Bei Menschen ohne Angehörige

Unbemerkter Tod: Immer mehr Menschen sterben einsam

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Wer einsam stirbt, wird oft zu spät gefunden: In vielen Fällen wird erst dann die Polizei gerufen, wenn ein übler Geruch im Treppenhaus angekommen ist.

Northeim. Immer häufiger sterben alleinstehende Menschen von ihrem Umfeld unbemerkt. In Northeim gab es 2013 zwölf solcher Fälle, sagt Uwe Ritter, Leiter des Northeimer Ordnungsamt. Insgesamt sei das Amt sogar 25-mal in Sterbefällen tätig geworden.

Das passiere immer dann, wenn zunächst keine Angehörigen aufzufinden sind. Vor fünf Jahren waren dies nur elf Fälle.

Im Vergleich dazu sind die Zahlen unbemerkter Sterbefälle in anderen Städten des Landkreises gering. So zählte die Ordnungsbehörde in Uslar 2013 zwei Fälle und das Einbecker Ordnungsamt fünf Fälle.

Wie lange die zwölf Menschen in Northeim tot in ihrer Wohnung gelegen haben, dazu gibt es weder bei der Polizei noch beim Ordnungsamt eine Statistik. Ritter schätzt, dass sich die Dauer zwischen wenigen Tagen und bis zu sechs Wochen bewegt. Meistens würden Menschen innerhalb kürzester Zeit gefunden – von Nachbarn, Freunden, dem Pflegedienst oder Familienmitgliedern.

„Verweste Leichen sind im Landkreis Northeim die absolute Ausnahme“, sagt Polizeisprecher Uwe Falkenhain. So etwas komme eher in Großstädten vor, in denen Menschen oft anonymer lebten als in einer Stadt wie Northeim oder in ländlichen Gegenden.

Das Ordnungsamt der Stadt werde immer dann hinzugerufen, wenn unklar sei, ob die verstorbene Person Verwandte habe, die sich um Bestattung und Nachlass kümmerten, erklärt Ritter. Ist niemand auszumachen, der diese Dinge regelt, übernehmen er und sein Kollege Christof Placzek die Sicherung des aufzufindenden Eigentums.

Dann wird ein Nachlasspfleger eingesetzt und – vorausgesetzt, die Person ist eines natürlichen Todes gestorben – es greift das Bestattungsgesetz. Das besagt, dass frühestens nach vier und spätestens nach acht Tagen das Begräbnis stattfinden muss.

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