Heizöl-Händler sind über BGH-Urteil empört, Kunden jubeln

Symbolfoto: dpa

Northeim. Solange bestelltes Heizöl noch nicht im Tank ist, dürfen Kunden ihre Bestellung stornieren - zum Beispiel wenn der Preis gefallen ist.

Das besagt ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zum sogenannten Fernabsatz. Während Verbraucherschützer jubeln, sind Heizölverkäufer im Landkreis Northeim empört.

„Das Gesetz ist eine Schweinerei“, sagt der Nörten-Hardenberger Heizölhändler Werner Hilke. Der Inhaber und Geschäftsführer der Firma Heinrich Kulp Brennstoffe kritisiert, dass das Risiko von Preisschwankungen einseitig auf die Händler abgewälzt werde. Denn Kunden hätten den Vorteil, dass sie innerhalb von 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten können, wenn per Fax, Telefon oder online bestellt haben.

Ein Widerruf dürfte für Verbraucher vor allem dann interessant sein, wenn das Öl nach der Bestellung günstiger geworden ist. Zugleich dürfen Kunden bei steigenden Preisen am Vertrag festhalten. „Das ist ungerecht“, sagt Hilke.

Wie Hilke verzeichnet auch die Raiffeisen Adelebsen-Uslar GmbH in Uslar bislang keine Stornierungswelle. Bereichsleiter Markus Gerull fürchtet aber, dass das BGH-Urteil kleinere Händler in den Ruin treibt: „Im schlimmsten Fall bleiben wir auf den Bestellungen sitzen.“ Denn als Händler habe er nicht die Chance, zurückgezogene Bestellungen beim Großhändler zu stornieren. Machen viele Kunden von dem Widerrufsrecht Gebrauch, „dann können wir unser Heizölgeschäft einstellen“, sagt Gerull, der fünf Millionen Liter Heizöl pro Jahr verkauft.

Anders interpretieren Verbraucherschützer den Richterspruch: „Das Urteil ist positiv, weil es die Rechte von Verbrauchern stärkt“, sagt Josina Starke von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Wenn Händler am Telefon oder im Internet Heizöl verkaufen, müssen sie damit leben, dass Verbraucher ihre Rechte wahrnehmen“, sagt sie.

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