Kleiner Waffenschein: Zahl im Kreis Northeim hat sich verfünffacht

Northeim. Immer mehr Menschen im Kreis Northeim gehen lieber bewaffnet auf die Straße, auch wenn es nur Schreckschusspistolen oder Pfefferspray-Dosen sind.

Das beweist der explosionsartige Anstieg der Ausgabe von sogenannten kleinen Waffenscheinen. Innerhalb nur eines Jahres hat sich die Zahl der Neuausgaben mehr als verfünffacht. 324 Papiere wurden bislang kreisweit ausgegeben.

Bereits im ersten Quartal 2016 war die Nachfrage drastisch auf über 120 gestiegen (HNA berichtete). Damit war eine Verdoppelung gegenüber 2015 erreicht. Damals machten Polizei und Landkreis die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln als Hauptgrund aus.

Jetzt bilanzieren der Kreis und Stadt Northeim als die zuständigen Waffenbehörden im Landkreis, dass die Entwicklung noch zugenommen hat. Kreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer: „Nach 23 Genehmigungen in 2014 und 53 im vorigen Jahr, haben wir jetzt, kurz vor Jahresschluss, schon 261 Scheine neu ausgegeben“. Insgesamt seien 670 kleine Waffenscheine im Umlauf, die vom Landkreis über die Jahre ausgestellt wurden.

In der Stadt Northeim ein ähnliches Bild: Laut Stadt-Pressesprecher Christoph Sachse wurden von der Stadt in diesem Jahr 63 Scheine ausgestellt, im Jahr zuvor waren es elf, davor sogar nur neun.

„Wir sehen die Entwicklung mit Sorge“, sagt der Chef der Polizeiinspektion, Hans Walter Rusteberg. Das Mitführen von Schreckschusswaffen oder Reizgas gaukele eine Sicherheit vor, die effektiv nicht gegeben sei.

Bei Bedienfehlern könnten diese Waffen sogar zur Gefahr für die eigene Person werden, etwa, wenn Reizgas gegen den Wind gesprüht werde oder wenn die Schreckschusspistole von der Polizei als solche nicht erkannt werde. Einen solchen Fall habe es kürzlich in Wulften gegeben, wo ein Mann mit einer Schreckschusswaffe auf Beamte geschossen hatte. Für seine Festnahme sei ein Sondereinsatzkommando angefordert worden.

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

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