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Rechter Vordenker: Dieser Northeimer Lehrer hat die AfD stark gemacht

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Von: Matthias Lohr

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Konservativer Vordenker: Karlheinz Weißmann, der am Northeimer Gymnasium Corvinianum  Geschichte und Religion unterrichtet.
Konservativer Vordenker: Karlheinz Weißmann, der am Northeimer Gymnasium Corvinianum  Geschichte und Religion unterrichtet. © ZDF

Der Northeimer Lehrer Karlheinz Weißmann gilt als "klügster Kopf" der rechten Bewegung. Nun träumt er davon, dass die AfD Volkspartei wird. Wer ist dieser Mann?

Vor einigen Jahren befürchtete der Northeimer Lehrer Karlheinz Weißmann, sein Arzt würde ihn nicht behandeln, weil er ihn für einen Nazi halten könnte. Der Mediziner überreichte dem Pädagogen einen Umschlag mit dessen Kolumnen aus der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit". Jemand hatte sie ihm anonym zugeschickt und gefordert, dem "Nazi" die Therapie zu verweigern. Doch der Arzt zerriss den Brief des Unbekannten und sagte zu Weißmann: „Ich teile Ihre Meinung nicht. Aber Ihre Meinung ist Ihre Sache."

Die Geschichte aus der Arztpraxis hat Weißmann in einer weiteren Kolumne in der "Jungen Freiheit" geschildert, in der es darum ging, wie schwer es Rechte im Alltag in Deutschland haben. Er selbst scheint es im Northeimer Schulalltag nicht sehr schwer zu haben. Seit 1991 unterrichtet er am Gymnasium Corvinianum seiner Heimatstadt Geschichte und Religion. Nicht nur als Lehrer ist der 59-Jährige respektiert: Weißmann gilt als "klügster Kopf der deutschen Konservativen" und als "Vordenker der Völkischen".

Der Göttinger ist einer der Intellektuellen einer Bewegung, die durch den Aufstieg der AfD vom Rand in die Mitte der Gesellschaft findet. Schon 2009 forderte Weißmann in seinem "Konservativen Katechismus" "rechte Spontis und eine konservative Spaßguerilla". Der Spaß der AfD sieht nun so aus, dass der Rechtsaußen Björn Höcke in einer Talkshow erst einmal eine Deutschlandfahne über seinen Sessel legt, bevor er redet.

Weißmanns Rat an Björn Höcke

Als junger Lehrer suchte Höcke, der bis vor vier Jahren in Bad Sooden-Allendorf Sport und Geschichte unterrichtete, Weißmanns Rat. Der sagte ihm, dass er sich zwischen seiner pädagogischen Dienstlaufbahn und seinen Überzeugungen entscheiden müsse: "Wenn er sich für die zweite Möglichkeit entscheide, werde das einer Karriere im Wege stehen."

Gern hätten wir Weißmann gefragt, ob er Höcke für einen Rechtsextremisten hält, als der er oft bezeichnet wird, und was er von den Meldeplattformen hält, auf denen die AfD parteikritische Lehrer an den Pranger stellt. Doch der Pädagoge antwortete: "Ich habe kein Interesse."

Die Ansichten des in Göttingen promovierten Historikers sind aber in vielen Aufsätzen und Büchern dokumentiert: Das Grundgesetz hält Weißmann für "eine beliebige Konstruktion und nicht für die Verfassung des deutschen Volkes". Die multikulturelle Gesellschaft lehnt er aus völkischen Gründen ab. Er warnt vor dem "widernatürlichen Erzwingen der Gleichheit der Geschlechter und Nationalitäten" sowie der "Verbiegung der Geschichte", wenn an den Holocaust erinnert wird. Und er versucht seit Jahren "den Begriff rechts zu entdämonisieren".

Weißmanns Kolumne in der "Jungen Freiheit"

Bereits vor 18 Jahren gründete er mit dem Verleger Götz Kubitschek, einem weiteren Kopf der neurechten Bewegung, das Institut für Staatspolitik (IfS). Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz warnte 2002, die Denkfabrik versuche, antidemokratische Ideologien weiterzuentwickeln. Später trennte sich Weißmann von Kubitschek. Im vorigen Jahr war er an der Gründung von "Cato" beteiligt, dem selbsternannten "Magazin für Sachlichkeit". Die Sachlichkeit des Heftes sah auf dem Cover des ersten Heftes dann so aus: Angela Merkel wurde als Pontius Pilatus gezeigt, darunter die Schlagzeile "Wenn alle wählen, was keiner will."

Was Weißmann will, ist ziemlich klar. In der "Jungen Freiheit", die seiner Kolumne den Titel "Gegenaufklärung" gab, wettert er gegen den "Konsens der Antirassisten, der Befürworter von Vielfalt, Toleranz, Weltoffenheit". Will Weißmann im Umkehrschluss etwa "Einfalt, Intoleranz und Weltabgewandtheit"? Im März wurde er in das Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung berufen.

Keine Beschwerden am Corvinianum

An seiner Schule ist man an den politischen Aktivitäten des Geschichtslehrers offensichtlich nicht sonderlich interessiert. "Das ist sein Privatleben", sagt Corvinianum-Direktor Christoph Dönges, dessen Kinder bei Weißmann Unterricht hatten und "seinen sorgfältigen Unterrichtsstil" schätzten. Über ihn gebe es nicht mehr Beschwerden als über andere Lehrer auch, versichert Dönges.

Besonders gute Schützlinge lädt er allerdings schon mal zu sich nach Hause ein, um sie mit seinen politischen Ideen vertraut zu machen, wie ein ehemaliger Schüler berichtet. Und eine Sprecherin des niedersächsischen Kultusministeriums sagte der "taz", dass es in der Vergangenheit "mehrere klärende Gespräche" gegeben habe, um klarzumachen, dass "diesbezügliche Grenzüberschreitungen in der Schule nicht geduldet" würden.

Die Grenzen der AfD steckt Weißmann ganz weit ab. Entscheidend sei nicht, ob die Partei von Alexander Gauland zehn oder fünfzehn Prozent bei Wahlen erreiche: "Entscheidend ist, dass sie zu einer Volkspartei wird, die gestaltend tätig werden kann."

Lesen Sie auch: Nazis für das ganze Volk: Eine Kritik des rechten Magazins "Compact"

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