Jugendrichter zweifelt an Wirksamkeit

Hohe Rückfallquote bei Warnschuss-Arrest für jugendliche Straftäter

Northeim. Der Northeimer Jugendrichter Sören Andresen zweifelt an der Wirksamkeit des Warnschuss-Arrests für jugendliche Straftäter.

Niedersachsens Richter verhängen immer häufiger den sogenannten Warnschuss-Arrest gegen jugendliche Straftäter. 2014 wurden laut Justizministerium in Hannover 111 Jugendliche zur Abschreckung vor einer kriminellen Zukunft für bis zu vier Wochen hinter Gitter geschickt. Im Einführungsjahr 2013 waren es nicht einmal halb so viele Fälle (51).

Beim Northeimer Amtsgericht hat Jugendrichter Sönke Andresen den Warnschuss-Arrest bislang erst einmal verhängt: Im Februar vorigen Jahres verurteilte er einen jungen Mann, der unzählige Betrügereien begangen hatte, zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung sowie zum zweiwöchigen Warnschuss-Arrest, den der junge Mann im Juli 2014 antrat.

„Den Arrest hat er abgesessen und quasi am Tag seiner Entlassung mit den Betrügereien weitergemacht“, so Andresen. Folge: Im Januar dieses Jahres schickte er den 22-Jährigen für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

Der Northeimer Jugendrichter: „Ich habe Zweifel daran, dass diese Form des Arrests wirklich die gewünschte Abschreckung erzielt.“

Auch habe die Erfahrung anderer Gerichte landesweit gezeigt, dass es wie bei dem „Dauerbetrüger“ aus Northeim eine hohe Rückfallquote bei den jungen Leuten gibt. Der Northeimer Jugendrichter glaubt, dass die Einwirkzeit auf die Jugendlichen in der Zeit des Arrests viel zu kurz ist: „Wir können niemanden in zwei, drei oder vier Wochen ändern.“

Andresen sieht in dauerhaften, ambulanten Maßnahmen wie zum Beispiel in sozialen Trainingskursen oder der Betreuung durchs Jugendamt bessere Möglichkeiten, die jungen Männer und Frauen aus der Kriminalität herauszuholen.

Allerdings, so betont er, helfe auch das nicht immer: „Wenn es eben nicht anders geht, dann müssen die jungen Straftäter auch weiterhin in den Knast.“

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