Sex, Shampoo und kuriose Fantasien

Jürgen von der Lippe überzeugt in der Stadthalle

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Begeisterte am Sonntagabend: Jürgen von der Lippe in der Northeimer Stadthalle. „Jeder kann Comedian werden. Das kann man nicht lernen. Das gilt auch für Politiker. Bei denen merkt man das aber auch“, sagte der 68-Jährige am Abend unter Beifall.

Northeim. Komiker Jürgen von der Lippe konnte am Sonntagabend in der Northeimer Stadthalle sein Publikum begeistern. Wir waren mit dabei und erklären, warum der fast 70-Jährige noch immer gut auf der Bühne aufgehoben ist.

Es gibt durchaus deutsche Komiker, die ihren Zenit längst überschritten haben, den Ruhestand genießen sollten und auf den Bühnen mehr schlecht als recht aufgehoben sind. Comedy-Urgestein Jürgen von der Lippe hat mit seinen bald 70 Jahren mal wieder unter Beweis gestellt, dass sein Unterhaltungswert mit den Jahren wie ein guter Wein reift. Der Mann aus dem Ruhrpott war am Sonntag zu Gast in der Northeimer Stadthalle.

Viel braucht von der Lippe nicht, um sein Publikum gleich zu Beginn in über zwei Stunden beste Unterhaltung mitzunehmen. Ein Tisch mit schwarzer Decke, sein Buch „Der König der Tiere“ und ein Glas Wasser reichen aus, um den Besuchern in der gut gefüllten Stadthalle Tränen in die Augen zu treiben. Nur einer Sache, nicht nur bekannt aus über zehn Jahren „Geld oder Liebe“ im Fernsehen, ist der Komiker am Abend nicht treu geblieben: seinem Hawaiihemd.

Die kleinen Dinge

Von der Lippe hat am Abend unter Beweis gestellt, dass er ein hervorragender Geschichtenerzähler ist. Doch auch mit den kleinen Dingen sorgt er für pausenlose Lacher.

Das Klischee, seine Witze würden früher oder später stets unter der Gürtellinie enden, versucht er gar nicht, aus der Welt zu schaffen. „Ich habe schon früh gelernt, um was es eigentlich wirklich immer geht“, sagte er. Nämlich um Sex. Und so wundert es auch nicht, dass die Stadthallenbesucher johlend auf den Stühlen hängen, wenn der 68-Jährige von kuriosen Sexfantasien erzählt oder sich sicher auch viele Menschen bei folgender Weisheit wiederfinden: „Im Alter wird’s oben immer weniger und unten immer mehr. Irgendwann kann ich mir den Kopf abseifen und unten rum schamponieren.“

Nicht nur mit den haarigen Problemen kann der gerne auch als Altmeister des Witzes bezeichnete Künstler punkten. Sichtlich verwundert erzählt von der Lippe, dass es Moriaphilie gibt. Die Erregung eines Menschen durch das Erzählen und Hören unanständiger Witze. „Ich wusste nicht, dass ich seit 40 Jahren mein Publikum errege.“

Pure Gelassenheit

Jürgen von der Lippe hat am Abend also möglicherweise sein Publikum sexuell erregt – definitiv aber die Lachmuskeln schier pausenlos strapaziert. Der Comedian war nie der quirlige Typ, der wie viele seiner Mitstreiter hektisch über die Bühne rennen musste, um zu begeistern. Das muss er auch heute nicht. Ein stummer Blick von ihm reicht aus, um für Lacher zu sorgen. Und das kommt nicht nur beim Northeimer Publikum bestens an.

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Interview mit Jürgen von der Lippe: „Wir haben früher alle gesoffen“

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