Techniker verlegen acht Kilometer Leitung

Die Northeimer St.-Sixti-Kirche bekommt eine Fußbodenheizung

In der Sixti-Kirche in Northeim wird eine  Fußbodenheizung eingebaut. Das Bild zeigt von Eric Müller (Firma Reinhardt aus Rudolstadt), Frank Wagner (Architekt Landeskirche Hannover), Jochen Müller (Firma Reinhardt) und Kirchenvorstand Dr. Christian Steigertahl.
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Kunstvolles Muster im Kirchenboden: In der Sixti-Kirche Northeim wird derzeit die Fußbodenheizung eingebaut. Das Bild zeigt von Eric Müller (Firma Reinhardt aus Rudolstadt), Frank Wagner (Architekt Landeskirche Hannover), Jochen Müller (Firma Reinhardt) und Kirchenvorstand Dr. Christian Steigertahl.

Es ist eigentlich ein Pilotprojekt: So eine Fußbodenheizung wurde bisher noch nie in ein Gotteshaus in der Landeskirche Hannover eingebaut.

Northeim – Ein Heizungsprojekt dieser Größe in einem Kirchenraum hat es im Bereich der Landeskirche Hannover noch nicht gegeben. Und auch das Bild, das sich dem Betrachter derzeit in der Northeimer St.-Sixti-Kirche bietet, wird es sobald nicht wieder zu sehen geben: Knapp 8 Kilometer Heizungsrohre sind im Boden des Kirchenraums verlegt und bieten mit ihrem Geflecht ein fast surreal anmutendes Bild.

Das wird es allerdings nicht mehr lange zu sehen geben, denn schon in wenigen Tagen wird das weiße Hart-kunstoff-Gewirr, das die Mitarbeiter der Heizungsbaufirma Reinhardt aus Rudolstadt aufwendig geformt und auf Plastiknoppenplatten verlegt hat, unter einer sieben Zentimeter dicken Estrichschicht verschwunden sein. Letztere wird die Firma Kunde aus Lagershausen in den nächsten zwei Wochen auftragen.

Für die evangelische Landeskirche Hannover ist der Einbau der Fußbodenheizung in die Sixti-Kirche, die mit ihrem 30 Meter langen Hauptschiff und dem anschließenden Chorraum eine der größten Hallenkirchen in Südniedersachsen darstellt, nicht nur von der Größe, sondern auch der Komplexität des gesamten computergesteuerten Heizsystems her ein Pilotprojekt, betont Frank Wagner, Architekt beim Amt für Bau und Kunstpflege der Landeskirche Hannover in Göttingen.

Das zeigt sich auch schon von der Kostenseite, denn insgesamt investieren Landeskirche, Sixti-Gemeinde und Kirchenkreis über 1,2 Millionen Euro in die neue Heizung. Laut Kirchenvorsteher Dr. Christian Steigertahl kommen 905 000 Euro von der Landeskirche, 250 000 aus Eigenmitteln der Gemeinde und 70 000 Euro vom Kirchenkreis.

Wie komplex das gesamte Heizungssystem ist, veranschaulicht Frank Wagner. Nach seinen Worten gibt es im Boden 36 Heizkreise im großen Kirchenschiff und noch einmal 10 im Chorraum. Mit Warmwasser ver- und entsorgt werden sie über drei in der Mitte des Kirchenraums verlaufende Rohre.

Doch das sei noch längst nicht alles. Entlang der Außenmauern von St. Sixti verlaufen auf 70 Meter Länge sogenannte Unterflurkonvektoren, die die von den Seitenwänden abfallen Kaltluft wieder erwärmen und dann seitlich in den Innenraum pusten. Zusätzlich gibt es noch drei Wärmestationen im Kirchenraum, die zur Abdeckung von Spitzenlast-Zeiten Warmluft ins Kirchenschiff blasen.

All das läuft computergesteuert, auf der Basis von Daten die die überall in der Kirche verteilten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensoren liefern. „In dieser komplexen Form haben wir eine Heizungserneuerung in unseren Kirchen noch nie gemacht“, sagt Architekt Winter. Zuvor seien vom verantwortlichen Planungsbüro in Chemnitz auch Klima- und Luftströmungsmessungen vorgenommen worden, auch damit später die wertvollen und frisch restaurierten, mittelalterlichen Kirchenfenster und die Gloger-Orgel besser geschützt sind.

Ganz neu eingebaut wird in Kürze auch der Heizkessel als Herz der gesamten Anlage. Die Heizzentrale bekommt ihren Platz im ersten Obergeschoss der Kirche, im Turmraum rechts neben der Orgel. Die alte Heizanlage von St.-Sixti befand sich in einem Nachbarhaus, Kirchplatz 7. Die Wärme wurde von dort unter der Straße in die Kirche geleitet.

600 Quadratmeter Fläche zählt der Inneraum der Sixti-Kirche. Über den gesamten Boden wurden die Heizungsrohre verlegt. Entlang der Seiten sorgen Unterflurkonvektoren für Wärme und optimales Raumklima.

Nach der Estricheinbringung sollen die vor einigen Monaten ausgebauten und nach Nummerierung vor der Kirche gelagerten Sandsteinplatten wieder eingebaut werden. Dies allerdings nicht sofort, sondern erst ab Ende Januar, wie Steigertahl berichtet. „Um die Sandsteinplatten nicht zu bekleckern, haben wir uns entschlossen, den eigentlich erst für später geplanten Anstrich der Seitenwände vorzuziehen. Das soll dann ab 1. Dezember passieren, sobald der Estrich trocken ist.“ 60 000 Euro bringen die Sixti-Gemeinde und der Sixti-Förderverein dafür auf.

Bereits mit der Heizungsverlegung einherging auch der Einbau der neuen Elektrik in St. Sixti mit vielen neuen Anschlüssen für Lampen und das neue Beleuchtungskonzept, für Steckdosen, aber auch für das neue Lautsprechersystem. Für Letzteres wurden im Erdboden in Altarnähe auch drei „Bodentanks“ mit Anschlüssen unter anderem für Mikrofone und Steckdosen gesetzt. 160 000 Euro hat die Kirchengemeinde für den ersten Abschnitt der Elektroarbeiten bereitgestellt. Geplant ist die Wiederverlegung der gesäuberten alten Sandsteinplatten im Kirchenschiff Ende Januar. Danach sollen auch die restaurierten mittelalterlichen Kirchenfenster wieder eingesetzt werden, die sich jetzt noch in der Restauratoren-Werkstatt im thüringischen Seebergen befinden. Axel Gödecke

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