Landesforsten gleichen Waldverluste durch Aufforstungsmaßnahmen aus

Im Landkreis Northeim werden aus Äckern Wälder

Eiche für Eiche setzt Maik Kaiser von der Pflanzkabine aus in den Acker, während Torsten Engel vom Forstbetrieb Detlef Brämer aus Glashütte den Traktor in der Spur hält. Das Forstamt Münden pflanzt allein in dieser Gemarkung aus 70 000 neuen Laubbäumen einen abwechslungsreichen Mischwald.
+
Eiche für Eiche setzt Maik Kaiser von der Pflanzkabine aus in den Acker, während Torsten Engel vom Forstbetrieb Detlef Brämer aus Glashütte den Traktor in der Spur hält. Das Forstamt Münden pflanzt allein in dieser Gemarkung aus 70 000 neuen Laubbäumen einen abwechslungsreichen Mischwald.

Im Landkreis Northeim werden neue Wälder angelegt

Hardegsen/Schoningen – Als Ausgleich für Waldverluste und Landschaftsverbrauch bei der Vergrößerung von Steinbrüchen oder den Bau von Straßen oder Stromtrassen entstanden im Landkreis Northeim in drei Jahren bereits zehn Hektar neue Wälder. Das teilten die Niedersächsischen Landesforsten mit.

Insgesamt lasse man rund 25 Hektar bisher landwirtschaftlich genutzter Flächen aufforsten, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Ehrgeiziges Ziel der Forstämter Münden, Reinhausen und Dassel sei es, damit die Landschaft im Landkreis zu bereichern, das Klima zu verbessern und das Grundwasser zu schützen.

Wo bisher Getreide oder Energiepflanzen angebaut wurden, sollen laut Pressesprecher Michael Rudolph künftig naturnahe Laubwälder aufwachsen. „Dafür forstet das Niedersächsische Forstamt Münden derzeit mit einer Pflanzmaschine eine zwölf Hektar große Ackerfläche in der Gemarkung Schoningen auf“, so Rudolph weiter. Das zusammenhängende Flurstück sei zuletzt als Ackerland landwirtschaftlich genutzt worden.

Förster Andre Olschewski aus dem Forstamt Münden leitet das laufende Projekt in der Revierförsterei Verliehausen, wo Stieleichen, Winterlinden, Elsbeeren, Kirschen, Bergahorne und Hainbuchen gepflanzt werden. Dort sollen neue Sträucher hinzukommen und den künftigen Waldrand bilden, um so die Aufforstungsflächen mit bestehenden Feldgehölzen und Hecken zu vernetzen.

„Derzeit waren nur die Sträucher Weißdorn, Kreuzdorn und Schwarzer Holunder erhältlich“, sagt Olschweski. „Gerne hätten wir noch mehr Arten gepflanzt, aber die aktuelle Börse für Baumschulpflanzen ist ausgedünnt.“

Ein breiter Waldaußenrand mit heimischen, standortstypischen Gehölzen soll nach den Plänen der Landesforsten den künftigen Wald von umliegenden Ackerflächen abschirmen. Ziel sei ein Klima angepasster Laubmischwald, in dem Eichen die vorherrschende Baumart bilden. Als Schutz vor Mäuse-Fraßschäden an den Jungpflanzen ließen die Forstleute vorab Waldstaudenroggen aussäen. Der soll zum einen Mäuse davon abhalten, im Winter die Rinde der Laubbäume anzunagen. Zum anderen verspricht man sich davon, dass das Getreide Gräser in Schach hält, die mit den jungen Laubbäumen um Wasser und Nährstoffe konkurrieren Alle Erstaufforstungsflächen gehören laut Rudolph den Landesforsten. Der kleinste Acker bei Üssinghausen ist 7500 Quadratmeter groß, die mit 126 000 Quadratmeter größte Ackerfläche liegt in der Gemarkung Schoningen.

„Hier und in der Revierförsterei Hardegsen sorgen Pflanzmaschinen mit Pflanzerinnen und Pflanzern für eine gesicherte Rückkehr der Laubwälder“, so Förster Olschewski.

Hintergrund für die geplante Ausdehnung der Waldflächen sind laut Pressemitteilung der Landesforsten die Umweltauflagen bei Bauprojekten, denn die neuen Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland oder die Sanierungen der Autobahnen stellten einen Eingriff in die Landschaft dar und führten zu Waldverlusten.

Laut Waldgesetz müsse der Verursacher diese Waldverluste an anderer Stelle wieder ausgleichen.

„Wir wollen mit den Ersatzaufforstungen artenreiche, naturnahe und klimaangepasste Wälder entwickeln und forsten geeignete Ackerflächen in begrenztem Umfang auf“, begründet Johannes Thiery, Ansprechpartner bei den Landesforsten für Kompensationen in Südniedersachsen, das laufende Aufforstungsprojekt.

Er arbeitet in der Funktionsstelle für Naturdienstleistungen im Forstamt Reinhausen und koordiniert von dort auch die jüngste Waldmehrung im Landkreis Northeim.  (Niko Mönkemeyer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.