Beschluss des Bebauungsplans verzögert sich

Industriegebiet West: Investor hat bei Bohrungen Giftstoffe gefunden

Das neue Industriegebiet-West ist zwischen den Bahnlinien, der alten Nord-Südstrecke (links im Bild) und der ICE-Strecke (rechts) geplant. Entlang der alten Bahnlinie waren früher zu Tausenden mit Teerölen getränkte Bahnschwellen gelagert, die Schwellentränke selbst wäre bis 1967 am oberen Bildrand zu sehen gewesen.
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Das neue Industriegebiet-West ist zwischen den Bahnlinien, der alten Nord-Südstrecke (links im Bild) und der ICE-Strecke (rechts) geplant. Entlang der alten Bahnlinie waren früher zu Tausenden mit Teerölen getränkte Bahnschwellen gelagert, die Schwellentränke selbst wäre bis 1967 am oberen Bildrand zu sehen gewesen.

Northeim – Bei der Entwicklung des neuen Industriegebiets West zwischen den Bahnlinien im Westen von Northeim haben sich Probleme ergeben, die zur Verzögerung der Ausweisung der Bauflächen führen. Es geht um Bohrungen, die der Investor des geplanten Amazon-Verteilzentrums, die Firma P3, vornehmen ließ. Die haben wohl in der Tiefe Bodenbelastungen nachgewiesen.

Wie Baurat Alexander Backhaus dem Northeimer Bauausschuss mitteilte, seien offenbar Rückstände von Auswaschungen aus der ehemaligen Schwellentränke der Bahn gefunden worden. Dies aber wohl in einer Konzentration unter den Grenzwerten, die für den Menschen schädlich wären.

Trotzdem zog die Stadtverwaltung den eigentlich für die Sitzung vorgesehenen Tagesordnungspunkt, in dessen Verlauf der Bebauungsplan für das neue Industriegebiet verabschiedet werden sollte, noch einmal zurück.

Die neuen Erkenntnisse, so Backhaus, müssten eventuell noch in das Papier eingearbeitet und Kontakt mit der Bahn aufgenommen werden. Die Bahn hatte ab dem Jahr 2000 im Bereich direkt an der einstigen Schwellentränke, in der Nähe des Marktkaufmarktes, eigens aufwendig das Grundwasser durch eine Pumpenanlage und Aktivkohlefilter gereinigt.

Man stehe in der Angelegenheit auch mit dem Landkreis Northeim in seiner Funktion als Untere Wasserbehörde in Verbindung, hieß es von der Verwaltung.

Die Bauausschuss-Mitglieder reagierten irritiert auf die Nachricht, zumal wegen der nun eintretenden Verzögerung Fördergelder des Landes verloren gehen könnten. Bürgermeister Simon Hartmann betonte, dass im August eventuell eine Sondersitzung des Bauausschusses einberufen werden könnte, um das Thema voranzubringen und den endgültigen Ratsbeschluss über den Bebauungsplan doch plangemäß bis Oktober über die Bühne zu bringen.

Die Fraktionen nutzten die nun eintretende Pause dazu, der Verwaltung noch von ihrer Seite her Änderungswünsche für das Industriegebiet, auf dem sich neben Amazon auch Thimm ansiedeln möchte, anzutragen.

Keine Verbrennung

So wies Helga Jäger für die CDU-Fraktion darauf hin, dass es in einem Industriegebiet, wie es im Westen Northeims geplant sei, grundsätzlich auch möglich sei, eine Müllverbrennungsanlage zu bauen, wie das vor Jahren eine auswärtige Firma vorhatte. Dies wolle man aber nicht, und es sollte möglichst schon im Bebauungsplan ausgeschlossen werden. Der Baurat hielt dem entgegen, dass das planerisch schwer umsetzbar sei, allerdings sei die Stadt ja Eigentümer der Flächen und könne selbst bestimmen, wem und zu welchem Zweck sie Investoren Flächen im Industriegebiet verkauft. Eckhard Ilsemann (FDP) meinte, dass man im B-Plan vielleicht doch entsprechende „Abstufungen“ einbauen könne.

Keine Versiegelung

Hans Harer (Grüne) regte an, dass die Stadt noch versuchen solle, die Versiegelung großer Parkplatzflächen, die zum Beispiel am Amazon-Verteilzentrum geplant seien, abzuschwächen, indem im Bebauungsplan der Einsatz von Rasengittersteinen vorgeschrieben werde.

Von Axel Gödecke

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