Ausweisung von Vorrangflächen

Kaum Platz für Windkraftanlagen im Landkreis Northeim  

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Windenergieanlagen bei Ahlshausen: Nach den Landkreis-Plänen stehen sie in der künftigen Tabuzone um den Ort. Das heißt, wenn sie verschlissen sind, könnten sie nicht an gleicher Stelle durch neue ersetzt werden.

Weist der Landkreis Northeim genug Windvorrangflächen aus? Laut Dr. Kirstin Wahler, die in der Kreisverwaltung für die Planung der Vorrangflächen zuständig ist, ist das fraglich.

Schon nach der Festlegung der sogenannten harten und weichen Tabuzonen sind nur relativ wenige Flächen übrig geblieben. Diese müsste nun avifaunistisch, also vor allem in Bezug auf den Rotmilan, andere Raubvögel und Fledermäuse, untersucht werden. Da der Rotmilan im Landkreis stark vertreten ist, sei wahrscheinlich, dass noch einige zurzeit noch als geeignet erscheinende Flächen als Windvorranggebiete nicht infrage kommen, sagte sie am Donnerstag bei der Vorstellung des Stands der Planung bei einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Bau, Umwelt und Regionalplanung in der Northeimer Stadthalle. Rund 50 Zuschauer waren zu der Sitzung gekommen.

Sollte die Forderung, der Windkraft „substanziellen Raum“ zu geben, nicht erfüllt werden, müsste die Planung korrigiert werden. Dann, so Dr. Wahler, würden die sogenannten weichen Tabuzonen noch einmal überprüft.

Waldgebiete sind als Standorte ausgeschlossen

Harte Tabuzonen sind Bereiche, in denen aus rechtlichen oder anderen Gründen der Bau von Windkraftanlagen ausgeschlossen ist. Beispielsweise ist nahe an Ortschaften der Bau von Windkraftanlagen ausgeschlossen. Auch Naturschutzgebiete sind harte Tabuzonen, ebenso Natura-2000-Gebiete, deren Schutzzwecke nicht mit Windkraft vereinbar sind. In Niedersachsen sind außerdem Waldgebiete als Windkraftstandorte ausgeschlossen.

Als weiche Tabuzonen werden dagegen Bereiche bezeichnet, in denen nach dem Willen des Landkreises keine Windkraftanlagen entstehen sollen. So soll der Abstand von Windvorrangflächen zu Ortschaften mindestens 1000 Meter betragen (450 Meter harte Tabuzone plus 550 Meter weiche Tabuzone).

Wir können nicht so planen, wie wir wollen“, betonte Dr. Kirstin Wahler, in der Kreisverwaltung für die Planung der Vorrangflächen zuständig, in der Ausschusssitzung in der Northeimer Stadthalle.

Angesichts der engen rechtlichen Vorgaben seien weiche Tabuzonen in jedem Fall nur dort möglich, wo sie so begründet werden können, dass die Begründung vor Gericht standhält. Denn es seien in jedem Fall Klagen zu erwarten.

Folgende Abstände sollen eingehalten werden: 

  • zu Siedlungsbereichen 1000 Meter, 
  • zu Ferienhaussiedlungen, Campingplätzen und Einzelhäusern 600 Meter, 
  • zu Gewerbe- und Industriegebieten 450 Meter, 
  • zur Weser (Bundeswasserstraße) 50 Meter, 
  • zur Autobahn 40 Meter und 
  • zu Bundes-, Landes- und Kreisstraßen 20 Meter.

Der Naturpark Solling-Vogler wird beispielsweise als weiche Tabuzone eingestuft, ebenso alle Natura-2000-Gebiete, deren Schutzzwecke mit Windkraftanlagen vereinbar sind, und Bereiche in Landschaftsschutzgebieten mit hoher und sehr hoher Bedeutung.

Mögliche Windvorranggebiete im Landkreis Northeim

Neben einer größeren Fläche zwischen den Einbecker Ortschaften Dassensen, Holtensen, Hullersen, Odagsen und Rotenkirchen sind derzeit vor allem noch folgende Bereiche als Vorrangflächen möglich:

  • zwischen Moringen und Hollenstedt;
  • westlich von Moringen;
  • zwischen Edesheim und Imbshausen;
  • nördlich von Hevensen, Wolbrechtshausen, Lütgenrode und Nörten-Hardenberg;
  • zwischen Gladebeck und Parensen;
  • südlich von Lindau;
  • östlich von Berka und
  • zwischen Ahlshausen und Sebexen.

Weitere kleinere Flächen, die als Vorrangflächen infrage kommen könnten, liegen außerdem

  • östlich von Gremsheim und Wolperode;
  • nördlich von Dankelsheim (alles Stadt Bad Gandersheim),
  • nördlich von Voldagsen;
  • südlich von Wenzen (beide Stadt Einbeck);
  • nördlich von Hilwartshausen (Dassel);
  • westlich von Schoningen und
  •  nördlich von Dinkelhausen (beide Stadt Uslar).

Das bedeutet, dass zahlreiche der 41 bestehenden Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 55 Megawatt (reicht zur Versorgung von 30 .000 Haushalten) in Tabuzonen stehen. Allein 31 dieser Anlagen stehen dichter als 1000 Meter an Ortschaften.

Zunächst hätten die bestehenden Anlagen in Tabuzonen Bestandsschutz. Sie könnten allerdings nicht an gleicher Stelle durch neue Anlagen ersetzt werden.

Die avifaunistische (vogelkundliche) Untersuchung der möglichen Vorrangflächen („Potenzialflächen“) soll im 4. Quartal dieses Jahres sowie in den ersten beiden Quartalen des kommenden Jahres vorgenommen werden.

Anschließend sollen die Vorrangflächen vorgestellt werden.

Bis Ende kommenden Jahres soll das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises in Bezug auf die Windvorrangflächen im Entwurf vorliegen.

Dann, so Dr. Wahler, könnte der Bau von Windkraftanlagen außerhalb der Vorrangflächen, abgelehnt werden. Bis dahin müsse jedes Bauvorhaben einzeln geprüft und gegebenenfalls auch genehmigt werden.

Jede Windvorrangfläche soll Platz für mindestens drei Windkraftanlagen bieten

In jedem Fall sollen die ausgewiesenen Windvorrangflächen am Ende so groß sein, dass jede mindestens drei Windkraftanlagen Platz biete.

Dabei müssen die Windkraftanlagen so platziert werden, dass ihre Rotoren nicht über die Grenze der jeweiligen Vorrangfläche hinausragen können.

Damit die Anlagen sich nicht gegenseitig stören, müssen sie einen Mindestabstand des Dreifachen ihres Rotordurchmessers haben, so Kreisbaudezernent Ralf Buberti.

Neben den 41 bestehenden Anlagen im Landkreis sind derzeit 30 weitere Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 118 Megawatt (für 66 000 Haushalte) im, Genehmigungsverfahren.

Wer sich genauer über die Planung informieren will, soll das demnächst auf der Internetseite des Landkreises Northeim können. Dort sollen in Kürze die Planungskarte und die Präsentation zum Planungsstand veröffentlicht werden.

Weitere Infos zur Planung der Windvorranggebiete gibt es hier.

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