30 Jahre lang kein Eingriff

Hochwasserschutz: Büsche auf Rhume-Insel müssen weichen

Büsche nein, Bäume ja: Ein kleiner Teil der Rhume-Insel (im Hintergrund) ist schon buschfrei. Große Bäume lassen die Arbeiter des Leineverbands stehen. Das abgeholzte Buschwerk wird mit einer Winde durch die Rhume ans andere Ufer gezogen. Foto: Gödecke

Northeim. Auf der Rhume-Insel in Northeim werden derzeit reihenweise Büsche gerodet. Nur einige größere Bäume werden verschont. Der Leineverband sichert durch die Auslichtung den Wasserabfluss im Hochwasserfall.

„Hier hat der Hochwasserschutz Vorrang vor Naturschutz“, sagt Jürgen Laduch, Geschäftsführer des Leineverbands. Er begründet damit die am Mittwoch angelaufene Auslichtungsaktion auf der Insel mitten in der Rhume, 100 Meter oberhalb der Langen Brücke in Northeim. Arbeiter holzen noch bis in die nächste Woche hinein Büsche ab, nur größere Bäume bleiben stehen.

Das dichte Buschwerk auf der kleinen Insel inmitten des Flusslaufs behindere bei Hochwassersituationen den Wasserablauf, was dazu führen könne, dass der Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet sei, führt der Verbandsgeschäftsführer aus.

Mit anderen Worten: Bei einem extremen Hochwasser, bei dem der Wasserstand der Rhume so hoch ist, dass auch die Insel überflutet wird, könne die Verbuschung der Insel dazu führen, dass das Wasser durch einen Rückstau über die Rhumedeiche treten könne. Laduch: „Das müssen wir verhindern, denn damit wäre die Funktionsfähigkeit der vor 30 Jahren entlang der Rhume gebauten Hochwasserschutzanlagen außer Kraft gesetzt.“

Aus Naturschutzgründen heraus habe der Landkreis Northeim damals bei der Rhume-Eindeichung darauf bestanden, dass die natürliche Insel im Rhumebett erhalten bleibt. Dies sei nur möglich gewesen, weil in dem Bereich, in Höhe des Siechenangers, genügend Platz für eine breitere Rhumeeindeichung als flussauf- oder -abwärts vorhanden war.

30 Jahre lang sei danach allerdings auch der Busch- und Baumbestand auf dem kleinen Eiland ohne menschliche Einwirkung frei gewachsen, so dass sich die Insel nun total verbuscht präsentiere und den Hochwasserschutz gefährde.

Die Entscheidung zur Auslichtung ist nach Laduchs Worten bei einem Ortstermin getroffen worden, an dem neben dem Leineverband, Vertreter des Landkreises und der Stadt Northeim teilnahmen. Ein Gutachter hatte die Entfernung dringend empfohlen.

Stehen bleiben werden alle höherstämmigen Bäume, wie große Erlen, Buchen, Kirschen oder auch eine Gruppe ausgewachsener Weiden.

Vor Beginn der Arbeiten hat der Chef des Leineverbands sich nach eigenen Angaben persönlich davon überzeugt, dass auf der Insel keine Nester und Brutstätten vorhanden sind.

Die Auslichtungsaktion lässt sich der Verband 10 000 Euro kosten. Sein Geschäftsführer bittet Naturschutzfreunde um Verständnis für die Maßnahme. Die Insel werde dann wieder über Jahre sich selbst überlassen.

Hintergrund

Was macht der Leineverband?

Der Leineverband, der seinen Sitz in Northeim hat, ist für die Unterhaltung und Pflege der Leine und seiner Nebengewässer sowie auch des Unterlaufs der Rhume bei Northeim zuständig. Dazu gehören an den Ufern auch jeweils drei Meter breite Uferstreifen. Das Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich von der Grenze Niedersachsen/Thüringen/Hessen im Süden bis unterhalb der Einmündung der Innerste bei Sarstedt im Norden. Im Verband haben sich Städte und Gemeinden, Landkreise, die Region Hannover sowie Vertreter aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Industrie zusammengeschlossen.

Von Axel Gödecke

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