Grippewelle und wenig Personal

Kliniken im Kreis Northeim haben zu wenig Platz für Notfallpatienten

Northeim. Der Rettungswagen mit einem Notfall-Patienten fährt los, doch welche Klinik er ansteuern darf, steht noch in den Sternen. In den vergangenen Wochen war dies auch im Kreis Northeim Realität.

Grund für die Misere: Überfüllte Notaufnahmen und zu wenig Personal, um die Kapazität kurzfristig zu erhöhen.

Passiert ist das kürzlich auch Ingrid Seeger aus Lagershausen: Mit einer akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung musste sie in die Klinik, in Northeim gab es eine Absage, also brauste der Rettungswagen zur Helios-Klinik Herzberg.

Personal ist überlastet

Doch auch dort habe es Probleme gegeben, schildert Seeger. Vier Betten hätten schon auf dem Gang gestanden. „Auch mich wollte man erst nicht aufnehmen, schließlich ging es dann doch.“ Es folgte eine Woche Behandlung allerdings mit Problemen, schildert sie, legt aber Wert auf die Feststellung, dass das Personal keine Schuld an der Situation trage. Dies sei einfach überlastet.

Auch im Ex-Landkreis Osterode hatten Rettungsdienste Ende März Probleme, Notfallpatienten in Kliniken abzuliefern, berichtete der Harzkurier. Ein Patient mit Magenblutung etwa sei in Northeim, Herzberg und Duderstadt abgelehnt worden. Auch weitere Fälle hat laut es Dr. Reiner Schenk, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes für den Altkreis Osterode, gegeben.

Schuld war vor allem Grippewelle

Auch der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Northeim, Bodo Lenkewitz, weiß von solchen Fällen. Hauptsächlich schuld seidie Grippe gewesen, sodass sich die Lage aktuell entspannt habe. Allerdings gebe es bundesweit in allen Häusern weiter einen eklatanten Pflegemangel.

Der Engpass in den Notaufnahmen wird vom Landkreis Northeim bestätigt. In den ersten Monaten 2018 sei es häufiger vorgekommen, dass sämtliche Krankenhäuser in Südniedersachsen am Rande ihrer Aufnahmemöglichkeiten gewesen seien und sich bei den Leitstellen abgemeldet hätten. Ursache sei die Grippe gewesen, betont Kreis-Sprecher Dirk Niemeyer. 

Durch die hohe Anzahl von schwer an Grippe erkrankten Menschen sei es in den ersten Monaten des Jahres zur Überbelegung in allen Kliniken der Region gekommen, betont Niemeyer weiter. Infektionspatienten hätten nicht mehr ausreichend isoliert werden können. Die notfallmedizinische Versorgung bei lebensbedrohlichen Notfällen sei allerdings von den Krankenhäusern im hiesigen Bereich immer sichergestellt gewesen, versichert Niemeyer.

Lage hat sich entspannt

 „Die Lage hat sich aktuell entspannt“, beruhigt Jan Henze, Rettungswachenleiter des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) in Nörten. „Aber die vergangenen Wochen waren extrem“, ergänzt er. Notfallpatienten seien bis nach Hannover, Witzenhausen und Nordhausen gebracht worden, weil auch die Göttinger Kliniken voll waren. Bei 20 Prozent der Einsätze habe es Schwierigkeiten gegeben.

 Bernward Kellner, Geschäftsführer der Johanniter Unfall Hilfe Northeim gibt auch Entwarnung, bestätigt aber ebenfalls die Probleme der Vorwochen, dass Rettungswagenbesatzungen nicht gewusst hätten, wohin es gehen soll. „Von der Einsatzleistelle kam dann beispielsweise nur: Fahrt man erst mal in Richtung Göttingen.“ 

Situation wird beobachtet 

Die Situation in den Kliniken werde vom Landkreis Northeim als Träger des Rettungsdienstes seit Jahren intensiv beobachtet und regelmäßig mit den Verantwortlichen der Krankenhäuser besprochen, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen, berichtet Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer. Dies könne jedoch immer nur im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten der Krankenhäuser erfolgen. 

Auch bei grundsätzlicher Verpflichtung eines Krankenhauses zur Abnahme des Patienten aus dem Rettungsdienst, könne diese Pflicht nur bedeuten, dass die Patienten bei Aufnahme dann auch tatsächlich ausreichend versorgt werden können, so Niemeyer weiter. In bestimmten Fällen könne es daher durchaus sinnvoll sein, dass sich Krankenhäuser abmelden, damit Rettungsdienste diese nicht umsonst anfahren.

 Helios: Keine Abmeldung 

Die Northeimer Helios-Klinik betont in einer Stellungnahme, dass sie dem Rettungsdienst bei Überfüllung der Notaufnahme zwar Bescheid gebe, sie aber generell natürlich Notfallpatienten versorge, wenn sie trotzdem eingeliefert würden. Dies geschehe nach einem Dringlichkeitsverfahren.

Die Anzahl der Klinikbetten, die in unserem Haus für die Versorgung von Patienten zur Verfügung steht, unterliege den Vorgaben des Landes-Sozialministeriums, schreibt Kliniksprecherin Julia Szikszay weiter. Der Krankenhausplan des Landes bilde dabei die Basis, um eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

 25 Betten über Plan

 „Gemäß des Krankenhausplans 2018 sind in unserer Klinik 210 Planbetten vorgesehen. Derzeit betreiben wird sogar 235 Betten.“ In 18 Intensiv- und Intermediate Care Bettplätzen und fünf Versorgungsplätzen in der Chest pain unit (Brustschmerzeinheit) sei dabei eine intensivgemäße oder intensivähnliche Monitorüberwachung und Behandlung möglich. Szikzsay: „Für ein Haus unserer Größe sind wir damit sehr gut ausgestattet. Die Helios-Kliniken im Kreis Northeim arbeiten in diesem Bereich eng zusammen und helfen sich aus.“

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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