Familienunternehmen ohne Nachfolge

Nach 100 Jahren: Metzgerei schließt für immer

Stehen am Freitag zum letzten Mal in Northeim auf dem Markt und verkaufen ihre Fleisch-, Wurst- und Schinkenspezialitäten: Marina und Hans-Georg Metje.
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Stehen am Freitag zum letzten Mal in Northeim auf dem Markt und verkaufen ihre Fleisch-, Wurst- und Schinkenspezialitäten: Marina und Hans-Georg Metje.

Eine Metzgerei im Kreis Northeim verkauft nach 100 Jahren zum letzten Mal ihre Spezialitäten. Das Familienunternehmen hat keine Nachfolge gefunden.

Katlenburg-Lindau – Nach 100 Jahren ist Schluss: Am Donnerstag (30.12.2021) hat die Metzgerei Metje in Elvershausen das letzte Mal geöffnet und morgen verkauft Fleischermeister Hans-Georg Metje mit seiner Frau Marina das letzte Mal seine Spezialitäten auf dem Northeimer Wochenmarkt.

Leider habe man keinen Nachfolger für den Familienbetrieb finden können, bedauert der 68-jährige Fleischermeister. Die eigenen Kinder hätten immer mitgeholfen, aber kein Interesse, den Betrieb fortzuführen, und auch einen anderen Nachfolger hätte er nicht gefunden.

Metzgerei im Kreis Northeim macht dicht: Auch Wissen geht verloren

Metje hätte gern auch noch einiges von seinem Wissen wie zum Beispiel das Rezept seiner Bregenwurst und des Kochschinkens weitergegeben. So falle es ihm nicht ganz leicht aufzuhören, so Metje. Aber ein 16-Stunden-Tag sei nun für ihn auch zu viel. Und es sei schon in den vergangenen Jahren immer schwieriger gewesen, Fachkräfte und Mitarbeiter zu finden. „Man muss Spaß daran haben und Leidenschaft mitbringen“, so Metje, der seinen Beruf mit viel Herzblut ausgeübt hat. 1921 wurde der Familienbetrieb von seinem Großvater August in Elvershausen gegründet. Der Großvater habe viel Fleisch nach Berlin verkauft, berichtet Hans-Georg Metje, der 1984 seine Meisterprüfung gemacht und den Betrieb 1989 vom Vater übernommen hat.

Schon seit 1947 verkauft die Fleischerei Metje auch ihre Wurst- und Fleischspezialitäten auf dem Northeimer Wochenmarkt. „Damals waren dort noch 13 Schlachter in der Reihe“, macht Hans-Georg Metje den Wandel in seinem Handwerk deutlich, dass es heute nur noch wenige Fleischer in der Region gibt. Der Wochenmarkt sei für viele Menschen wichtig, berichtet er. Er selbst habe mehrere Generationen an Kunden aus seinem Verkaufswagen heraus kennengelernt und bedient.

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Rückbau der Metzgerei im Kreis Northeim beginnt im neuen Jahr

Mit etwas Wehmut schaut er auf seinen letzten Wochenmarkttag. „Es war immer sehr schön auf dem Wochenmarkt“, so Ehefrau Marina Metje. Auch die anderem Marktbeschicker seien alle sehr nett.

Im neuen Jahr beginne dann der Rückbau der Metzgerei in Elvershausen. Anschließend müsse er sich umstellen – auf ein Leben mit viel Freizeit. „Wir haben dann erst mal Zeit für uns“, so Hans-Georg Metje, der dann seinem Hobby, dem Motorradfahren, nachkommen möchte. Auch Urlaubmachen und Zeit mit den fünf Enkelkindern stehen auf der Liste für den Ruhestand. (Rosemarie Gerhardy)

Aus unterschiedlichen Gründen müssen Traditionsbetriebe in der Region schließen: So macht eine Bäckerei nach 140 Jahren dicht und auch ein familiär geführtes Friseurgeschäft kann nach 75 Jahren keine Kunden mehr bedienen.

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