Auftritt im Theater der Nacht

Jens Mariposa aus Hardegsen lässt bei Castingshow die Seekuh tanzen

Jens Mariposa trat mit einer Ukulele auf der Bühne im Theater der Nacht auf.
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Jens Mariposa trat mit einer Ukulele auf der Bühne im Theater der Nacht auf.

Jens Mariposa betritt sichtlich nervös die Bühne. Es muss ungewohnt für den 41-jährigen Künstler aus Hardegsen sein, nur vor laufenden Kameras, aber nicht vor Publikum zu stehen.

Northeim – Jens Mariposa, bürgerlich Ewers, ist Teilnehmer an der Castingshow im Northeimer Theater der Nacht. Unter dem einprägsamen Titel „Das Theater der Nacht sucht den goldenen Abendstern im Mondlicht des südniedersächsischen Nachthimmels“ – kurz DTDNSDGAIMDSN – stellten sich Künstler aus der Region den kritischen Augen der Jury.

Mariposas Auftritt trägt den Titel „Skurriles Lied“. Die Ukulele liegt schon auf einem Höckerchen unterhalb des Mikros bereit, doch noch braucht er sie nicht. Der Künstler sammelt sich kurz, dann beginnt er mit seinem Auftritt.

In einem selbstverfassten Gedicht sucht der 41-Jährige die Fäden eines Puppenspielers, der die Geschicke und Missgeschicke des Lebens lenkt. „Ich bin beides: Puppe und Spieler. Mal Gewinner, mal Verlierer“, lautet Mariposas selbstsichere Erkenntnis. Schluss mit dem Sinnieren heißt es nun. Das Gedicht nimmt romantische Züge an. Er spricht vom Dornröschenschlaf und „diesem einen Kuss“, der ihn befreit hat.

Dann der Griff zur Ukulele. Mariposa stimmt ein Liebeslied aus eigener Feder an, dass auf der hawaiianischen Gitarre einen besonders fröhlichen Klang erhält.

„Ich hab mich viel zu lang’ versteckt, du bist viel besser als perfekt“, trällert Mariposa. Wem diese schmeichelnden Worte gelten, bleibt allerdings sein Geheimnis.

Angelockt von dem Gesang betritt unvermittelt eine Figur namens Inge die Bühne. Mariposa – gerade noch in seinem Element – wirkt wieder unsicher. Mit dem Auftauchen der rothaarigen Puppe hatte er nicht gerechnet.

„Verzeihen Sie, Ich wollte nicht stören“, sagt Inge schüchtern. Sie habe bei dem schönen Gesang eine Seekuh vermutet. Entgeistert schaut er sie an. „Ich dachte, vielleicht habe man aus dem Theater ein Reservat für Seekühe gemacht“, fährt Inge unsicher fort und zieht sich daraufhin zurück.

„Ich spiele einfach weiter“ sagt Mariposa, immer noch verwirrt von der Begegnung. Doch kaum hat er den Faden in seinem Lied wieder aufgenommen, wartet schon die nächste Überraschung auf den Künstler: Nahezu lautlos tänzelt plötzlich eine Seekuh auf die Bühne. Grazil bewegt sie sich zum Takt der Musik. Galt von Anfang an ihr das Lied?

Die Begegnung scheint den Künstler nur kurz aus der Fassung zu bringen. „Wir müssen nichts mehr müssen, alles was wir tun, ist Küssen“, singt er fröhlich weiter und legt die Ukulele zurück auf den Hocker. Auch ohne Instrument weiter singend tanzt Mariposa ausgelassen mit der Seekuh. Vor ihr knieend endet sein Auftritt mit den Worten: „Was mir Hoffnung macht, bist du, hübsche Seekuh.“ Ein Kuss bleibt allerdings aus.

Die Jury war sich nicht ganz einig bei der Bewertung von Jens Mariposas Auftritt. Heidegger (links) war eher unzufrieden, Mary und Händel sehr angetan.

Moderatorfigur Senesino stürmt auf die Bühne und leitet ohne Umschweife zum Urteil der dreiköpfigen Jury über. Wie der Moderator sind auch die Jurymitglieder bekannte Figuren des Theaters der Nacht. Händel lobte vor allem die lockere Art von Mariposas Auftritt. Dem entgegnete Heidegger, dass es schon genug Lieder über das Küssen geben hätte. Immerhin den Tanz am Schluss empfand er als passabel. Mary sagt, sie habe Gänsehaut gehabt und es könne niemals genug Lieder zum Thema Küssen geben.

Mariposa ist zufrieden mit der Kritik. Eine letzte gemeinsame Verbeugung mit der Seekuh und sein Auftritt ist im Kasten. Der Applaus bleibt zwar aus, doch man sieht ihm an, dass er diesen außergewöhnlichen Auftritt nicht so schnell vergessen wird.

Auftritte der Castings als Videoclips

Elf Künstler aus der Region nahmen an den Castings in der vergangenen Woche teil. Beworben hatten sich noch viel mehr, sagt Projektleiterin Eva Werler. „Auflage des Gesundheitsamts war es, dass nur Berufskünstler teilnehmen dürfen.“ Ihr sei außerdem ein bunter Mix wichtig gewesen bei der Auswahl der eingeladenen Teilnehmer. So waren von Comedy über Musical bis hin zu Yoga viele Talente vertreten. Eine zweite Auflage mit neuen Künstlern könne sich Werler bereits vorstellen.

„Der Fokus bei den Auftritten liegt neben den Talenten auf der der Interaktion zwischen den Künstlern und Puppen“, sagt Werler.

Alle Auftritte inklusive der Beurteilung der Jury wurden in Bild und Ton aufgezeichnet. Aus den Aufnahmen entstehen kurze Videoclips, die voraussichtlich ab April auf der Homepage und den sozialen Netzwerken des Theaters zu sehen sein werden. Der Sieger der Show wird zum 20-jährigen Bestehen des Theaters der Nacht am 15. August gekrönt. (William Abu El-Qumssan)

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