Jurist aus Uslar geht wegen Untreue über zwei Jahre hinter Gitter

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Northeim/Uslar. Ein Rechtsanwalt aus Uslar ist am Montag vor dem Amtsgericht Northeim wegen gewerbsmäßig begangener Untreue zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Hinzu kommt ein Berufsverbot über drei Jahre. Das Berufsverbot wird ab sofort verhängt.
Das Amtsgericht sieht es als erwiesen an, dass der Rechtsanwalt in neun Fällen Geld gegenüber Klienten veruntreut hat, wie Amtsgerichts-Direktorin Ingrid Sell bestätigte. Richter Dr. Martin Rammert blieb damit knapp unter dem Strafmaß von zwei Jahrens und zehn Monats, das der Staatsanwalt gefordert hatte. Der Verteidiger des Juristen hatte Freispruch gefordert.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor dem Amtsgericht zwei Klagen gegen den 46-jährigen Juristen angestrengt: Er musste sich wegen des Vorwurfs der Untreue in 40 Fällen sowie der Unterschlagung in einem weiteren Fall vor dem Schöffengericht verantworten.

Fremdgeld vereinnahmt

Dabei ging es um den Vorwurf, in seiner Funktion als Rechtsanwalt zwischen Oktober 2008 und Ende 2012 Fremdgeld in Höhe von fast 80 000 Euro aus verschiedenen Mandatsverhältnissen vereinnahmt, für geschäftliche und private Ausgaben genutzt und teilweise erheblich verspätet und teilweise gar nicht an seine Mandanten weitergeleitet zu haben.

Das Verfahren gegen den Juristen aus Uslar wurde Mitte Dezember eröffnet. Das Schöffengericht unter der Leitung von Dr. Martin Rammert hatte sich mit allen Beteiligten am Anfang darauf verständigt, jeden Fall einzeln durchzugehen.

Zum Auftakt hatte der Angeklagte beteuert, es gehe um seine Existenz. Er fühle sich durch das Verfahren benachteiligt und verfolgt. Nur in einem der 41 Fälle gab der Uslarer Anwalt am Anfang zu, dass es sich um einen Fehler seines Hauses gehandelt habe. Das Geld sei zurückgezahlt worden, er habe auf seine Gebühren verzichtet, versicherte er.

Erklärungen zu jedem Fall

Zu allen anderen Fällen hatte der Angeklagte Erklärungen abgegeben. Viele der Betroffenen seien auch heute noch seine Mandanten, auch habe er häufiger die Gebühren, die er seinen Mandanten in Rechnung gestellt hatte, gleich von den auszuzahlenden Summen abgezogen. Im finanziell betrachtet größten Fall sollte der Uslarer Anwalt 100 000 Euro Fremdgeld erhalten und davon 67 000 Euro gleich an den Mandanten überwiesen haben, danach Teilbeträge erst Jahre später.

In den meisten der Fälle, die ihm zur Last gelegt wurden, ging es um Zahlungen von Versicherungen an Mandanten, die der Angeklagte behalten und erst später ausgezahlt sowie Teilsummen einbehalten haben soll.

Die ersten 30 Fälle drehten sich nur um eine Mandantin und Zahlungen aus einer Stiftung, es sind Beträge zwischen 500 und 2500 Euro.

In einem anderen Fall ging es um Geld aus einem Grundstücksverkauf, von dem der Mandant nur ganz wenig erhalten habe.

Der Rechtsanwalt hatte mehrmals erklärt, Geld einbehalten zu haben, vor allem, weil es sich um seine Gebühren für die Fälle gehandelt habe. 

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