Historisches Juwel wird in Northeim wachgeküsst

Denkmalgerechte Konzeptentwicklung für Konrektorenhaus ist in Arbeit

Das Northeimer Konrektorenhaus soll restauriert werden. Die Voruntersuchungen dazu laufen.
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Das Northeimer Konrektorenhaus soll restauriert werden. Die Voruntersuchungen dazu laufen. (Archivfoto)

Das alte, windschiefe Fachwerkhaus am Kirchplatz 8 in Northeim, das in den vergangenen Jahren bereits zweimal fast der Abrissbirne zum Opfer gefallen wäre, ist ein „Juwel, das seinesgleichen in Deutschland sucht“.

Northeim – So formuliert Andreas Formann vom Architektur- und Denkmalpflegebüro „die Bauhütte“ seine Sicht auf das sogenannte Konrektorenhaus.

Formann ist von der Stadt, die das Haus im vergangenen Jahr gekauft hat, beauftragt, eine „modernisierungsvorbereitende Untersuchung“ vorzunehmen. Das bedeutet, er erarbeitet ein denkmalgerechtes Konzept mit zeichnerischer Bestandsaufnahme, Bauschadensanalyse, Ideenskizzen und Kostenschätzung. Diese soll als Grundlage für das weitere Vorgehen bei der Sanierung und späteren Nutzung dienen.

Es sei kaum noch ein Haus zu finden, dass so „unverletzt“ die Jahrhunderte am ursprünglichen Standort überdauert habe, schwärmt Formann, auch wenn natürlich Vieles über die Jahrhunderte umgebaut, abgesackt und verändert worden sei.

Die Datierung des Hauses ist mit 1510 aufgrund dendrochronologischer Untersuchungen – das sind Altersbestimmungen des Bauholzes – gesichert. Formann und sein Team haben jetzt das Haus vermessen und untersucht. Aufgrund dieser Basis schlägt er vor, noch weitere Balken dendrochronologisch untersuchen zu lassen, um noch weitere Rückschlüsse auf den Bau zu erhalten.

Schon jetzt könne man sagen, dass es sich beim Konrektorenhaus in seinem Ursprung nicht um ein Wohnhaus, sondern um ein Speichergebäude gehandelt habe, so Formann. Eventuell könne auch eine Manufaktur dort untergebracht gewesen sein, aber dafür fehlten aktuell noch Hinweise auf ein Gewerbe.

Sehr interessant seien auch der spätgotische Ständerbau sowie die „repräsentative Formensprache“ in Teilen des Gebäudes. Anders hingegen bewertet er das Dach, das 1965 aufgesetzt wurde. Es verzerre den Gesamteindruck des Hauses. Das ursprüngliche Dach sei viel steiler gewesen. Er empfiehlt, das Dach wieder mit alter Dachneigung herzustellen.

Auch über die nachträglich veränderte Südfassade gebe es sehr gute Befunde, sodass sie zu 70 bis 80 Prozent wieder rekonstruiert werden könnte. „Das Gebäude soll gesunden und nicht gerade gerückt werden“, sagt Formann mit Blick darauf, dass Verformungen bis zu 50 Zentimeter sichtbar sind. Viele Schwellen seien weggefault, weshalb es zu Absenkungen gekommen sei.

Auch im Inneren des Gebäudes habe der Zahn der Zeit sehr genagt, da gebe es viele Löcher und Decken, die nicht mehr betreten werden dürften. Fromann geht davon aus, dass er im Juli ein denkmalgerechtes Konzept vorlegen kann.

„Wir wollen das Gebäude behutsam wachküssen“, gibt Andreas Krause-Hedenus von der städtischen Stabsstelle Städtebauförderung vor. Die Kosten dafür seien zu Zweidritteln aus Fördermitteln von Bund und Land gedeckt.

Der im vergangenen März gegründete Verein „Leben am Northeimer Kirchplatz anno 1510“ wird dann das Gebäude nutzen. Vorgesehen sind unter anderem Kurs-Angebote sowie kulturelle Veranstaltungen. „Wir verstehen uns als Hüter des Gebäudes“, betont Schatzmeister Norbert Witte. Man wolle das Gebäude zunächst herstellen und dann die Nutzung genauer festlegen.

In die planerischen Überlegungen mit einbezogen werden müsse auch, ob ein Treppenhaus und Toilettenanlagen außen vorgelagert werden könnten.

Es sei noch viel Vorarbeit notwendig, ergänzt Krause-Hedenus. Wann genau die Bauarbeiten am Gebäude beginnen könnten, stehe deshalb aktuell noch nicht fest. Er geht davon aus, dass dies erst im kommenden Jahr passiere. (Rosemarie Gerhardy)

„Leben am Kirchplatz anno 1510“

„Wir verstehen uns als Hüter des Hauses“, erklärt Norbert Witte, Schatzmeister des im März 2020 gegründeten Vereins „Leben am Northeimer Kirchplatz anno 1510“. Vorsitzender ist Dr. Heinz-Jörg Elliehausen. Coronabedingt habe es noch keine Mitgliederversammlung gegeben. Diese sei nun für Juni angedacht. Man wolle die Arbeit auch auf eine breitere Basis stellen, so Witte und wirbt um weitere Mitglieder. Weitere Infos zum Verein gibt es unter www.northeim1510.de. (rom)

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