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Amateurfunker im Kreis Northeim können auch im Notfall kommunizieren

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Von: Michael Caspar

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Funker Edgar Rien hat dem Landkreis und der Polizei eine Zusammenarbeit angeboten. Doch die fühlen sich selbst gut gerüstet.
Funker Edgar Rien hat dem Landkreis und der Polizei eine Zusammenarbeit angeboten. Doch die fühlen sich selbst gut gerüstet. © Michael Caspar

Weggeschwemmte Strommasten, extreme Spannungsschwankungen im Netz, Hackerangriffe: „Bei einem Zusammenbruch des Stromnetzes kommunizieren Amateurfunker weiter“, sagt Edgar Rien vom Northeimer Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC).

Northeim - Doch das ist laut Rien nicht selbstverständlich: „Die heutigen Fest- und Mobilfunk-Netze sind auf Strom angewiesen. Nicht nur die Endgeräte, auch die Funkmasten.“ Mit dem Klimawandel steige auch das Risiko eines längeren Stromausfalls, denn mit den sich häufenden Stürmen und Überschwemmungen drohe die Beschädigung von Strommasten.

„Der Krieg in der Ukraine zeigt die Gefahr feindlicher Hackerangriffe auf kritische Infrastruktur, wie etwa die Stromversorgung“, erklärt der Amateurfunker. Für Instabilität im Netz sorgten die Windkraft- und Photovoltaikanlagen, die Strom dezentral einspeisen. Die Netzbetreiber steuern laut Rien gezielt dagegen an.

„Wir Amateurfunker sind ebenfalls von Strom abhängig, allerdings lange nicht so stark wie andere Privatpersonen“, betont er. Viele Funker verfügten über leistungsfähige Akkus und Notstromaggregate. Die von ihnen genutzten Radiowellen würden ebenfalls durch stromabhängige Funkmasten verstärkt. Signale könnten aber auch mit verringerter oder fehlender Stromversorgung empfangen werden.

Da auch das digitale Telekommunikationsnetz staatlicher Stellen Strom benötige, bietet Rien die Zusammenarbeit der 20 Northeimer DARC-Mitglieder an. Doch sowohl die Kreisverwaltung als auch die Polizeiinspektion Northeim winken ab.

Der Grund: Über ihr geschütztes Tetra-Funknetz würden sicherheits- und datenschutzrelevante Informationen ausgetauscht, zum Beispiel über die kritische Infrastruktur, erläutert die Pressesprecherin des Landkreises, Saskia Binnewies. Nach ihren Worten laufen die Tetra-Funkzellen bei einem Stromausfall zunächst im Akkubetrieb weiter. Später ließen sie sich durch Aggregate aufladen, die das Land dezentral im Landkreis stationiert habe.

Der verfüge über eigene Netzersatzanlagen und könne bei Bedarf ergänzend Anhänger mit weiteren Anlagen anfordern. So ließen sich die Feuerwehrtechnischen Zentralen und die Einsatzleitstelle unterbrechungsfrei weiterbetreiben. Für den nötigen Treibstoff sorge eine Tankstelle in Northeim.

Außerdem, so Binnewies, nutze der Landkreis im Fall der Fälle die eigene Satelliten-Anlage. Das Land baue derzeit ergänzend ein eigenes Kommunikationsnetz via Satellit auf. Auch die Kreisfeuerwehr verfüge über Satelliten-Telefone. Einwohner könnten bei Bedarf über örtliche Feuerwehrhäuser Hilfe anfordern. Und: Der Landkreis verteile im Krisenfall an Einsatzkräfte eine „hohe Anzahl“ digitaler Handsprechfunkgeräte.

Diese funktionierten auch bei einem Ausfall der Tetra-Funktürme über mehrere Kilometer, so die Landkreis-Sprecherin weiter. Im Notfall ließen sich zudem mobile Funktürme einsetzen, wie sie zum Beispiel von großen Musikfestivals bekannt sind.

Laut Daniel Ahrenbog von der Polizeiinspektion Northeim verfügen „die wesentlichen Dienststellen der Polizeiinspektion“ über eigene Notstromaggregate, die bei längeren Stromausfällen die „zentralen Funktionen“ sowie den Funk arbeitsfähig halten. (zmc)

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