Liedermacher nimmt im Stockfisch-Tonstudio auf

Für Hannes Wader schließt sich in Northeim ein Kreis

Hannes Wader und Reinhard Mey nach der Aufnahme im Tonstudio in Northeim.
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Langjährige Freunde und musikalische Wegbegleiter: Hannes Wader und Reinhard Mey nach der Aufnahme im Tonstudio in Northeim.

Eigentlich hatte Hannes Wader Abschied von der Bühne genommen. Doch nun ist der bekannte Liedermacher in das Tonstudio von Günter Pauler zurückgekehrt.

Northeim – Seit Juni arbeiten beide in Northeim an einer CD mit dem Titel „Noch hier – was ich noch singen wollte“, die im kommenden Jahr zum 80. Geburtstag des Sängers am 23. Juni 2022 erscheinen soll.

Natürlich geht es wieder um die Liebe. Auch in fortgeschrittenem Alter lässt ihn das Thema nicht los. „Aber es geht auch um Mut und Hoffnung“, betont der Sänger.

„Es kommt immer noch was im Leben, darauf sollte man schauen“, will Wader die vergangenen Jahre hinter sich lassen, die durch schwere Krankheit und private Problem geprägt waren.

Hans Wader bei der Aufnahme eines Liedes im Tonstudio von Günter Pauler.

„Mir hat das Singen gefehlt“, betont der 79-Jährige. „Gesang ist Seelenhygiene.“ Als er seine Gitarre wieder in die Hand genommen habe, sei die Kraft zurückgekommen, auch die Klarheit im Denken und auch die Gedanken an die Lieder, die er noch singen möchte. „Für mich ein lebensrettender Moment“, sagt Wader, der heute in Kassel lebt. „Ich stehe nicht mehr im Wettbewerb. Ich kann singen, was ich will“, betont er weiter. Und so hat er gesammelt: Lieder von Brassens, Moustaki, Milva, Theodorakis und anderen.

Zusammen mit Günter Pauler wurde die Idee einer neuen Studio-Produktion mit den Wunsch-Liedern entwickelt. Beide kennen sich lange. Bereits 1974 hatte Pauler, noch vor der Zeit seines eigenen Tonstudios, die mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnete Wader-LP „Der Rattenfänger“ aufgenommen. In den Siebziger Jahren entstanden in Northeim die Wader-Produktionen: „Es ist an der Zeit“ und „Wieder unterwegs“.

Die kommende Platte soll sparsam instrumentiert sein. Es werden einige Gäste dabei sein, Künstler, die ihn zeitweise auf seinem Weg begleitet haben und die besondere Klangakzente setzen, wie beispielsweise die französische Akkordeonistin Lydie Auvray, der Cellist Martin Bärenz, die Harfenistin Ulla van Deelen und der Pedal-Steel-Gitarrist Nils Tuxen.

Vor allem ist mit Reinhard Mey ein langjähriger Weggefährte und Freund mit dabei. Mit ihm war er schon Ende der Sechziger Jahre unterwegs und mit ihm stand er nun an seinem 79. Geburtstag im Juni in Northeim hinter dem Mikrofon.

Gemeinsam sangen sie das populäre französische „Le Temps des Cerises“, ein Liebeslied, das beiden besonders am Herzen liegt. „Die Zeit der Kirschen“ handelt von einer verlorenen Liebe und ist eine Metapher auf die Niederschlagung der Pariser Commune im Mai 1871. Es ist „das“ Lied der französischen Revolution.

„Es schließt sich wie selbstverständlich ein Kreis hier im Studio in Northeim“, findet Wader, der bereits vor über 40 Jahren am großen Tisch vor dem Kamin im Studio-Keller von Günter Pauler gesessen hat. „Ich habe noch viele Lieder zu singen. Jetzt ist die Zeit dazu.“

War ursprünglich zunächst nur die Veröffentlichung einer neuen Studio-Produktion geplant, so kommt jetzt noch eine Live-Veröffentlichung hinzu. Im vergangenen Jahr ist in Waders Heimat, im Bielefelder Stadtteil Hoberge, zu seinen Ehren, unweit des Schulweges seiner Kindheit, am Poetenweg ein Findling aufgestellt worden, der die Aufschrift „Hannes Wader Aue“ trägt.

Eine Ehrung, die ihn tief berührte. Aus Dankbarkeit kehrte er im September für eine Lesung mit Konzert dorthin zurück. Mit Günter Pauler hatte er vereinbart, dieses Konzert aufzunehmen.

Am 13. Dezember soll Waders Autobiografie „Trotz alledem“ als Taschenbuch erscheinen. Am selben Tag wird Paulers Label „Stockfisch“ dann passend dazu die Konzert-Aufnahme „Poetenweg“ veröffentlichen.  (Von Klaus Hoheisel)

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