Lautsider und Mehrtürer nahmen in der Alten Brauerei auf

Inklusion durch Ton-Art: Musikförderprojekt geht in neue Runde

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Hatten viel Spaß im Studio: Die „Lautsider“ von den Harz-Weser-Werkstätten (links) mit ihrer Begleiterin Dorothea von der Ehe-Staub, Andreas Becker und Pit Becker vom Ton-Art-Projekt sowie die „Mertürer“.

Northeim. Das Ton-Art-Musikförderprojekt der Stadt Northeim geht in eine neue Runde.

Gemeinsam mit der Jugendpflege wird in dieser Woche wieder jungen Musikern die Chance gegeben, mit professioneller Ausrüstung zu arbeiten.

Sie spielen Gitarre und Schlagzeug, Keyboard und Trompete. Sie singen zusammen, lachen zusammen. Auf der einen Seite: vier junge Musiker, ihre Band heißt „Mehrtürer“. Auf der anderen: Die Band „The Lautsider“, Musiker mit Behinderungen, die eigentlich in den Harz-Weser-Werkstätten arbeiten. In dieser Woche haben sie alle frei bekommen, gemeinsam nehmen sie im Turm der Alten Brauerei Songs auf. Was der Alltag sonst voneinander trennt, bringt die Musik nun zusammen.

Für die Werkstätten begleitet Dorothea von der Ehe-Staub die Bandmitglieder von „The Lautsider“. Das Musikprojekt der Behindertenwerkstätten gibt es jetzt seit rund fünf Jahren. Die Veranstalter der Ton-Art sind Freiberufler mit einem Plan im Herzen und Viervierteltakt im Blut: Andreas Linkert und Pit Becker. Die Mitglieder der Band „Mehrtürer“ sind Stammgäste im Jugendzentrum und im Turm-Studio. Die Zusammensetzung allerdings ist neu: 13 Musiker, 13 Egos und 13 Charaktere. Aber eine Sprache: Musik.

„Eigentlich“

„Eigentlich“, sagt von der Ehe-Staube, „war Inklusion das Oberthema“. „Eigentlich“, sagt sie weiter, „funktioniert Inklusion dann, wenn man nicht mehr über sie sprechen muss.“ Und eigentlich hatten Becker und Linkert den Plan, innerhalb der gemeinsamen Woche genau dafür zu sorgen. Doch das Eis war schon nach wenigen Stunden gebrochen. Ziel erreicht?

„Klar gab es am Anfang Distanz“, sagt Linkert. Berührungsängste zwischen Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen, das haben die Initiatoren erwartet. Womit sie aber auch gerechnet haben, ist die besondere Kraft der Musik.

„Das ist eine Sprache, die alle schnell verstehen und alle Grenzen durchbricht“, sagt Becker. Die Musiker tauschen sich aus, würden voneinander lernen und alle Scheu voreinander ablegen. Dank Ton-Art spielen nicht mehr junge Musiker zusammen mit behinderten Menschen, sondern Musiker zusammen mit Musikern. Es entstehen Sympathien und Freundschaften, und „Musikerfreundschaften sind etwas ganz spezielles“, betont Becker.

Die Idee ist langfristig angesetzt, deshalb verfolgt die Gruppe zwei klare Ziele: Zunächst wollen sie gemeinsam Songs aufnehmen. Dafür steht Tontechnik und Techniker bereit. Mittelfristig wollen sie auch zusammen auftreten, live und ohne Vorurteile. „Das ist unser Ziel, aber auch das Publikum muss darauf reagieren“, sagt von der Ehe-Staub. Gespielt werden übrigens Songs beider Bands, aber auch Klassiker der Rock-Geschichte. (ycv)

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