Verwaltung und Verkauf bleiben

Herrenmode Wilvorst schließt Produktion: 111 Mitarbeiter in Northeim entlassen

Firma Wilvorst am Standort Northeim
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Die Firma Wilvorst am Standort Northeim schließt die Produktion:

Aus für den Herrenmodehersteller Wilvorst! Die Produktion am Standort Northeim wird zum 31. Mai geschlossen.

Northeim – Damals befand sich der Betriebsrat noch mit der Geschäftsführung in Gesprächen und hatte die Hoffnung, die Arbeitsplätze zu retten. Bereits im Oktober hatten Mitarbeiter vor den Werkstoren symbolisch den Standort zu Grabe getragen. Doch nun wird die Produktion zum 31. Mai geschlossen.

Die Mitarbeiter, die bereits seit rund einem Jahr in Kurzarbeit sind, wurden jetzt informiert, dass die Produktion nicht mehr aufgenommen wird. Die große Textilfirma steht größtenteils vor dem Aus. Zudem wird es auch in der Verwaltung und im Vertrieb Verschlankungen geben, teilen die Geschäftsführer Stefan Kohlmann und Andreas Wolf mit. Das Wilvorst-Outlet bleibt aber erhalten. Von den rund 235 Mitarbeitern an den Standorten Northeim und Goslar werden zum 31. Mai 111 entlassen.

Ein Sozial- und Interessenausgleich wurde zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat ausgearbeitet und am Dienstag unterzeichnet. Er sieht für die Mitarbeiter unter anderem Abfindungen vor, aber auch die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft einzutreten. Diese bietet eine Qualifizierung und Weiterbildung an. Zudem erhalten die Mitarbeiter dank einer Aufstockung des Arbeitgebers 85 Prozent des Nettolohnes, erklärt Kohlmann.

Herrenmode-Firma aus Northeim: Fast die Hälfte der Aufträge blieben im Corona-Jahr 2020 aus

45 Prozent der Aufträge seien dem Unternehmen im vergangenen Jahr verloren gegangen, auch 2021 werde man die Umsatzziele coronabedingt nicht erreichen, begründet er den Schritt, die Produktion ins europäische Ausland zu verlagern.

Betriebsratsvorsitzende Regina Ries erklärt, dass es sehr schwer gefallen sei, den Vertrag zu unterzeichnen. Aber die langen Verhandlungen hätten gezeigt, dass es keinen Weg nach vorn mehr gegeben hätte. „Wir hätten uns gewünscht, wenigstens ein paar Stellen zu erhalten“. Es sei ein harter Schlag für die Mitarbeiter.

„Es ist ein Kompromiss für alle Seiten, mit dem man leben muss. Es geht um den Erhalt der Gesellschaft, die nicht in dramatische Schieflage geraten darf“, macht Kohlmann klar. Die gefundene Lösung sei für alle Seiten halbwegs tragbar.

Bianka Berlin von der Gewerkschaft IG Metall, die auch die Textilbranche vertritt, bedauert die Schließung ebenfalls sehr. Wilvorst sei eine der wenigen Firmen der Branche gewesen, die noch in Deutschland produziert hätte. Die betroffenen, meist langjährigen Mitarbeiter seien fassungslos über die unternehmerische Entscheidung. (Rosemarie Gerhardy)

Traditionsunternehmen Wilvorst

Seit 1946 ist die Firma Wilvorst in Northeim ansässig. Sie wurde 1916 von Wilhelm Vordemfelde in Stettin gegründet und nach dem 2. Weltkrieg nach Northeim verlagert. 1949 bezog man den Standort an der Stettiner Straße. Seit 1993 gehört das Unternehmen zur Bugatti Holding Herford. 2010 wurde die Firma Odermark in Goslar mit damals nur noch 60 Mitarbeitern von Wilvorst übernommen. Produktionsstandorte in Kroatien, Rumänien und Bulgarien wurden aufgebaut. (rom)

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