine, die sich aktuell zum Teil schon auf der Flucht befinden, ein vorübergehendes, aber vor allem sicheres Zuhause finden.

„Wir sind total überwältigt von der riesigen Hilfsbereitschaft“, sagt Saskia Jungklaus, die die Aktion zusammen mit ihrer Familie rund um die Uhr koordiniert. Ihr Schwiegervater, Hayo Jungklaus aus Hillerse, und ihr Schwager Oliver Jungklaus, der mit seiner Ehefrau Dinara und drei Kindern aktuell in Schanghai lebt und arbeitet, hatten das ehemalige Klostergut im vorigen Jahr gekauft, weil Oliver Jungklaus dort samt Familie einziehen wollte. Nun wurde der Arbeitsvertrag in Schanghai jedoch noch einmal verlängert, und das Gutshaus steht weiterhin leer.

Gutshaus in Northeim wird Zuflucht für Geflüchtete aus der Ukraine

Als dann aber Dinara Jungklaus am vorigen Wochenende einen Hilferuf aus Schanghai an ihre Schwiegereltern in Hillerse sendete, ging alles ganz schnell: Denn eine ukrainische Studienfreundin hatte ihr von den schlimmen Zuständen in der Ukraine berichtet, von Explosionen, Schießereien und Raketenbeschuss auf ihre kleine Heimatstadt, rund 150 Kilometer von Kiew entfernt.

Sofort entschieden Hayo und Oliver Jungklaus, das leer stehende Gutshaus zur Verfügung zu stellen. Als Saskia Jungklaus dann am Samstag bei Facebook um Spenden wie Möbel, Nahrungsmittel oder Lampen bat, rollte wenig später eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft aus dem gesamten Landkreis durch Höckelheim: Viele Menschen kamen am Sonntag auf dem Gutshof vorbei, den Kofferraum ihrer Autos voll mit Hilfsgütern. „Zum Teil standen 25 Autos gleichzeitig auf dem Hof“, erzählt Hayo Jungklaus.

Und plötzlich war fast die komplette Familie eingespannt, Verwandte, Freunde und andere freiwillige Helfer. Alle Spenden müssen gesichtet und sortiert werden. „Wir sind so unglaublich dankbar“, sagt Saskia Jungklaus, die vor allem den Höckelheimer Fastnachtsverein hervorheben möchte.

Ehemaliges Gutshaus in Northeim für Geflüchtete aus der Ukraine renoviert: Große Hilfsbereitschaft

20 Karnevalisten hatten sich am Sonntag ruckzuck per Whatsapp zusammengetan, standen plötzlich mit unzähligen Sachspenden auf dem Hof. Doch nicht nur das: Sie schleppten Möbel, sortierten Kleidung, installierten Elektrogeräte und schlossen Lampen an. „Wir sind total überwältigt“, sagt auch Hayo Jungklaus. Schon nach einem Tag war das riesige Wohnhaus quasi bezugsfertig. Natürlich muss noch immer viel getan werden, doch das Team um Saskia Jungklaus ist voller Optimismus, dass alles schön ist, wenn die ersten Flüchtlinge eintreffen. Wann das genau ist, wisse man nicht. Denn aktuell werden verschiedene Fluchtrouten immer wieder bombadiert.

Auch am Montag ist die Spendenbereitschaft der Menschen aus der Region nicht abgerissen: Immer wieder treffen Autos mit Anhängern voller Möbel ein, eine ältere Frau liefert haltbare Lebensmittel ab. „Wir haben inzwischen alles, was benötigt wird. Es ist soviel, dass wir bereits Spenden an Stadt und Landkreis Northeim weitergeben“, sagt Hayo Jungklaus.

Seine Schwiegertochter Saskia und alle anderen Helfer sind auf jeden Fall total motiviert, alles dafür zu tun, damit die traumatisierten Frauen und Kinder in Höckelheim eine sichere Bleibe bekommen.

Flüchtlingszuflucht im Gutshaus in Northeim: Auch Ärger bleibt nicht aus

Eine Sache habe sie aber doch etwas geärgert: Am Sonntag habe plötzlich eine Frau vor Saskia Jungklaus gestanden und gesagt, dass sie und ihre Familie sich jetzt wohl eine „goldene Nase“ an den Flüchtlingen verdienen würden. „Da musste ich mich dann doch kurz zusammenreißen. Denn natürlich werden hier alle kostenlos wohnen“, sagt sie.

Aber es gibt auch sehr schöne Begegnungen, die die Helfer fast zu Tränen rühren, erzählt ihre Schwester Sophie Spillner. Am Sonntag habe plötzlich ein kleines Kind vor ihr gestanden und ihr ein Spielzeug in die Hand gedrückt mit dem Satz: „Das möchte ich spenden. Ich habe nämlich genug Spielzeug.“ (kat)

Der Kreis Northeim sucht weiter nach Freiwilligen, die Wohnraum für Geflüchtete aus der Ukraine bereitstellen möchten. Inzwischen hat der Kreis Northeim dafür ein Kontaktformular erstellt.

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