Tag des weißen Stockes: Aktion für mehr Rücksicht gegenüber Blinden - Video

Tag des weißen Stockes Bahnhof Northeim Barrierefrei Blinde blind taktiles Leitsystem.

Northeim. Zum Internationalen Tag des weißen Stockes konnte man in Northeim ausprobieren, wie es ist, sich blind über den Bahnhof zu bewegen. Dass auch gesunde Menschen manchmal blind sein können, zeige ihr Verhalten am Bahnhof.

Zum Beispiel, wenn sie ihre Taschen dorthin stellen, wo blinde oder sehbehinderte Menschen mit dem Langstock ihren Weg zum Zug finden. Um auf die Menschen hinzuweisen, denen taktile Leitsysteme am Boden die einzige Orientierungsmöglichkeit sind, wurde zum Internationalen Tag des weißen Stockes die Aktion „Bitte Weg frei“ initiiert. In Niedersachsen fand diese beispielhaft am Northeimer Bahnhof statt. Erst in diesem Jahr wurde er im Zuge der Modernisierung für 4,6 Millionen Euro vollständig barrierefrei.

„Wie wichtig taktile Leitsysteme sind, wissen am ehesten die, die darauf angewiesen sind“, sagte Detlef Krusche, Leiter des Bahnhofsmanagements Göttingen. Nur wer sich mit Blindenstock im öffentlichen Raum zurechtfinden müsse, könne von den Rippen und Noppenwegen profitieren.

„Wenn die Augen schlecht oder garnicht mehr sehen, dann müssen andere Sinne ran“, erklärte Jochen Bartling, Sprecher des Blinden- und Sehbehindertenverbands Niedersachsen. So, wie bei Regine Rohmann, die selbst von Geburt an blind ist und als geschultes Verbandsmitglied zwischen Kommunen und Menschen mit Sehbehinderung vermittelt. „In den 50er Jahren geboren, hatte ich als Kind immer nur das Händchen meiner Mutter.“

Erst im Alter von 27 Jahren machte sie ein Laufstocktraining und gewann damit an Eigenständigkeit. Mit dem flächendeckenden Ausbau der taktilen Leitsysteme und ihrem weißen Blindenstock könne sie sich immer freier bewegen.

Ein Bestandteil der Aktion „Bitte Weg frei“ war, dass sich Menschen einmal in die Position eines Blinden begeben und sich, ausgestattet mit Augenbinde und Langstock, über den Bahnhof bewegen. Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser probierte es aus und stellte nach ein paar Metern fest: „Es geht ganz gut voran, allerdings befinde ich mich ja gerade auch in einem geschützten Raum.“

Was für viele Menschen an diesem Tag ein Experiment war, ist für Regine Rohmann Alltag. „Barrierefreiheit steigert mein Selbstwertgefühl, denn so bin ich nicht auf andere Menschen angewiesen.“

Von Anna Lischper

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.