Jäger retten Kitz vor Mähtod

Landwirt Wandt hatte Pächter des Jagdreviers Hammenstedt um Hilfe gebeten

Die Hunde sind im hohen Gras fast nicht mehr zu sehen: Jäger beim Absuchen einer Wiese im Husumer Tal nach Rehkitzen.
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Die Hunde sind im hohen Gras fast nicht mehr zu sehen: Jäger beim Absuchen einer Wiese im Husumer Tal nach Rehkitzen.

Ein Rehkitz haben Jäger in Hammenstedt vor dem sicheren Tod im Mähwerk eines Traktors gerettet. Das wenige Tage alte Tier hockte, keine zehn Meter von der Rhume entfernt, zusammengerollt im tiefen Gras einer Wiese.

Hammenstedt – Bauer Dietmar Wandt hätte es unmöglich sehen können. Der Landwirt hatte die Jäger um Hilfe gebeten. Peter Weiser organisierte die Suchaktion für die drei Jagdpächter des insgesamt 600 Hektar großen Hammenstedter Reviers – Uwe Eickemeier, Andreas Kienast und Christian Lüdeke.

An die zehn Jäger stellten sich in langer Reihe auf und schritten die Fläche zusammen mit ihren aufgeregt bellenden Hunden ab. Mit dabei waren Greta Witte und ihre Hündin Elsa. Das Deutsch Drahthaar hatte gerade seine jagdliche Brauchbarkeitsprüfung bestanden.

Die Herausforderung: „Die kleinen Rehe haben kaum einen Eigengeruch“, erläuterte Jagdpächter Lüdeke. Die Hunde konnten lediglich Geruchsspuren des Muttertiers wittern. Es schaut von Zeit zu Zeit vorbei, um ihr Junges zu säugen. Dieses hockt die ersten 14 Tage nach der Geburt zusammengerollt im Gras. Bewegungslos und still wartet es ab, wenn sich eine Bedrohung nähert. „Selbst wenn man direkt an dem Tier vorbeigeht, kann man es übersehen“, sagte Lüdeke.

Organisator Wiese hatte deshalb noch den Drohenpiloten Volker Marwede um Unterstützung gebeten. Der promovierte Agrarwissenschaftler, der den Drohnenführerschein gemacht hat und beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig als Pilot registriert ist, flog die Fläche ab.

„Die Kamera meiner 250 Gramm schweren Drohne kann jeweils einen sieben Meter breiten Streifen in den Blick nehmen“, erklärte Marwede. Aus ein paar Metern Höhe kann er die gut getarnten Jungrehe nicht sehen, wohl aber die Trittspuren des Muttertieres.

Kitz gerettet: Jagdpächter Christian Lüdeke.

Zwei Hunde entdeckten dann das Kitz auf der Rhumewiese. Pächter Lüdeke zog sich Handschuhe an und polsterte sie mit Gras, damit das Jungtier keinen Menschengeruch annimmt. Anderenfalls würde es vom Muttertier verstoßen. Vorsichtig hob Kienast das Reh empor und trug es zum Flussufer, wo er es wieder ins Gras setzte. „Wenn das Kitz die Ricke hört, macht es sich bemerkbar“, sagte der Jäger.

Die Tierretter gingen auch eine Wiese im Naturschutzgebiet Husumer Tal ab. Sie grenzt an einen der gut 30 ehemaligen Fischteiche, die sich den Hammenstedter Bach entlangziehen. Rehe schätzen das nahe Wasser, wo sie ihren Durst löschen. Im Husumer Tal wurden die Jäger allerdings nicht fündig.

„Rehe bringen ihre Jungen im Mai und im Juni zur Welt“, führte Pächter Eickemeier aus. Wenn viele Menschen mit Hunden durch eine Wiese gehen, wird diese für Rehe unattraktiv. „Wir Jäger sagen dann, dass wir die Fläche verstänkert haben“, führte Eickemeier aus. (Michael Caspar)

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