Fragen und Antworten zum geplanten Industriegebiet West

Knackpunkt fürs Industriegebiet Northeim sind die Feldlerchen

Luftaufnahme von den Feldern bei Northeim. Dort soll das neue Industriegebiet entstehen.
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Mit der Erschließung des Industriegebietes West, das hier entstehen soll, werden Natur und Landschaftsbild beeinträchtigt. Als Ausgleichsmaßnahme sind unter anderem sogenannte „Lerchenfenster“ geplant. ARCHIV

Wegen Feldlerchen sind die Planungen für das neue Northeimer Industriegebiet ins Stocken geraten.

Northeim – Nachdem der städtebauliche Vertrag mit der Klosterkammer für die jüngste Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt (PBU) nicht vorlag, soll nun der Verwaltungsausschuss am Montag entscheiden. Die Zustimmung zum Bebauungsplan „Industriegebiet West“ wurde vom Ausschuss nicht empfohlen. Dazu einige Fragen und Antworten:

Wozu wird der städtebauliche Vertrag mit der Klosterkammer benötigt?

In diesem Vertrag wird geregelt, welche Ausgleichsmaßnahmen erfolgen müssen, um den durch die Erschließung des Industriegebietes entstandenen Eingriffs in die Natur auszugleichen. Dieser Vertrag ist für die Rechtskraft des entsprechenden Bebauungsplanes unerlässlich. Vorgesehen sind darin sogenannte Kompensationsmaßnahmen, die durch die Klosterkammer in den nächsten 30 Jahren betreut werden sollen.

Wie sehen diese Maßnahmen aus?

Als Ausgleich für den Eingriff in das Landschaftsbild soll ein Galeriewald gepflanzt werden. Außerdem müssen sechs sogenannte „Lerchenfenster“ gefunden werden, also Flächen auf denen Blüh- oder Brachstreifen entstehen, die als Lebensraum für Feldlerchen geeignet sind. Diese müssen störungsfrei sein und mindestens einen Abstand von 50 Metern zur frequentierten Wegen, Gehölzen oder anderen sogenannten „Vertikalstrukturen“ haben, von den aus Greifvögel Jagd auf die Lerchen machen könnten.

Wieso wurde der Vorschlag, dass Ausgleichsflächen nicht von der Klosterkammer, sondern von Landwirten aus der Region bewirtschaftet werden, nicht weiterverfolgt?

Der Verwaltungsausschuss war in seiner Sitzung am 15. Oktober der Argumentation der Stadtverwaltung gefolgt. Die hatte zu Bedenken gegeben, dass in diesem Fall die gesamten Pläne erneut öffentlich ausgelegt werden müssten. Weitere Gründe waren, dass die Landwirte zum einen aus Sicht der Verwaltung keine geeigneten Flächen vorgeschlagen hatten und zum anderen auf einer jährlichen Zahlung seitens der Stadt bestanden haben, was aber rechtlich wohl nicht möglich ist. Die Befürworter dieser Lösung zweifeln das jedoch an.

Feldlerche: Der Bestand im Bereich des geplanten Industriegebietes wird auf 6 Paare geschätzt.

Warum lag der städtebauliche Vertrag bis zur jüngsten PBU-Sitzung nicht vor, obwohl die Verhandlungen mit der Klosterkammer doch schon seit Monaten laufen?

Laut Stadtverwaltung hat sich bei einer erneuten Überprüfung herausgestellt, dass die ursprünglich geplanten und mit allen Beteiligten abgestimmten Flächen nicht geeignet sind. Das gilt insbesondere für die „Lerchenfenster“. Diese seien allerdings am 29. November mit allen Beteiligten abgestimmt worden. Die entsprechende Überarbeitung des städtebaulichen Vertrages sei bis zur Sitzung allerdings nicht mehr möglich gewesen.

Ist es wichtig, dass der Bebauungsplan für das Industriegebiet noch in diesem Jahr verabschiedet wird?

Aus Sicht der Stadtverwaltung ja. Nicht nur, weil sonst einige Kaufverträge mit Grundstückseigentümern aufgelöst werden müssen und der Zeitplan für die Erschließungsarbeiten nicht eingehalten werden kann. Sondern weil auch über den im Dezember 2019 gestellten Antrag für das Landesprogramm „Förderung hochwertiger wirtschaftsnaher Infrastrukturmaßnahmen“ erst entschieden wird, wenn ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt. Außerdem hat das Amt für regionale Landesentwicklung unter der Voraussetzung, dass diese Förderung genehmigt wird, zusätzlich eine Kofinanzierung über 500 000 Euro zugesagt.

Wie geht es jetzt mit dem Thema weiter?

Sowohl für den städtebaulichen Vertrag als auch für den Bebauungsplan wird der Verwaltungsausschuss am Montag, 7. Dezember, eine Beschlussempfehlung für den Rat aussprechen. Der hat dann in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 10. Dezember, das letzte Wort.

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