Sitzung

Jugendhilfeausschuss: Eine Watsche für die Northeimer Landrätin

+
Aua, das tat weh: Der Jugendausschuss des Northeimer Kreistages findet die von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel geplante Umstrukturierung des Jugendamts gar nicht gut.

Northeim. Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Northeim hat die von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel geplante Umstrukturierung des Jugendamtes einstimmig abgelehnt.

In seiner Sitzung am Donnerstagabend stimmte der Ausschuss einstimmig dafür, die bisherige Struktur weitestgehend beizubehalten und vor allem den bisherigen Leiter, Martin Brünig, auf seinem Posten zu belassen. Ihm solle lediglich mit Jochen Althaus ein gleichberechtigter zweiter Leiter an die Seite gestellt werden. Das GfE-Kreistagsmitglied Marc Hainski hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Althaus soll nach dem Willen der Landrätin künftig die Leitung des Jugendamts übernehmen.

Marc Hainski

Es ist das erste Mal, seitdem Klinkert-Kittel im Amt ist, dass ihr vonseiten der Politik so einmütige Ablehnung eines ihrer Vorhaben entgegenschlägt.

Der Beschluss des Ausschusses hat allerdings nur empfehlenden Charakter. Die Landrätin muss ihm nicht folgen. In Personalangelegenheiten hat sie alleinige Entscheidungsbefugnis.

Trotzdem wurde der Beschluss von den zahlreichen Jugendamts-Mitarbeiter im Zuschauerraum des großen Sitzungssaals des Northeimer Kreishauses mit lautem Beifall aufgenommen.

Astrid Klinkert-Kittel

Klinkert-Kittel verteidigte ihren Plan, Jochen Althaus zum Leiter des Jugendamtes zu machen. Der bisherige Jugendamtsleiter, dessen Arbeit von Hainski, Karoline Otte (Grüne), sowie von Peter Traupe und der Ausschussvorsitzenden Christina Münder (beide SPD) in der Sitzung ausdrücklich gelobt wurde, soll künftig den Bereich Regionalplanung und Umwelt übernehmen.

Die Landrätin wiederholte ihre Überzeugung, dass durch die Umstrukturierung der gesamten Kreisverwaltung bessere Kommunikationswege entstehen und die Aufgaben effizienter erledigt werden können. Das gelte auch für den Jugendamtsbereich.

„Sie können mir glauben, ich habe in den vergangenen Monaten sieben Tage die Woche über die neue Organisationsstruktur nachgedacht“, sagte Klinkert-Kittel. Sie sei überzeugt, die neue Struktur bringe mehr Vor- als Nachteile.

Die Entscheidung, die Spitze des Jugendamtsbereichs neu zu besetzen sei eine strategische Entscheidung. Zum einen fehle im Bereich Regionalplanung und Umweltschutz „ein gestandener Verwaltungsmann“. Deshalb solle Brünig diesen Bereich übernehmen. Zum anderen sei Althaus als Sozialpädagoge eher der typische Jugendamtsleiter.

Auch die Ausschussmitglieder betonten in der Diskussion, dass ihre Kritik an der Umstrukturierung sich keineswegs gegen Althaus richte, dessen Eignung für die Leitungsaufgabe sie nicht infrage stellten. 

Klinkert-Kittel: Alles ist geprüft

Worum dreht es sich bei der Kritik des Jugendhilfeausschusses an der Umstrukturierung im Jugendamt? Das erläutern wir in Fragen und Antworten.

Was wird neben der Neubesetzung der Leitungsstelle kritisiert? 

Nach den Worten der Jugendhilfeausschussmitglieder Marc Hainski, Christina Münder und Peter Traupe geht es bei der inhaltlichen Kritik an der Umstrukturierung im Wesentlichen um drei Punkte: 

  • Durch die geplante Zusammenlegung der Bereiche Jugend und Soziales und die damit verbundene (angestrebte) engere Zusammenarbeit dieser Bereiche drohe eine Vermischung, die datenschutzrechtliche und sogar strafrechtliche Konsequenzen haben könne. Ferner sei das Jugendamt als organisatorische Einheit nicht erkennbar, obwohl es gesetzlich eine solche Einheit geben müsse. 
  • Die Herauslösung der Erziehungsberatungsstelle (künftig: Familienberatungsstelle) in einen eigenen Fachbereich Beratungsleistungen sei nicht zulässig, sie müsse Teil des Jugendamtes bleiben. 
  • Es sei durch eine weitere Arbeitsverdichtung eine Überlastung der Mitarbeiter zu befürchten, die zum Wohle von Kindern in problematischen Familien eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben. 

Was hält Landrätin Astrid Klinkert-Kittel der Kritik entgegen? 

Die Landrätin äußerte sich im Gespräch mit der HNA zu der Kritik: 

  • Die künftige Organisationsstruktur der gesamten Kreisverwaltung sei umfassend rechtlich geprüft worden. Dass der Begriff Jugendamt (wie bereits seit über zehn Jahren) nirgendwo auftauche, sondern sich künftig hinter den Fachbereichen „Soziale Dienste“, „Kinder und Familien“ sowie „Jugend und Beistandschaften“ verberge, sei kein Problem. Sie kündigte allerdings an, dass auf der neuen Homepage des Landkreises, die noch in diesem Sommer online gehen soll, die entsprechenden Stellen leichter erkennbar sein sollen als bisher. 
  • Der künftige Dezernent für Jugend und Soziales, Harald Rode, betonte in der Ausschusssitzung, dass die Erziehungsberatungsstelle bewusst zu einem eigenständigen Fachbereich gemacht werde, um den Menschen, die Rat suchen, die Sorge zu nehmen, dass über jede Familie, die sich beraten lässt, sofort „eine Akte angelegt“ werde. 
  • Es gebe zwar Probleme, beispielsweise durch Schwangerschaften freiwerdende Stellen wieder zu besetzen, so Klinkert-Kittel, aber durch die Umstrukturierung werde es keine Arbeitsverdichtung geben – auch gerade bei der Leitung nicht.

Anonymes Schreiben an Fraktionschefs

Wegen der Umstrukturierung der Kreisverwaltung gärt es offenbar im gesamten Kreishaus. Der HNA liegt ein anonymes Schreiben aus der Belegschaft vor, das an die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen gerichtet ist. Darin wird dem Personalratsvorsitzenden das Misstrauen ausgesprochen, weil er im Umstrukturierungsprozess die Interessen der Beschäftigten nicht oder nur unzureichend vertrete. Zum Misstrauen gegen den Personalratschefs trage bei, dass er nach der Neuorganisation die Leitung eines Fachbereichs übernehmen soll. Der Prozess der Umstrukturierung wird in dem Schreiben als destruktiv beschrieben. Besonderheiten einzelner Arbeitsbereiche seien nicht berücksichtigt worden. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel äußerte sich erstaunt über die Kritik. Es habe in der Kreisverwaltung noch keine Neuorganisation gegeben, bei der die Mitarbeiter so stark einbezogen worden seien. Bei 950 Mitarbeitern sei es aber vielleicht nicht verwunderlich, wenn es einige gebe, die sich nicht mitgenommen fühlen. Es habe vielfältige Möglichkeiten für die Beschäftigten gegeben, sich einzubringen – beispielsweise über einen Fragebogen im Intranet der Kreisverwaltung. Dabei seien auch zahlreiche Hinweise eingegangen. „Da ist viel Kreatives gekommen“, sagte Klinkert-Kittel. Vieles sei berücksichtigt worden. Der Personalratsvorsitzende gehöre zum Kreis der Nachwuchsführungskräfte in der Kreisverwaltung. In einem Auswahlverfahren für eine Leitungsposition habe er sich durchgesetzt. Außerdem, so betonte die Landrätin, habe er in der Arbeitsgruppe, die den Umstrukturierungsprozess gesteuert habe, sich stark für Lösungen zum Besten für die Mitarbeiter eingesetzt.

Kern der Umstrukturierung der gesamten Kreisverwaltung zum 1. August ist die Umwandlung von neun Fachbereichen in vier Dezernate sowie der darunter liegenden Fachbereiche von 38 auf 25. Dabei ist eines der Ziele von Klinkert-Kittel, dass die sehr unterschiedlichen Größen der Fachbereiche angeglichen werden und die jeweiligen Leiter von Sachbearbeitung entlastet werden und mehr Zeit für Führungsaufgaben haben. Das gilt nach ihren Worten auch für den Bereich des Jugendamtes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.