Entscheidung fiel hinter verschlossenen Türen

Konzept-Immobilie für Fachwerk-Fünfeck geändert: Stadt schwenkt um auf St. Blasien

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Ist neue Konzept-Immobilie fürs Fachwerk-Fünfeck: Der St.-Blasien-Komplex am Northeimer Münsterplatz. In ihm sind derzeit unter anderem das Standesamt und das Bürgerbüro untergebracht.

Northeim. Die Stadt Northeim hat hinter verschlossenen Türen für das Fachwerk-Fünfeck eine neue sogenannte Konzept-Immobilie auserkoren.

Es ist nun St. Blasien am Münsterplatz. Der einstige Klosterkomplex, in dem sich das Standesamt und das Bürgerbüro befinden, soll die im Mai 2016 ausgewählte Konzept-Immobilie – ein leer stehendes Fachwerk-Doppelhaus am Schaupenstiel – ersetzen. Über Gründe schweigt sich die Stadtverwaltung aus.

Nach Recherchen der HNA ist der Sinneswandel bereits vor fünf Monaten in nicht öffentlicher Sitzung des Verwaltungsausschusses passiert. Die Verwaltung sagt, dass die Politik die von der Stadt vorgeschlagene Immobilie am Schaupenstiel nicht mehr für das Fünfeck haben wollte. Offensichtlich passt St. Blasien besser in die stadtplanerischen Überlegungen zur Umgestaltung der Fußgängerzone.

Die Stadt hatte die beiden Fachwerkhäuser am Schaupenstiel seinerzeit auch deswegen vorgeschlagen, weil sie einen neuen Platz für das Medienzentrum mit der Stadtbücherei suchte. So hätte die Stadt jährlich 44 000 Euro Miete sparen können, die sie bislang für das Haus am Medenheimer Platz an den Landkreis als Eigentümer zahlt.

Die Vergabe des 15 000 Euro teuren Auftrags zur Konzepterstellung für die Häuser am Schaupenstiel, für das sich fünf Planungsbüros beworben hatten, habe gerade noch gestoppt werden können, sagt die Geschäftsführerin der in Northeim ansässigen Fachwerk-Fünfeck-Geschäftsstelle, Anna Laura Ulrichs. Sie war vom Umschwenken auf eine andere Immobilie überrascht gewesen.

Mittlerweile ist der Auftrag für eine Nutzungsplanung für die neue Konzept-Immobilie St. Blasien bereits vergeben.

Im ersten Geschoss des Hauses befinden sich Büroräume, die durch eine ungünstige Aufteilung wenig genutzt werden, heißt es in einer Mitteilung des Fachwerk-Fünfecks. Auf derselben Etage liegen oberhalb des Bürgersaals eine Wohnung sowie Räume des Heimatvereins. Das Standesamt mit Trauzimmer liegt im zweiten Obergeschoss oberhalb der St.-Blasien-Kapelle. Es ist nicht über einen Fahrstuhl erreichbar. Ferner fehlt ein vernünftig gestalteter Eingangsbereich. Ebenfalls im zweiten Geschoss liegt eine weitere Wohnung, die Ende 2016 frei wurde.

Das Planungsbüro solle im Nutzungskonzept auch prüfen, ob das Bürgerbüro in St. Blasien bleiben oder in die Stadthalle umsiedeln solle, sagte Stadtbauamtsleiter Lars Bredemeier auf HNA-Anfrage.

Derzeit läuft die Bewerbung der Stadt um Städtebaufördermittel, heißt es in der Mitteilung des Fachwerk-Fünfecks. Die Überprüfung der Nutzung des St.-Blasien-Komplexes sei in puncto Stadtsanierung ein wichtiger Baustein für die Stadtplanung.

Hintergrund: Was ist eine Konzept-Immobilie?

Im Rahmen des vom Bundesbauministerium geförderten Projektes Fachwerk-Fünfeck, dem die fünf Städte Northeim, Einbeck, Duderstadt, Osterode und Hann. Münden angehören, darf jede der fünf beteiligten Städte eine sogenannte Konzept-Immobilie benennen. Dabei handelt es sich jeweils um eine weitgehend ungenutzte Immobilie, für die, bezahlt vom Fachwerk-Fünfeck, ein Modernisierungs- oder Umnutzungskonzept erstellt wird. Ziel ist es, mit den Ideen einen Investor, Partner oder Fördertöpfe zu finden, mit deren Hilfe die Modernisierung umgesetzt werden kann. Die Konzept-Immobilie soll auch Modellcharakter für andere Sanierungsobjekte haben.

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