Konstantin Wecker in Northeim: „Das war große Klasse!“

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Bekanntes Profil: Liedermacher Konstantin Wecker am Blüthner-Flügel beim Konzert in der Stadthalle Northeim. Im Hintergrund Cellistin Fany Kammerlander.

Northeim. Mit dem Herzen denken: Das war die Botschaft des bekannten Münchener Liedermachers Konstantin Wecker beim Konzert in der Northeimer Stadthalle.

Es ist auch der Titel eines Büchleins, in dem der 69-Jährige von ihm selbst kommentierte Beispiele des Facebook-Shitstorms veröffentlicht hat, der losbrach, nachdem er sich vehement für eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen stark gemacht hatte. Trocken stellte er fest: „Je gehässiger der Kommentar war, um so unterirdischer die Orthographie!“

Der engagierte Liedermacher, in Schwarz gekleidet und mit einer Kette aus regenbogenfarbigen Perlen, begrüßte die 300 begeisterten Fans mit der Bemerkung, er könne nicht fassen, dass viele seiner 40 Jahre alten Lieder immer noch oder wieder relevant seien, Lieder gegen Rassismus und Faschismus. Als er im zauberhaften Song auf seine zwei Söhne die Bitte vortrug „Kinder, mir zuliebe, tragt nie eine Uniform“, brandete mitten im Lied spontaner Beifall auf.

Auch alte Hits

Das Konzert mit dem Titel „Revolution“, eine Revolution der Liebe, enthielt auch alte Hits wie „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“, die mit Jubel begrüßt wurden. Eine nicht mehr ganz junge Dame in der ersten Reihe überreichte dem Sänger eine rote Rose.

Herausragende Musiker

Herausragend beim mitreißenden Konzert war die Begleitung. Pianist Wecker wurde von vier virtuosen Multi-Musikern begleitet, die Klavier, Schlagzeug und andere Percussion-Instrumente, E-Bass, E-Gitarre, akustische Gitarre, Geige, Cello und Mandoline spielten. Mit ihnen zusammen zauberte Wecker fantastische Instrumentalpassagen in ausgefallenen und abwechslungsreichen Arrangements.

Unbekümmert wechselten die fünf mit offenkundiger Spielfreude in einem einzigen Song mal zwischen einem klagend-elegischen Cello und in die Beine gehenden lateinamerikanischen Rhythmen, mal zwischen leisem Solo-Klavier und wildem Rock. Natürlich war alles, bis auf wenige Soli, festgelegt und wurde präzise abgeliefert. Aber es wirkte frisch und spontan. Das war große Klasse!

Gedichte lesen

„Die Seele hungert, nur der Wanst wird satt“ war das Fazit einer witzig-intelligenten Technik-Schelte. Die vier Bandmitglieder Fany Kammerlander, Jo Barnikel, Jens Fischer und Wolfgang Gleixner ließen ihre Smartphones verschiedene Instrumente wiedergeben und sangen mit Wecker dazu „Es geht uns gut“. Lachen und tosender Beifall waren die Antwort.

Wecker ist vielseitig und hat viele Anliegen. Er sprach sich für das Lesen, nicht Zerpflücken, von Gedichten aus. Er nahm die Reichen und Nimmersatten im Song „Die Damen von der Kö“ aufs Korn und prangerte Kriegsgewinn im „Waffenhändlertango“ an.

Nach der Pause stimmte Wecker „Die Gedanken sind frei“ an und zeigte sich von den Sangeskünsten des Publikums beeindruckt: „Mit der Zeit kann ich Gotthilf Fischer immer besser verstehen“. Zum Schluss dankte Konstantin Wecker der Stadthallen-Initiative und freute sich, dass die Stadthalle gerettet worden sei. www.wecker.de

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