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Keine Angst vor heimischen Spinnen

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Die Nosferatu-Spinne: Sie sitzt nicht als Lauerjäger in einem Spinnennetz, sondern läuft auf der Suche nach Beute umher.
Die Nosferatu-Spinne: Sie sitzt nicht als Lauerjäger in einem Spinnennetz, sondern läuft auf der Suche nach Beute umher. © Robert Pfeifle/dpa

Ein Blick unter das Bett, hinter Kopfkissen und Vorhänge, auf den Fußboden, an die Decke und die Wände – für manche Menschen gehört eine akribisch durchgeführte abendliche Spinnen-Inspektion zum Einschlafritual. Allein die Vorstellung, eine Spinne könnte sich des Nachts auf das Gesicht oder andere unbedeckte Körperpartien abseilen und darauf herumkrabbeln, bringt sie andernfalls um den Nachtschlaf.

Northeim – Auch tagsüber sorgen Spinnen gerne für Gekreische. Der Anblick des haarigen Spinnenkörpers, aufgebaut aus dem ungegliederten Hinterleib und dem Kopfbrustteil, der vier Beinpaare sowie die Mundgliedmaßen trägt, löst in Kombination mit raschen, lautlosen Bewegungen vielfach Unbehagen und Fragen aus, wie: Was will die von mir? Ist die etwa tödlich giftig?

In unseren Breiten kann die letzte Frage mit „nein“ beantwortet werden. Zwar produzieren alle Spinnen, auch die etwa 4500 in Europa vorkommenden Arten, Gifte, doch diese dienen dazu, die Beute, vor allem Insekten und andere Gliederfüßler, zu lähmen oder zu töten. Im Lauf ihrer 300 Millionen Jahre währenden Evolution bestand keine Notwendigkeit, den erst seit rund 300 000 Jahren existierenden modernen Menschen (Homo sapiens) ins Beuteschema aufzunehmen. Seine dicke, elastische Haut kann von den Kieferklauen kleiner Spinnenarten nicht durchdrungen werden. Giftbisse durch größere Spinnen wie die Kreuzspinne sind extrem selten und treten nur auf, wenn die Tiere zuvor gedrückt oder gequetscht wurden. Ihre Giftwirkung ist vergleichbar mit der eines Wespenstiches.

Das gilt gleichermaßen für eine Art aus der Familie der Kräuseljagdspinnen: die „Nosferatu-Spinne“ (Zoropsis spinimana). Sie ist im europäischen Mittelmeerraum heimisch, dehnt ihr Areal nach Mitteleuropa aus und hat mittlerweile auch Niedersachsen erreicht.

Ihre Körperlänge beträgt ein bis zwei, ihre Beinspannweite bis zu fünf Zentimeter. Mit etwas Fantasie lässt sich in der Zeichnung auf dem Rücken die Filmfigur aus dem gleichnamigen Stummfilm erkennen. Dessen Untertitel „Symphonie des Grauens“ klingt dramatisch, wird jedoch der harmlosen Spinnenart in keiner Weise gereicht.

Diese Kreuzspinne lauerte jüngst in Northeim in ihrem Netz auf Beute und wurde zunächst von der Entdeckerin für eine Nosferatu-Spinne gehalten.
Diese Kreuzspinne lauerte jüngst in Northeim in ihrem Netz auf Beute und wurde zunächst von der Entdeckerin für eine Nosferatu-Spinne gehalten. © Hubert Jelinek

Weitaus passender wäre: „Schrecken der Paarung“. Bei den meisten Spinnenarten ist das Spinnenmännchen klein und muss bei der Annäherung an seine größere Braut sehr vorsichtig sein. Wenn sie kein Interesse hat oder gar hungrig ist, kann es passieren, dass sie ihn für eine Beute hält und gierig verschlingt. Um diesem Schicksal zu entgehen, tanzt er oft stundenlang vor ihr oder übergibt eine Beute als „Brautgeschenk“, bis sie bereit ist, sich mit ihm zu paaren.

Die Eier werden vom Weibchen einige Wochen nach der Begattung abgelegt und in einem speziellen Behälter aus Spinnseide, dem Eikokon, eingewickelt. Viele der Spinnenweibchen sterben wenige Tage später, zum Beispiel auch die Kreuzspinne.

Spinnen erjagen ihre Beute oder erbeuten sie mithilfe eines Fangnetzes. Dabei wiegt die jährliche Summe aller Beutetiere mehr als die Weltbevölkerung.

Wenn das kein Grund ist, seine Angst vor Spinnen endlich zu überwinden! In homöopathischen Dosen empfiehlt sich das Anschauen von Biene-Maja-Filmen mit der Spinne Thekla. Sie rauben garantiert nicht den Nachtschlaf. (Ingrid Müller)

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