An der Seite einer Naturschutzbeauftragten

Herbstanfang im Wieter-Wald: Ein Spaziergang durch den Northeimer Mittelwald

Ingrid Müller blickt durch: Hier bildete sich ein Nadelöhr, weil aus dem Baumstumpf einer Esche zwei Stockausschläge entstanden sind, die zusammenwuchsen und damit ein Loch bildeten. Fotos: Lischper

Northeim. Das beruhigende Grün der Blätter, das erholsame Waldklima, die Wirkung des Lichts - Wer sich heute im Wald aufhält, genießt pure Natur. Ein Herbstspaziergang durch den Mittelwald, in dem es manches zu entdecken gibt.

„Hier sieht man ganz deutlich die Mischung aus hochgewachsenen und kleinen Bäumen“, erzählt Ingrid Müller, Naturschutzbeauftragte des Landkreises Northeim. Das sei ein Kennzeichen des Mittelwalds, der vor gut 700 Jahren eine Möglichkeit bot, vom Wald zu profitieren und ihn dennoch nicht zu überfordern. Wer genau hinschaut, kann die unterschiedlich großen Stockausschläge sehen, ein Hinweis auf die stückweise Abholzung von Jahr zu Jahr.

Wo der normale Wieter-Wald in den Mittelwald übergeht ist erkennbar: Der Mittelwald ist lichter als der Rest des Wieter-Walds. Das hat zur Folge, dass manche Pflanzen besser wachsen als andere, weil sie vom Licht profitieren, erklärt Müller.

Auf einem Waldstück liegen Äste auf dem Boden verteilt: Totholz. Wer das sieht, soll sich nicht über die Unordnung ärgern, sondern an die Artenvielfalt denken, die dadurch möglich wird, sagt Müller. Direkt daneben steht ein Aronstab, dessen Früchte das Überbleibsel der Blüten sind. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der viele Früchte gebildet werden. „Sie dienen der Fortpflanzung und den Tieren als Nahrung.“ An einem Baum daneben hängen Nisthilfen - Fledermäuse sollen hier neben Vögeln brüten.

Etwas weiter, mitten im Laub, steht die Pflanze, aus der Bier hergestellt wird: eine Waldhaargerste. Außerhalb des Waldes wird sie als Brauereigerste angebaut. Und wenige Meter weiter, in einer großen Waldlichtung, stehen kleine, eingezäunte Pflänzchen. „Hier wurden im März Elsbeere, Wildkirsche und Wildapfel gepflanzt, die früher schon hier standen, aber von anderen Bäumen verdrängt wurden.“ Neben den frisch gepflanzten Bäumen liegt ein umgestürzter Baum, in dessen Wurzeln Kalksteine hängen - „ein Hinweis auf die Zeit vor 230 Millionen Jahren, als der Wald noch Meer war.“

Herbstliche Bilder aus dem Wieter-Wald

Herbstanfang im Wieter Wald in Northeim

Auch ist der liegende Riese ein Beispiel für das Schicksal mancher Bäume im Mittelwald: Würden Bäume abgeholzt, seien andere dem gefährlichen Wind ausgesetzt. Wer sich die Bäume genau ansehe, könne beobachten, wie anpassungsfähig sie seien: „Auf kleinem Raum wachsen sie umso schmäler nach oben.“

Kaum zu entdecken, wenn man ihn nicht sucht, ist der blaurote Steinsame, dessen knallblaue Blüte einem Mitte des Jahres ins Auge sticht. Direkt dahinter haben sich die Blätter einer Hainbuche bereits gelblich verfärbt. „Dieser Baum wird wegen seiner Fülle gerne als Hecke benutzt.“ Der Rundgang endet an einer alten Esche, die laut Müller schon bei so manchem Foto dem Gesicht als Rahmen diente: Auf ihrem Baumstumpf haben sich zwei Ausschläge miteinander verbunden und bilden ein Loch.

Von Anna Lischper

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