Kindernotdienst bald nur noch in Göttingen - Reaktionen sind gemischt

Northeim. Im Landkreis Northeim wird es ab 1. Juli keinen gesonderten ärztlichen Kindernotdienst mehr geben. Der Bereitschafsdienst für Südniedersachsen soll im Klinikum Göttingen angesiedelt sein. 

Darauf hat jetzt der Northeimer Kinderarzt Thomas Holstein-Diephold hingewiesen.

Bislang war dieser Dienst, der bereits vor 13 Jahren ins Leben gerufen wurde, so geregelt, dass insgesamt acht Kinderärzte aus der Region (drei aus Northeim, zwei aus Einbeck, einer aus Hardegsen und zwei aus Seesen) abwechselnd samstags, sonntags und an Feiertagen von 9 bis 12 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr Sprechstunden hatten. Darüber hinaus waren sie montags, dienstags und donnerstags abends, mittwochs und freitags ab 13 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen ganztägig telefonisch erreichbar.

Ab Juli wird der kinder- und jugendärztliche Bereitschaftsdienst für ganz Südniedersachsen in der Uni-Klinik Göttingen für ambulante Notfälle zur Verfügung stehen. Daran werden mehr als 30 Kinderärzte aus der gesamten Region Südniedersachsen teilnehmen.

Die Sprechzeiten hier sind mittwochs von 18 bis 22 Uhr, freitags von 16 bis 22 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 20 Uhr. Zu allen anderen Zeiten wird die Ambulanz der Kinderklinik zuständig sein.

Die von der Kassenärztlichen Vereinigung verfügte Änderung sieht Holstein-Diephold mit gemischten Gefühlen. „Auf der einen Seite ist es natürlich eine Entlastung für die beteiligten Ärzte, da nun erheblich weniger Bereitschaftsdienste anfallen werden“, sagt er. „Auf der anderen Seite ist es aber eine Verschlechterung der Situation für die die ländliche Bevölkerung, wobei es insbesondere die Eltern, die kein eigenes Auto haben, am härtesten trifft.“

Ein weiterer Nachteil sei, dass die Bereitschaftsdienstpraxis am Helios-Krankenhaus voraussichtlich mehr zu tun bekommen werde.

Insbesondere die kleinsten Patienten werden deutlich längere Wege auf sich nehmen müssen, betont Holstein-Diepold und bedauert, dass die Entscheidung über die Neugestaltung des Bereitschaftsdienstes so lange gedauert habe und in der Öffentlichkeit bislang nicht ausreichend kommuniziert worden sei. „Wir werden sehen, wie die Stunden der Kinderärztinnen und Kinderärzte in Göttingen mit riesigem Einzugsgebiet angenommen werden“, sagt Dr. Christian Steigertahl, Vorsitzender des Northeimer Ärztevereins. „Schon bisher konnten wir bei Unklarheit alle Kinder dorthin überweisen, wenn wir vor Ort die Dringlichkeit erkennen konnten.“ Lange Fahrstrecken müssten die Familien also auch bei der gegenwärtig noch gültigen Regelung auf sich nehmen. Eine große zusätzliche Belastung für die Bereitschaftdienstpraxis am Helios-Krankenhaus befürchtet Steigertahl durch die ab Anfang Juli gültige Änderung nicht. Er weist darauf hin, dass der kinderärztliche Bereitschaftsdienst auch bislang schon keine Hausbesuche angeboten hat und diese von der Fahrdienstbereitschaft des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes erledigt wurden und auch weiterhin erledigt werden. (nik) 

Der neu eingerichtete Bereitschaftsdienst in Göttingen, Tel. 05 51/70 70 93 45, ist über den Osteingang des Universitätsklinikums und dann mit dem Fahrstuhl B4 auf der Ebene 1 zu erreichen.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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