Ärzteverein: „Krankenhaus wird vor die Wand gefahren"

Nach Kritik an Krankenhaus Northeim: Landrätin will mit Helios sprechen

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Northeim. Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hat besorgt auf die durch die HNA öffentlich gewordene Kritik des Northeimer Ärztevereins am Northeimer Helios-Krankenhaus reagiert.

„Als Landkreis werden wir versuchen, die Vorwürfe auch unter Beteiligung der politischen Gremien im direkten Kontakt mit den Verantwortlichen aufzuarbeiten“, kündigte sie auf Anfrage der HNA an. Ein zukunftsfest aufgestelltes und zugleich bei den Patienten anerkanntes Krankenhaus sei für den Landkreis Northeim von enormer Wichtigkeit.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel

Gleichzeitig betonte sie aber auch, dass der Einfluss des Landkreises Northeim angesichts einer nur noch fünfprozentigen Beteiligung an der Krankenhausgesellschaft begrenzt ist.

Von den Befürchtungen des Ärztevereins („Helios fährt Klinik an die Wand“) habe Klinkert-Kittel erst durch die Berichterstattung in der HNA erfahren, sagte die Landrätin. Weder durch niedergelassene Ärzte, noch durch Bürger sei bislang derartige Kritik an die Kreisverwaltung herangetragen worden. 

Politik: Die Kritik ist nicht neu

In den Kreistagsfraktionen besteht ebenfalls weitgehend Einigkeit darüber, dass der Landkreis seinen Einfluss gegenüber Helios geltend machen muss, damit es zu einer Kurskorrektur im Northeimer Krankenhaus kommt.

Wenig überrascht über die Kritik des Ärztevereins an Helios äußert sich der kommissarische Fraktionsvorsitzende der SPD, Uwe Schwarz. „Die Situation ist bekannt“, betonte er. Die Kritik sei in den Kreistagsfraktionen, aber auch im Aufsichtsrat der Klinik angekommen. Es sei beunruhigend. „Wir haben deshalb darum gebeten, dass der Regionalgeschäftsführer und der örtliche Geschäftsführer im Kreisausschuss Rede und Antwort stehen“, sagt Schwarz. Das Gespräch hätte eigentlich schon vor Wochen stattfinden sollen. Auch mit dem Vorsitzenden des Northeimer Ärztevereins, Dr. Christian Steigertahl, soll es ein Gespräch geben. Niemand habe ein Interesse daran, dass die Kliniken im Landkreis Northeim einen schlechten Ruf haben. Wenn die niedergelassenen Ärzte auf Distanz zu den Helios-Häusern in Northeim und Bad Gandersheim gehen und verunsicherte Patienten sich Krankenhäuser außerhalb des Landkreises suchten, gefährde das die Krankenhausstandorte. Und das schade dem Auftrag des Landkreises, die Krankenhausversorgung sicherzustellen.

Den Christdemokraten ist die Unzufriedenheit mit dem Krankenhausbetreiber bekannt. „Die Stimmen ,Bloß nicht zu Helios’ hört man“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Grote. Auch der CDU ist die Kritik an der Klinikleitung nicht neu. Die Landrätin müsse das Gespräch mit Helios suchen, forderte er. Möglicherweise müsse sich auch der Kreisausschuss einschalten. „Wir müssen eine konstruktive Lösung finden“, betont Grote.

 

Die AfD-Kreistagsfraktion fordert nach den Worten ihres Vorsitzenden, Maik Schmitz, die Landrätin und die Vertreter des Landkreises in Gesellschaftervertretung und Beirat auf, vehement auf eine Verbesserung der Zustände und auf mehr Transparenz zu pochen. „Besonders nach der Privatisierung muss der Landkreis mit den gegebenen Mitteln auf die Einhaltung gewisser Standards pochen“, betont Schmitz. Es seien Maßnahmen zur Wiederherstellung des Vertrauens nötig. Die Kreistagsfraktion der AfD stelle sich gegen die überbordende Kommerzialisierung im Gesundheitssektor, betonte Schmitz. Im Fokus einer Klinik habe das Wohl der Patienten zu stehen und nicht Profitmaximierung.

Es müsse Gespräche geben mit dem Northeimer Ärzteverein und mit Helios, betont auch der Fraktionschef der Grünen, Johannes Antpöhler. Er kritisiert, dass es in den Helios-Häusern keine Kontinuität gebe. Alle halbe Jahre würde ein neuer Chefarzt präsentiert. Er erinnert auch daran, dass, wenn Helios scheitere, der Landkreis wegen seines Sicherstellungsauftrags die Klinik übernehmen müsse. Die FDP und die Fraktion Die Linke/Northeim 21 waren nicht für eine Stellungnahme erreichbar

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