Rettungsorganisationen warnen vor dem Betreten

Achtung, Lebensgefahr: Das ist zu tun, wenn jemand im Eis einbricht

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Haben am Jahresanfang 2018 Eistauchen geübt: Die Taucher der Feuerwehrbereitschaft 4 in einem der Seen der Northeimer Seenplatte. 

Der Dauerfrost in der Region lässt Teiche und Seen gefrieren – was schön anzusehen ist, birgt allerdings auch eine Gefahr, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Aktualisiert um 11.52 Uhr - Eisflächen sind zum Betreten noch viel zu dünn, warnen die Johanniter, die Stadt und die Kreisfeuerwehr Northeim.

Wie die Johanniter und die Kreisfeuerwehr berichten, sind Eisflächen erst ab einer Stärke von 15 Zentimetern sicher. Das werde erst durch mehrere Wochen Frost erreicht. Aktuell sei diese Dicke längst noch nicht erreicht. „Die Dicke des Eises ist bei natürlichen Gewässern nur schwer einzuschätzen, teilt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen mit.

Wie die Kreisfeuerwehr berichtet, sind in den vergangenen Tagen mehrfach Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken aufgetaucht, die zeigen, wie Jugendliche auf die zugefrorenen Kiesseen laufen. „Das ist eine tödliche Gefahr“, betont Kreisbrandmeister Bernd Kühle. Eltern sollten nicht nur als positives Beispiel vorangehen, sondern auch aktiv mit ihren Kindern über die Gefahren von zu dünnen Eisflächen sprechen.

Laut Stadt Northeim ist der Kiessee insbesondere deshalb tückisch, da es hier laut Mitteilung unterschiedliche Wassertemperaturen und Strömungen gibt, sodass es plötzlich auftretende sehr dünne Eisschichten geben kann.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Die Kreisfeuerwehr ist auf ein mögliches Einbrechen einer Person in Gewässern vorbereitet. Erst im vergangenen Winter haben Taucher der Feuerwehrbereitschaft 4, auch bekannt als Umweltfeuerwehr, das sogenannte Eistauchen geübt. Herausforderung ist laut Feuerwehrbereitschaft 4 in diesem Fall, dass nicht an jeder Stelle ein Ausstieg aus dem Wasser möglich ist.

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Im Eis eingebrochen: Wertvolle Tipps von den Profis

Die Johanniter geben Tipps, die Leben retten können. Wir haben daraus eine Übersicht gemacht:

  • Wer eine im Eis eingebrochene Person bemerkt, soll laut Johanniter-Unfallhilfe umgehend den Notruf 112 wählen, denn die Zeit dränge: Der Aufenthalt im eisigen Wasser führt laut Rettungsdienst zu einer zwangsläufigen Unterkühlung binnen weniger Minuten. „Besonders gefährdet sind Kinder, aber auch bei Erwachsenen in guter gesundheitlicher Verfassung ist Eile geboten“, teilt Kersten Enke von den Johannitern mit. 
  • Bereits nach drei bis vier Minuten versagen die Muskeln, sodass sich die eingebrochene Person nicht mehr über Wasser halten könne. Wer selbst im Eis eingebrochen ist, sollte deshalb versuchen, sich vorsichtig robbend in Richtung Ufer zu begeben. 
  • Ersthelfer sollten versuchen, nach dem Notruf mit einem langen Gegenstand, beispielsweise einem langen Ast, einer Leiter oder einem Seil zu versuchen, die eingebrochene Person an Land zu ziehen. Keinesfalls dürfe das Eis dabei betreten werden. 
  • Nach der Rettung aus dem eiskalten Wasser ist der Körper laut Johanniter stark unterkühlt. Deshalb sollte er möglichst wenig bewegt werden. Der Hintergrund dazu: Gelangt kaltes Blut aus den Extremitäten in den Körperkern, droht ein Kreislaufkollaps. „Ersthelfer sollten das Opfer von der nassen Kleidung befreien und mit trockenen Jacken oder einer Rettungsdecke sachte für Wärme sorgen“, erklärt Enke. 
  • Warmer Tee kann beim Aufwärmen helfen – Ein Irrglaube sei allerdings, dass Alkohol helfe. Dadurch weiten sich die Gefäße und sorgen dafür, dass der Körper noch weiter auskühlt. 
  • Bewusstlose Personen mit normaler Atmung sollen nach der Rettung in die stabile Seitenlage gebracht werden. Hat die Atmung hingegen ausgesetzt, ist sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen. Sie muss so lange erfolgen, bis der Rettungsdienst eintrifft und dann den Ersthelfer aktiv ablöst. „Grundsätzlich gilt: Nicht zögern, sondern handeln. Wer sich unsicher fühlt, sollte für alle Fälle seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen“, betont Kersten Enke.
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