Klinik-Abriss in Northeim: 1955er-Wand mit Überraschung

Historisches Dokument: Dr. Christian Steigertahl mit der Bauurkunde über das Krankenhaus-Projekt, die bei der Grundsteinlegung am 18. Juni 1955 mit in die Grundstein-Hülse gepackt worden war. Rechts das Loch in der Wand, in der die Schatulle lag. Fotos: privat/nh

Northeim. Dem zufälligen Vorbeikommen des Northeimer Arztes Christian Steigertahl an der Abriss-Baustelle der alten Northeimer Klinik ist es zu verdanken, dass jetzt die Grundstein-Schatulle des früheren Krankenhauses gefunden und gesichert werden konnte.

Die Hülse verbarg sich hinter der Wand neben dem gerade im Abriss befindlichen Haupteingang, in der die Tafel mit dem Baujahr 1955 einbetoniert war. „An die Möglichkeit, hier auf die Grundstein-Schatulle zu stoßen, hatte wohl keiner gedacht, obwohl bekannt war, dass es sie gab. Vermutlich wäre sie bei den Abrissarbeiten für immer verloren gegangen. Gut, dass ich beim Vorbeifahren angehalten habe“, sagt der Northeimer Mediziner mit ein wenig Stolz.

Steigertahl war kurzerhand zu den Bauarbeitern gelaufen und hatte sie darum gebeten, die 1955er-Wand vorsichtig mit der Baggerschaufel anzugehen, was diese auch taten. Kurz darauf der große Moment: Die Metallhülse mit den Grundsteindokumenten hing an der Schaufel. Ihr Inhalt wurde nicht nur vom Arzt, sondern auch von den Arbeitern mit großer Neugier aus dem Behälter gezogen. Jetzt soll Stadtarchivar Ekkehart Just die Dokumente auswerten.

Als Dank für die Rücksichtnahme schenkte Steigertahl den Abriss-Experten ein Exemplar der von ihm mitverfassten Chronik des alten Krankenhauses, die zur Einweihung der neuen Klinik im November 2014 erstellt wurde Mitverfasser sind die leitende Notärztin Petra Kamin, Stadtführerin Barbara Schweikle, Klinik-Sprecherin Julia Szikszay und Reinald Wegner.

In der Hülse befanden sich Fotos von alten Krankenhausstandorten in Northeim sowie vom Baugelände, Bauzeichnungen, DM-Münzen, die Ausgabe der Northeimer Neuesten Nachrichten vom 1. Dezember 1953, in der über den Kreistagsbeschluss zum Neubau der Klinik an den Sturmbäumen berichtet wurde, und eine Bauurkunde vom 18. Juni 1955. Darin steht: „Bisher konnte die Einwohnerschaft des Kreises nur in den während des Krieges eingerichteten Hilfskrankenhäusern, die in der Graf-Otto-Schule (Oberschule für Jungen) und in der Richenzaschule (Oberschule für Mädchen) und in dem kleinen, 55 Betten enthaltenden Krankenhaus der Stadt Northeim notdürftig versorgt werden.“

Weiter heißt es: „Die medizinischen und hygienischen Verhältnisse in diesen Notkrankenhäusern waren der Bevölkerung gegenüber nicht länger vertretbar. Der Kreistag beschloss daher, ein Krankenhaus zu errichten und den hierzu notwendigen Beitrag, der sich auf ca. 4,5 Millionen DM belaufen wird, zu bewilligen“.

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