"Keine Sekunde gezögert"

Ersthelfer erzählen von ihren Erlebnissen bei Unfällen

Tagtäglich ereignen sich schwere Unfälle auf unseren Straßen: Erste-Hilfe-Kenntnisse, wie auf diesem Symbolbild dargestellt, geben Handlungssicherheit für den Notfall. Foto: dpa

Northeim. Josef und Rebecca haben erlebt, was keiner erleben möchte. Sie kamen als Ersthelfer auf einen schweren Unfall zu, befreiten Verletzte aus dem brennenden Wrack.

Ihre Geschichte macht Mut, im Notfall beherzt zu handeln - und den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen.

Es sind Minuten, die Josef Janßen in seinem Leben nicht mehr vergessen wird. Mit seinem Motorrad war der 53-Jährige aus Mönchengladbach an diesem Sommertag im Landkreis Northeim unterwegs. Eigentlich wollte er über die Autobahn den Heimweg antreten, entschied sich dann aber für die Landstraße. Dort passierte das Unglück. Ein Auto, mit dem drei junge Menschen unterwegs waren, raste gegen einen Baum. Das Wrack ging in Flammen auf. Josef Janßen war als einer der ersten am Unfallort.

„Ich wusste sofort, dass ich etwas tun musste“, sagt er heute, ein halbes Jahr später. Keine Sekunde habe er gezögert. Zwei der Insassen waren im brennenden Auto eingeklemmt. Gemeinsam mit weiteren Ersthelfern zog Janßen die Verletzten aus dem Fahrzeug, organisierte einen Feuerlöscher, rief Feuerwehr und Polizei. „Es hat sich wie eine Ewigkeit angefühlt, bis der Rettungsdienst da war“, erinnert er sich.

Trotz des mutigen Einsatzes der Ersthelfer kam für die Fahrerin des Autos jede Hilfe zu spät. Sie starb am Unfallort. Die beiden anderen Insassen wurden schwer verletzt - einer von ihnen konnte das Krankenhaus erst nach Monaten verlassen. Dennoch ist dieser Unfall ein positives Beispiel für Zivilcourage. „Wenn niemand angehalten und geholfen hätte, wären vermutlich auch die beiden anderen jungen Menschen in dem brennenden Auto gestorben“, bestätigt Hauptkommissar Dieter Armbrecht von der Polizei Northeim. „Die Helfer haben beispielhaft und vorbildlich gehandelt.“

Auch die 24-jährige Rebecca aus Göttingen kam durch Zufall an der Unfallstelle vorbei. Für die junge Frau war sofort klar, dass ihre Hilfe gebraucht wurde. „Es waren schon ein paar Männer da, die versucht haben, die Verletzten aus dem brennenden Wrack zu befreien“, erzählt sie. Der Feuerlöscher sei innerhalb weniger Sekunden leer gewesen, ohne dass die Helfer den Brand löschen konnten.

Die junge Frau kümmerte sich um einen Verletzten, sprach mit ihm und redete ihm Mut zu - bis der Rettungsdienst eintraf. „Mein Erste-Hilfe-Kurs war zum Glück noch nicht lange her“, sagt sie. „Er hat mir Sicherheit und einen roten Faden gegeben.“ Im Nachhinein sei sie froh, dass sie handeln konnte.

Notfalseelsorger hätten sich noch am Unfallort auch um die Helfer gekümmert, erzählt die Göttingerin. Dennoch habe ihr vor allem eins geholfen, das Erlebte zu verarbeiten: „Ich wusste, dass ich intuitiv alles getan habe, was ich konnte.“

Von Julia Schwekendiek

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