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Immer wieder Gewalt in den heimischen vier Wänden

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Von: Kathrin Plikat

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Frauenhäuser bieten von Gewalt betroffenen oder bedrohten Frauen und Müttern Unterstützung. Unabhängig von der Art der erlebten Gewalt.
Etwa 300 Fälle von häuslicher Gewalt registriert die Polizei im Landkreis Northeim jedes Jahr (Archivfoto). © Maurizio Gambarini

Die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt steigt im Landkreis Northeim jährlich an – aktuell registriert die Polizei durchschnittlich 300 Fälle pro Jahr.

Northeim – Das sind allerdings nur die Vorfälle, die der Polizei auch gemeldet werden: „Wir gehen von einem sehr viel höheren Dunkelfeld aus, also zahlreichen Fällen, die gar nicht erst angezeigt werden“, so Polizeikommissar Dirk Schubert, Leiter Prävention bei der Polizeiinspektion Northeim.

Gerade bei sogenannten „Risiko- oder Hochrisikofällen“, wenn die Opfer schwer verletzt oder gar getötet werden, stelle man sich auch bei der Polizei die Frage, ob die Tat nicht hätte verhindert werden können, sagt Schubert. Ein Tötungsdelikt in Einbeck werde gerade vor dem Landgericht Göttingen verhandelt. Hier habe es zum Beispiel keinerlei Erkenntnisse im Vorfeld gegeben, dass es in der Partnerschaft zu einer solchen Eskalation kommen könnte. In anderen Fällen gebe es jedoch schon vorher Hinweise auf Gewalt, zum Beispiel aus dem Umfeld des Opfers.

Um künftig noch schneller reagieren zu können, wurde jetzt bei der Polizeiinspektion ein sogenanntes „Kompetenzteam häusliche Gewalt“ installiert, dem sämtliche Abteilungen angehören, so Schubert. Aber auch andere Behörden und Institutionen sind beim Thema häusliche Gewalt mit im Boot: Darunter die Staatsanwaltschaft Göttingen, Beratungsstellen wie die Beratungs- und Interventionsstelle BISS in Northeim oder der Göttinger Verein „Wege ohne Gewalt“, der mit Tätern und Täterinnen arbeitet.

Und: Bei der Polizei gibt es jetzt eine „Checkliste“, mit der die Polizisten im Einsatz, aber auch die später ermittelnden Beamten, schneller abklären können, ob es sich um einen Risiko- oder sogar Hochrisikofall handelt. „Wenn mit dem Tod gedroht oder jemand verletzt wird, ist das natürlich sofort ein Risikofall“, so Schubert.

Mit dieser nun noch engeren Zusammenarbeit mit Behörden und Beratungsstellen hoffe die Polizei, häusliche Gewalt noch schneller schon in der Entstehung zu erkennen und am besten sogar abwenden zu können.

Seit 2001 gibt es im Landkreis Northeim das Netzwerk Häusliche Gewalt mit Vertretern aller Einrichtungen, die mit dem Thema zu tun haben. Wer Opfer von Gewalt ist oder sich bedroht fühlt, bekommt hier Hilfe:

- Polizei: bei akutem Notfall Notruf 110.

- Beratungs- und Interventionsstelle (Biss) Northeim, Telefon 0 55 51/708 321.

- Weißer Ring im Landkreis Northeim, Kriminalprävention und Opferhilfe, Telefon 0 55 63/960 571.

- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, 24 Stunden bundesweit in allen Sprachen, Telefon 08 000/11 60 16.

- Wenn Kinder betroffen sind, hilft der Fachbereich Kinder und Familien der Northeimer Kreisverwaltung unter
0 55 51/708 281.

- Opferhilfebüro Göttingen: erreichbar unter Telefon 05 51/403 14 50 oder 05 51/403 11 52. (kat)

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